Noch ein Punkt fehlt

Nach dem überzeugenden 5:2 gegen Ungarn und dem neunten Sieg im neunten Spiel reicht der Schweiz am Dienstag in Portugal ein Remis zur direkten WM-Qualifikation.

Ein Goal nach dem anderen: Das sind die Treffer der Schweiz im Spiel gegen Ungarn. (Video: Tamedia/SRF)

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Nun also noch ein Abend, noch ein Spiel, ein einziges. Einen Punkt brauchen die Schweizer Fussballer am Dienstag im Estadio da Luz von Lissabon noch, um sich direkt für die Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Russland zu qualifizieren. Ein 0:0 nur.

Es ist alles andere als eine Pflichtübung, weil der Gegner der Europameister Portugal mit seinem Superstar Cristiano Ronaldo ist. Es ist ein Final, der Final, den sich die Schweizer so sehr gewünscht haben, seit sie vor 13 Monaten mit dem 2:0 in die WM-Kampagne gegen Portugal gestartet sind.

Während sich Portugal in Andorra zum 2:0 müht und dabei einen Treffer von Ronaldo braucht, treten die Schweizer gegen Ungarn überzeugend auf und verbringen einen richtig angenehmen Abend. Das 5:2 ist Ausdruck ihrer Überlegenheit. Es hätte auch noch das eine oder andere Tor mehr geben können. Die Entscheidung fällt schon früh, nach 20 Minuten, und den Schlusspunkt aus Schweizer Sicht setzt Stephan Lichtsteiner in der 83. Minute mit einem sehenswerten Distanzschuss.

Lichtsteiner hämmert den Ball in die Maschen – 5:1

Wer diese Schweiz sieht, sieht eine Mannschaft, die für die Aufgabe am Dienstag bereit ist. Daran ändern auch die beiden späten Gegentor nichts, die höchstens einen statistischen Wert haben, aber nichts über den Klassenunterschied zwischen diesen beiden Teams aussagen.

Der Abend zeigt vielmehr, wie stilsicher diese Schweizer Mannschaft geworden ist, wie überlegt, wie reif. Von der ersten Minute an ist sie präsent, sie lässt bis in die hinterste Ecke des St. Jakob-Parks spüren, dass sie um die Bedeutung der Aufgabe weiss, dass sie alles investiert, um einen Fehltritt zu vermeiden.

«Das haben wir noch nie geschafft»

Das sagen die Schweizer zum anstehenden Final gegen Portugal.

Natürlich enttäuschen die Ungarn auf der ganzen Linie, sie sind spielerisch eine ganz kleine Mannschaft, und eigentlich ist nicht denkbar, dass sie vor 15 Monaten noch im einem Achtelfinal der Europameisterschaft standen. Darum ist bei dieser Entwicklung nur erstaunlich, dass sich Bernd Storck als Coach noch im Amt halten kann.

Diese Professionalität zeichnet die Schweizer aus

Aber die Schweizer lassen sich nicht in die Irre führen oder verführen und nehmen selbst einen Gegner ernst, der von seinem Auftreten her gar nicht ernst zu nehmen ist. Das zeichnet sie eben seit Wochen und Monaten aus: diese Professionalität, diese Seriosität. Es ist zu ihrem Merkmal geworden, dem Merkmal von Klasse.

Und anders als noch gegen Andorra oder in Lettland sind sie diesmal effizient im Abschluss. Sie brauchen keine fünf Chancen, um nur schon ein Tor zu erzielen, sie machen an diesem Abend mit fünf Chancen drei Tore und damit gleich alles klar.

Da spielt es keine Rolle, dass der Gegner ihnen tatkräftig mithilft, beim 1:0 vor allem, auch beim 2:0 und 3:0. Die Schweizer zeichnet aus, dass sie im entscheidenden Moment nachsetzen und hartnäckig sind.

So ist das beim ersten Tor durch Granit Xhaka in der 18. Minute. Goalie Gulacsi und sein Verteidiger Guzmics spielen sich den Ball dreimal hin und her, bis Gulacsi von Xhaka unter Druck gesetzt wird und mit dem Ball am Fuss wegrutscht. Xhaka braucht den Ball nur noch ins leere Tor zu schieben.

Xhaka profitiert vom Torhüterfehler

Zwei Minuten später erkämpft sich Haris Seferovic an der Mittellinie den Ball, Xhaka passt zu Steven Zuber, der zu Fabian Frei. Und dessen Schuss wird noch so abgefälscht, dass Goalie Gulacsi chancenlos ist.

Fabian Frei doppelt nach

Auch das 3:0 steht für die Schweizer Entschlossenheit. Remo Freuler setzt am gegnerischen Sechzehner nach und gewinnt den Ball zurück, Shaqiri legt ihn quer zu Zuber, und der Hoffenheimer schiebt ihn überlegt in die entfernte Ecke.

Steven Zuber mit seinem ersten Länderspieltor

Das Spiel ist gegen dieses überforderte Ungarn mit dem ersten Tor bereits vorentschieden gewesen, spätestens jetzt, nach 43 Minuten, ist es endgültig entschieden. Zuber erhöht gleich nach der Pause auf 4:0, wieder hilft Gulacsi tatkräftig mit, jener Gulacsi, der in Leipzig (noch?) vor dem Schweizer Yvon Mvogo die Nummer 1.

Das 4:0 für die Schweiz

Auch Coach Petkovic macht alles richtig

Der Rest ist eine Pflichtübung. Schär vergibt eine grosse Chance, Frei mit einem herrlichen Volleyschuss ebenfalls. Dass Ungarn nach einer Stunde ein Treffer gelingt, durch Guzmics nach einem Abpraller, ist höchstens eine Randnotiz. Und ein kleiner Schönheitsfehler. Es ist das erste Gegentor für die Schweiz seit zwölf Monaten und dem 2:1 in Andorra.

Erstes Gegentor: Guzmics trifft nach einem Eckball

Was wesentlicher ist, ist der Sieg, der zehnte in Folge, inklusive des Testspiels gegen Weissrussland, der neunte in der Qualifikation. Deutschland ist mit neun Siegen souveräner Erster in seiner Gruppe, die Schweiz dagegen spürt Portugal im Nacken. Dass sie bis jetzt trotzdem nicht nervös geworden ist und zu straucheln begonnen hat, spricht für ihre Entwicklung.

Sommer sieht beim zweiten Gegentreffer nicht gut aus

Auch Vladimir Petkovic darf sich in Basel auf die Schultern klopfen. Der Coach hat in Bezug auf die Aufstellung alles richtig gemacht, er hat die gelb-vorbelasteten Rodriguez, Dzemaili und Mehmedi auf der Bank gelassen, um sie vor einer zweiten gelben Karte und einer Sperre in Portugal zu schützen. Dafür bringt er Moubandje, Frei und Zuber, ohne dass das der Mannschaft schaden würde, im Gegenteil. Moubandje verteidigt seine linke Seite fehlerfrei, Frei und Zuber erzielen zusammen drei Tore. Dazu ersetzt Freuler den verletzten Behrami ohne Makel.

Jeder auf dem Platz verdient sich eine gute Note. Schwächen hat keiner gezeigt. Die Ehrenrunde am Ende ist mehr als verdient.

Die Schweizer in der Einzelkritik


Schweiz - Ungarn 5:2 (3:0)

St. Jakob-Park, Basel. - 32'018 Zuschauer. - SR Tagliavento (ITA). - Tore: 18. Xhaka 1:0. 20. Frei (Zuber) 2:0. 43. Zuber (Shaqiri) 3:0. 49. Zuber (Seferovic) 4:0. 58. Guzmics 4:1. 83. Lichtsteiner (Shaqiri) 5:1. 88. Ugrai 5:2.

Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Schär, Djourou, Moubandje; Freuler (85. Derdiyok), Xhaka; Shaqiri, Frei (73. Zakaria), Zuber; Seferovic (63. Embolo).

Ungarn: Gulacsi; Bese (32. Lang), Guzmics, Kadar, Korhut; Patkai, Elek (56. Markvart); Lovrencsics, Adam Nagy, Varga (69. Sallai); Ugrai.

Bemerkungen: Schweiz ohne Behrami, Gelson Fernandes und Edimilson Fernandes (alle verletzt), Ungarn ohne Dzsudzsak und Fiola (beide gesperrt) sowie Gera und Szalai (beide verletzt). Verwarnungen: 35. Ugrai (Foul). 44. Elek (Foul).

Gruppe B. Die weiteren Resultate vom Samstag:

Färöer - Lettland 0:0. Andorra - Portugal 0:2 (0:0). Rangliste: 1. Schweiz 9/27 (23:5). 2. Portugal 9/24 (30:4). 3. Ungarn 9/10 (13:14). 4. Färöer 9/9 (4:15). 5. Lettland 9/4 (3:18). 6. Andorra 9/4 (2:19).
(SonntagsZeitung)

Erstellt: 07.10.2017, 23:28 Uhr

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