Norwegischer Meister boykottiert Dubai

Rosenborg Trondheim plante, im Emirat zu trainieren. Nach heftigen Protesten überdachte der Traditionsclub sein Vorhaben – und setzt ein deutliches Zeichen.

Spieler von Rosenborg Trondheim beim Training. Bild: rbk.no

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Winter-Trainingslager auf der Arabischen Halbinsel sind bei Fussballclubs aus Europa enorm beliebt. Geschweige denn bei vielen Spielern, die ihre Ferien dort verbringen. Klar, wer möchte schon im Januar bei Minusgraden trainieren? So durften sie in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar in den letzten Jahren Topclubs wie Bayern München, Borussia Dortmund oder Everton begrüssen. Und auch Paris St-Germain hat kürzlich bekannt gegeben, in diesem Winter nach Doha, Katar zu reisen.

Diesem Beispiel wollte der norwegische Meister Rosenborg Trondheim im Januar folgen. Das war zumindest der Plan. Am Montag gab der Verein bekannt, während der Winterpause ein Trainingslager in Dubai abzuhalten. Doch bereits einen Tag darauf folgte die Meldung, dass Rosenborg nun doch darauf verzichten werde und sich stattdessen nach einem anderen Ort umsehen werde.

Storniert diese beschämende Reise!

Denn die Fans waren mit dem Trainingsort Dubai alles andere als einverstanden. Ihnen war besonders die Kriminalisierung Homosexueller zuwider. Die Skandinavier gelten als eines der tolerantesten Länder weltweit, schon seit 2009 dürfen Homosexuelle in Norwegen heiraten, nur Holland, Belgien, Spanien, Kanada und Südafrika legalisierten diese Ehe früher.

Ganz anders im arabischen Emirat. Dort ist Homosexualität illegal und kann sogar mit der Todesstrafe bestraft werden. Auch am Umgang mit weiblichen Opfern von sexueller Gewalt im Emirat stören sie sich in Trondheim. 2016 wurde in einem Hotel in Dubai eine Britin vergewaltigt. Als sie Anzeige erstattete, drehten die Behörden den Spiess um und machten die damals 25-Jährige zur Schuldigen. Der Grund: ausserehelicher Sex.

Wegen solcher Vorkommnisse rief der Fanclub Kjernen (Deutsch: Kern) den Rest der Anhänger auf, gegen den Plan des Clubs zu protestieren. In einem Statement forderte der Fanclub den Verein auf: «Ändert eure Meinung sofort! Storniert diese beschämende Reise!» Rosenborg Trondheim sei ein Club für alle und stehe für mehr als nur den Erfolg auf dem Fussballplatz. Für Tradition und Offenheit, ein Club mit Werten, den Menschen unabhängig von Herkunft und politischer Überzeugung wählen können.

Der Club sah sich gezwungen zu reagieren. «Einiges wurde so gedeutet, als würden wir bestimmte Dinge unterstützen, für die das dortige Regime steht. Fussball und Politik gehören in der Regel nicht zusammen, aber ab und zu tun sie es eben doch», sagte Sportdirektor Stig Inge Björnebye. (mro)

Erstellt: 08.12.2017, 18:06 Uhr

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