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Nur Koller kann Streller retten

Es gab nur ihn: Marcel Koller muss die Steine wegräumen, die ihm eine überforderte Vereinsführung in den Weg gelegt hat.

Marcel Koller wird neuer Trainer beim FC Basel. Grund für die Verpflichtung ist die grosse Erfahrung, welche der 57-Jährige mitbringt. Das sind die Stationen in der Karriere des Zürchers.
Marcel Koller wird neuer Trainer beim FC Basel. Grund für die Verpflichtung ist die grosse Erfahrung, welche der 57-Jährige mitbringt. Das sind die Stationen in der Karriere des Zürchers.
Keystone
Als Spieler war Koller sesshaft. 18 Jahre lang, von 1978 bis 1996, blieb er einem Verein treu. Mit den Grasshoppers gewann er die Meisterschaft siebenmal und schoss in über 400 Partien 59 Tore. Gleich nach dem Rücktritt stieg er als Trainer ein.
Als Spieler war Koller sesshaft. 18 Jahre lang, von 1978 bis 1996, blieb er einem Verein treu. Mit den Grasshoppers gewann er die Meisterschaft siebenmal und schoss in über 400 Partien 59 Tore. Gleich nach dem Rücktritt stieg er als Trainer ein.
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Der Zürcher blieb jedoch in Deutschland und stiess zum VFL Bochum. Mit dem westdeutschen Verein stieg er gleich in der ersten Saison in die 1. Bundesliga auf und hielt sich dort drei Jahre. 2009 folgte der Abstieg, und Koller wurde seines Amtes enthoben.
Der Zürcher blieb jedoch in Deutschland und stiess zum VFL Bochum. Mit dem westdeutschen Verein stieg er gleich in der ersten Saison in die 1. Bundesliga auf und hielt sich dort drei Jahre. 2009 folgte der Abstieg, und Koller wurde seines Amtes enthoben.
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Der FCB, das ist schreckliches Schauspiel, ein Drama gar, um im Theaterjargon zu bleiben. Ein Schauspiel dafür, wie man mit einem Erbe nicht umzugehen weiss, sondern ein Haus in Schutt und Asche legt. Ein paar Monate nur haben Präsident Bernhard Burgener und Sportchef Marco Streller als Hauptverantwortliche dafür gebraucht. Auch das ist eine Leistung.

Koller ist eine gute Wahl, wahrscheinlich die beste überhaupt, die sie während ihrer etwas mehr als einjährigen Verantwortung getroffen haben. Er hat als Trainer die Erfahrung, die Wicky und Streller und Burgener in ihren Funktionen nicht einmal im Ansatz hatten, als sie anfingen. Er war Meister mit St. Gallen und GC, er hielt den kleinen VfL Bochum nach dem Aufstieg drei Jahre in der Bundesliga, was eine ausserordentliche Leistung war, und er führte Österreich an die EM 2016. Er kennt auch die andere Seite, den Umgang mit dem Scheitern, wie er es beim 1. FC Köln erlebte.

Die Niederlage gegen Saloniki als Offenbarungseid

Und jetzt hat er den Hunger, sich nochmals im Clubfussball zu beweisen. So schwierig die Aufgabe auch ist, für ihn ist sie auch komfortabel. Er kann viel von dem durchsetzen, was er will. Das beginnt beim Salär und führt über die Wahl der Assistenten, besonders von Carlos Bernegger, zu künftigen Transfers.

Kollers Engagement tut keinem besser als Streller, er braucht einen grossen Namen, um nicht noch mehr unter Druck zu geraten, als er es derzeit schon ist. Streller, das ist der Sportchef, besser: ein Sportchef in der Ausbildung. Das Werk seiner bisherigen Arbeit haben am Mittwoch alle sehen können, ob im Stadion oder daheim am Fernseher. Das 0:3 gegen Paok Saloniki im Rückspiel in der zweiten Runde der Qualifikation zur Champions League ist zum sportlichen Offenbarungseid geworden.

Wenn Interimstrainer Alex Frei hinterher feststellt: «Wir haben in der Champions League nichts verloren», dann sagt das alles darüber aus, wie falsch gleich die gesamte Basler Führung die Qualität der Mannschaft eingeschätzt hat. Wie sonst konnte Burgener an der Pressekonferenz zum Saisonstart die Teilnahme an der Champions League zum Ziel ausrufen? Dass Frei die richtige Schlussfolgerung gezogen hat, spricht ihn nicht frei von Schuld. Er sitzt neben Burgener und Streller im Verwaltungsrat, und das verblüffenderweise als Trainer der hauseigenen U-18.

Gegen Saloniki standen sechs Spieler in der Startformation, die Streller als Sportchef wollte, und drei weitere wurden eingewechselt. «Wir halten das neue Kader für gut genug. Definitiv», hatte Streller vor wenigen Tagen noch getönt. Nach drei Niederlagen in den letzten drei Testspielen, dem 1:2 gegen St. Gallen zum Super-League-Start und dem 1:2 im Hinspiel in Saloniki erfasste ihn die Panik. Und Wicky musste geopfert werden, nicht zuletzt, um vom eigenen Versagen abzulenken.

Fehlende Leader

Die Bilanz von Strellers Arbeit zeigt sich besonders daran, welche Rolle den Schlüsseltransfers seiner Amtszeit gegen Saloniki zukam. Ricky van Wolfswinkel, 2017 für 4 Millionen Franken geholt, und Dimitri Oberlin, diesen Sommer für 5 Millionen Franken an den Verein gebunden: Beide wurden beim Stand von 0:3 eingewechselt. Valentin Stocker, im Winter aus Berlin zurückgeholt: Wurde in der Pause nach einer Stocker-üblichen Halbzeit ausgewechselt. Fabian Frei, im Winter aus Mainz zurückgeholt: Sass einen Abend lang auf der Bank. Silvan Widmer schliesslich, jüngst ebenfalls für die Fantasiesumme von 5 Millionen verpflichtet: Zeigte nur, dass Rechtsverteidiger seiner Qualität niemals Schlüsselspieler sein können.

Gerade Stocker und Fabian Frei sollten das Sinnbild für das neue Basel sein, als sie im Winter zurückkehrten. Sie sollten Leitfiguren sein, das eben, was einst Alex Frei und Streller selbst waren, als sie den Weg in die Heimat zurück fanden. Aber wieso sollen Stocker und Fabian Frei auf den Ersatzbänken der Bundesliga auf einmal das geworden sein, was sie vorher nie gewesen waren? Leader.

Wie sehr Strellers Position geschwächt ist, zeigt sich auch an der Personalie von Carlos Bernegger. Eigentlich war Marco Schällibaum die Wahl von Streller als künftigem Assistenten von Koller. Aber der hat auf Bernegger gedrängt, einen weiteren Klienten seines Beraters Dino Lamberti. Und er hat sich durchgesetzt. Die Wahl ist auch deshalb interessant, weil Bernegger und Alex Frei, der heutige Basler Verwaltungsrat, zu gemeinsamen Zeiten als Trainer und Sportchef beim FC Luzern über Kreuz gerieten und Bernegger die Loyalität von Frei anzweifelte.

Koller hat ab sofort viel zu tun. Er muss schnell Erfolg haben, damit der FCB zur Ruhe kommt – und damit Streller nicht endgültig als gescheiterter Sportchef in die Geschichte des Vereins eingeht.

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