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Nur so entgeht PSG jetzt dem CL-Ausschluss

700 Millionen für Neymar: Kann PSG diesen Betrag stemmen? Was wären die Konsequenzen? Und gibt es ein Schlupfloch? Die Antworten.

«Er hat unterzeichnet!», freut sich die französische Zeitung «L'Equipe». Schliesslich kommt Neymar ins Land, genauer zu PSG – Paris St Germain.
«Er hat unterzeichnet!», freut sich die französische Zeitung «L'Equipe». Schliesslich kommt Neymar ins Land, genauer zu PSG – Paris St Germain.
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Anders sieht es im Land aus, das er verlässt. «Er geht, wie er gekommen ist», so das Fazit des «El País»-Journalisten. Neymar war vier Jahre bei Barcelona unter Vertrag und erzielte 123 Tore.
Anders sieht es im Land aus, das er verlässt. «Er geht, wie er gekommen ist», so das Fazit des «El País»-Journalisten. Neymar war vier Jahre bei Barcelona unter Vertrag und erzielte 123 Tore.
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Auch «Blick» feiert vor allem den Rekordbetrag von 222 Millionen.
Auch «Blick» feiert vor allem den Rekordbetrag von 222 Millionen.
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Fast 700 Millionen Euro. So viel kostet im Jahr 2017 ein begnadeter Fussballer. Gerade für Fans ein unverständlich hoher Preis. Fast 700 Millionen also – obwohl die Uefa im Juni 2012 das sogenannte Financial Fairplay (FFP) eingeführt hatte, um genau solche Auswüchse zu verhindern. Der Grundsatz: Kein Team darf mehr ausgeben, als es im Tagesgeschäft einnimmt. Die Verlustgrenze beträgt 30 Millionen Euro im Zeitraum von drei Jahren. Gemäss dem Reglement droht PSG also der Ausschluss aus der Champions League.

Ausgangslage:

Gemäss einer Schätzung des Wirtschaftsmagazins Forbes verzeichnet PSG aktuell einen Gewinn aus dem laufenden Geschäftsbetrieb, von 92 Millionen Euro. Darin nicht enthalten sind Transfers und Spieleramortisationen. In den vergangenen beiden Jahren betrug der Reingewinn nach Abzug der Tätigkeiten auf dem Transfermarkt im Schnitt eine schwarze Null. Gemäss diesen Zahlen dürften die Amortisationskosten in diesem Jahr also 122 Millionen nicht übersteigen (92 Millionen Gewinn plus 30 Millionen Verlustgrenze).

Spieleramortisationen:

Aufgrund der Transfers der letzten fünf Jahre kommen in diesem Jahr knapp 92 Millionen an Amortisationen hinzu. Dieser Betrag entsteht aus der Ablösesumme des Spielers, geteilt durch die Anzahl Jahre seines Vertrages. Somit bleiben noch 30 Millionen Verlustgrenze als Spielraum.

Auf dem Weg: Neymar fliegt nach Paris. Video: Tamedia

Spielerverkäufe: Mit Jean-Kévin Augustin (für 13 Millionen zu RB Leipzig) und Youssouff Sabaly (4 Millionen, Bordeaux) kommen total 17 Millionen dazu, sodass PSG für das aktuelle Transferfenster 47 Millionen Euro ausgeben darf.

Spielerkäufe:

Drei Zuzüge verpflichtete PSG in diesem Sommer. Für 16 Millionen kam Linksverteidiger Yuri Berchiche von Real Sociedad San Sebastian und Dani Alves ablösefrei. Und dann kam Neymar. Der 25-Jährige alleine belastet wegen seiner 695,5 Millionen Euro Gesamtsumme die FFP-Rechnung von PSG in jedem der nächsten fünf Jahre mit 139,1 Millionen. Summiert man Lohn/Amortisationen von Berchiche und Alves, ergibt das einen zusätzlichen Jahresaufwand von 174,6 Millionen Euro. Unter dem Strich muss PSG also in diesem Jahr 127,6 Millionen Euro einnehmen.

Zukunft:

Ein Grossteil der Amortisationen bleibt mindestens bis 2019 bestehen. Ab kommendem Jahr fallen 16 Millionen aus den Käufen von Thiago Silva und Lucas weg, im Sommer darauf weitere 19,5 Millionen (Cavani und Marquinhos). Schafft es PSG also tatsächlich, seine Finanzen für das Jahr 2017 zu begleichen, muss es im Geschäftsjahr 2018 knapp 158,6 Millionen Euro mehr einnehmen, fürs Jahr 2019 rund 139 Millionen. Dies muss beispielsweise via Spielerverkäufe, Merchandising, TV-Rechte oder zusätzlichen Sponsoren passieren. Die Krux an der Sache: Der neue Sponsor darf in keinem Zusammenhang mit den katarischen Besitzern stehen. Ausserdem wurden ab dem Jahr 2016 neue TV-Verträge abgeschlossen – diese laufen bis 2020.

Das macht die Uefa:

Im Vorfeld wurde von vielen Experten befürchtet, dass die Uefa versucht, unbeteiligt aus dem Transferstreit zwischen PSG und Barça herauszukommen. Gegenüber Redaktion Tamedia sagte beispielsweise André Bühler, Direktor des Deutschen Instituts für Sportmarketing: «Das Financial Fairplay ist ein zahnloser Papiertiger. Der Uefa fehlt der Mut, ihre eigenen Regeln auch gegen die grossen Vereine durchzusetzen.» Nun setzen aber die spanische Liga und Barcelona den europäischen Fussballverband unter Druck. So erklärte ein Uefa-Sprecher gegenüber dem TV-Sender Sport 1: «Im Rahmen der kontinuierlichen Überwachung der Vereine bezüglich der finanziellen Spielregelungen wird die Uefa die Details dieser Transaktion zu gegebener Zeit untersuchen, um sicherzustellen, dass PSG den Financial-Fair-Play-Anforderungen entspricht.» Der Club muss die Uefa gemäss Artikel 67 des FFP-Reglements über «wesentliche Änderungen» in seiner Bilanz informieren, was aktuell theoretisch der Fall ist. Die Uefa muss dabei nicht bis Ende des Geschäftsjahres von PSG abwarten, um selber aktiv zu werden – dies besagt Artikel 71 des Reglements.

Diese Strafen drohen PSG:

a) Ermahnung b) Verweis c) Geldstrafe d) Punktabzug in Uefa-Wettbewerben e) Einbehaltung von Einnahmen aus einem Uefa-Wettbewerb f) Verbot der Meldung von Neuzugängen für Uefa-Wettbewerbe g) Beschränkung der Anzahl der Spieler, die ein Verein zur Teilnahme an Uefa-Wettbewerben registrieren darf, einschliesslich einer Beschränkung der Gesamt-Personalausgaben h) Ausschluss aus dem laufenden und/oder künftigen Wettbewerben i) Widerruf von Titeln oder Auszeichnungen

Ein Ausschluss aus der Champions League dürfte eine Klage mit hohen Schadenersatzforderungen nach sich ziehen. Die Uefa müsste sich also sicher sein, dass sie juristisch im Vorteil ist. Ludwig Hierl, Professor und Fachbuchautor zur Bilanzanalyse von Fussballclubs, geht deshalb nicht davon aus, dass der Kontinentalverband eine drakonische Strafe gegen PSG aussprechen wird.

«Und der Gott des Geldes wird immer grösser»: Christian Streich. (Video: Tamedia/AFP)

Andererseits muss der Verband aktiv werden, schliesslich steht der letzte Funke Glaubwürdigkeit auf dem Spiel – der neutrale Fussballfan dürfte ansonsten sein letztes Vertrauen in den Fussball und seine Organe verlieren. Wobei mehrere Experten, unter anderem Bühler und Hierl, damit rechnen, dass PSG die aktuelle Höchststrafe, also der Ausschluss aus der Champions League, drohen würde – sollte die Uefa seine eigenen Regeln durchziehen. Oder neben einer saftigen Geldbusse würde zumindest Neymar für den Kontinentalwettbewerb gesperrt.

Das Schlupfloch:

Unter dem Strich muss Paris ab sofort Jahr für Jahr jeweils einen Spieler für mindestens 100 Millionen verkaufen – und zudem die Merchandising- und Sponsoring-Einnahmen markant steigern. Dass dies gelingt, wagt Hierl zu bezweifeln: «Wenn man den Shitstorm in den sozialen Medien sieht, ist es gut möglich, dass die Zusatzeinnahmen dank Neymar tiefer sein werden als erwartet.»

Aber Achtung, gemäss verschiedenen Medieninformationen plant Katar einen bisher nie dagewesenen Trick: Neymar wird offizieller Botschafter für die WM 2022 in Katar und kassiert dafür 300 Millionen – dieses Geld braucht er dann für die Finanzierung der Ausstiegsklausel. Obwohl die Verbindung zwischen Katar und PSG offensichtlich ist, wird sich die Uefa zweimal überlegen, ob sie das bestrafen wird (oder kann). Trotz Artikel 72: «Die Uefa-Finanzkontrollkammer für Clubs berücksichtigt jederzeit die allgemeinen Ziele dieses Reglements, insbesondere um jeglichen Versuch, diese zu umgehen, zu unterbinden.»

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