Obama bezeichnet die Fifa-Entscheidung als «falsch»

Russland trägt die Fussball-WM 2018 aus, Qatar die Endrunde 2022 – die Wahlen der Fifa-Exekutivbehörde in Zürich lösten unterschiedliche und teilweise unverständliche Reaktionen aus.

Auch der US-Präsident ist enttäuscht, dass sein Land von der Fifa übergangen wurde: Barack Obama kritisiert die WM-Vergabe an Qatar.

Auch der US-Präsident ist enttäuscht, dass sein Land von der Fifa übergangen wurde: Barack Obama kritisiert die WM-Vergabe an Qatar. Bild: Keystone

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US-Präsident Barack Obama hat die FIFA-Entscheidung für Qatar und gegen die USA als Austragungsort der Fussball-WM 2022 als «falsch» bezeichnet. Der Fussballverband der USA hatte Millionen für seine Bewerbung ausgegeben. In dem Verfahren hatte sich auch der frühere Präsident Bill Clinton stark engagiert. Die USA haben bereits 1994 eine Fussballweltmeisterschaft ausgerichtet.

Alan Shearer, Ex-Fussballer und Mitglied des Bewerbungskomitees, meinte unmittelbar nach der Wahl in Zürich-Oerlikon: «Gratulation an Russland, das Bewerbungskomitee machte eine gute Präsentation. Aber dieser Entscheid ist hart zu schlucken. Unsere Präsentation lief sehr gut. Alle haben dies bestätigt. Man muss sich fragen: Wenn wir es dieses Mal nicht geschafft haben, wann dann?»

«Für die Engländer ist das natürlich brutal»

Günter Netzer, Welt- und Europameister mit Deutschland und Fussball-Experte, hatte ein gutes Näschen. Bei Tagesanzeiger.ch/Newsnet prophezeite er im Vorfeld der Abstimmung, dass Russland und Qatar das Rennen machen würden: «Für die Engländer ist das natürlich brutal. Sie haben sich berechtigte Hoffnungen gemacht und eine tadellose Präsentation abgeliefert. Aber Russland wird alles daran setzen, 2018 der Welt zu zeigen, dass es in der Lage ist, eine perfekte Fussball-WM durchzuführen. Was Qatar betrifft, so ist diese Nation kein klassisches Fussball-Land. Man darf gespannt sein, wie dieses Land eine Fussball-WM ausrichten kann.»

David Beckham, ebenfalls Botschafter der englischen Bewerbung: «Wir sind enttäuscht, aber wir wünschen Russland und Qatar alles Gute. Das sind zwei grossartige Länder, die die Fifa stolz machen werden. Es ist natürlich hart, ohne die WM nach Hause zu kommen. Wir hätten keine bessere Bewerbung abgeben können.» David Cameron der Premierminister von Grossbritannien, sagte: «Ich bin tief enttäuscht. Wir hatten seit meiner Geburt 1966 keine WM in England. Ich hatte gehofft, dass sich das ändert, aber diesmal war das leider nicht der Fall.» Prinz William, Unterstützer der englischen WM-Bewerbung, war alles andere denn «amused»: «Ich bin extrem enttäuscht und sehr traurig. Wir hatten eine sehr starke Bewerbung, aber leider hat es nicht funktioniert.»

Die Freude der Gewinner

Freude herrschte natürlich bei den Gewinnern Russland und Qatar. «Lasst uns zusammen Geschichte schreiben», erklärte Russlands Vize-Regierungschef Igor Schuwalow. «Danke, dass Sie an uns glauben, an den Wandel glauben», sagte Bewerbungschef Scheich Mohammed bin Chalifa Al Thani und kündigte an: «Wir werden Sie nicht enttäuschen. Wir sind bereit, Sie werden stolz sein – das verspreche ich Ihnen.»

Dimitri Medwedjew, der russische Präsident, erklärte via Twitter: «Hurra! Sieg! Wir bekommen die Weltmeisterschaft 2018!». Und Wladimir Putin (Russlands Ministerpräsident), meinte: «Die Wahl Russlands ist ein Zeichen von Vertrauen. Sie sagt viel aus über unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten und unsere politische Stabilität. Russland kennt und liebt den Fussball. Wir werden alles in unserer Macht stehende für eine WM auf höchstem Niveau tun. Ich werde nun nach Zürich reisen. Das habe ich der Fifa im Fall einer russischen Wahl versprochen.»

Blatters vorsichtige Worte

Sepp Blatter, der Fifa-Präsident, äusserte sich (natürlich) diplomatisch über den Tag der Entscheidungen: «Ich danke dem Exekutiv-Komitee, denn 2018 und 2022 betreten wir Neuland. Deswegen bin ich ein glücklicher Präsident, wenn wir über den Fortschritt im Fussball reden. Aber ich muss allen Bewerbern ein grosses Lob aussprechen. Beim Fussball geht es nicht nur ums Gewinnen, es ist auch eine Schule des Lebens, in der man lernen muss, zu verlieren. Und das ist nicht einfach.»

Scheich Mohammed bin Chalifa Al-Thani, das Staatsoberhaupt von Qatar, war hoch zufrieden: «Die erste WM auf arabischem Boden wird etwas ganz Besonderes. Der Fussball wird die Kulturen weiter verbinden. Dass wir so eine Veranstaltung organisieren können, haben wir bei den Asien-Spielen 2006 bewiesen.»

Donovans kritischer Ausblick

Landon Donovan, der Fussball-Profi und Rekordtorschütze der US-Nationalmannschaft, mahnte an die Folgen, welche der WM-Austragungsort von 2022 haben könnte: «Diese Vergabe an Qatar ist ein ganz grosses Risiko für die Fifa.»

Theo Zwanziger, Präsident des DFB, glaubt(e), dass politische Kriterien eine Rolle spielten: «Die Entscheidung, die WM 2022 an Qatar zu vergeben, hat mich trotz der Diskussionen und Meldungen der vergangenen Wochen ein wenig überrascht. Ich bin mir sicher, dass die Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees alle Bedenken, die es gegen diese Wahl geben kann, bei ihrer Entscheidungsfindung bedacht haben. Ich bin der Meinung, dass ein friedliches Fussballfest einen Beitrag zur politischen Stabilisierung der Region leisten kann.»

Erstellt: 02.12.2010, 17:11 Uhr

Enttäuscht: Prinz William vernimmt die negative Botschaft. (Bild: Keystone )

Die Ergebnisse der Wahl

Die Resultate der WM-Vergaben 2018 und 2022:

Absolutes Mehr: 12. - England nach dem 1. Wahlgang ausgeschieden

2018: 1. Runde 2. Runde 3. Runde 4.Runde

Russland 9 13
Spanien/Portugal 7 7
Holland/Belgien 4 2
England 2

2022:

Qatar 11 10 11 14
USA 3 5 6 8
Südkorea 4 5 5
Japan 3 2
Australien 1
Absolutes Mehr: 12. - Der letzte jedes Wahlgangs schied aus.

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