Ovationen für Fabian Lustenberger

Die Hertha krönt mit einem 2:0 gegen Mainz die Hinrunde. Grossen Anteil daran hat der kernige Trainer Dardai.

Fabian Lustenberger hat als Captain grossen Anteil an Herthas glänzender Hinrunde.

Fabian Lustenberger hat als Captain grossen Anteil an Herthas glänzender Hinrunde. Bild: Keystone

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Was Selbstvertrauen bewirken kann. Mainz-Spieler de Blasis schiesst, Hertha-Goalie Jarstein streckt die Arme, zeigt nonchalant an, der geht drüber. Nun, der Ball knallt an die Lattenoberkante, Jarstein verzieht keine Miene, Berlin gewinnt gegen Mainz zu null und festigt den dritten und damit für die Champions League berechtigten Tabellenrang.

Das war vergangenen Frühling noch anders. Damals krampfte sich Berlin zum Ligaerhalt – kaum gelungene Spielzüge, kaum Tore, viel Angst. Die Hertha war das hässliche Entlein der Bundesliga. Ein Punkt weniger, und man wäre abgestiegen. Und heute? Da lässt die Mannschaft den Ball laufen, spielt auch einmal zurück, um neuen Anlauf zu holen, und schafft es während knapp einer Minute den Ball in den eigenen Reihen zu halten und die Mainzer (ohne Fabian Frei) in ihrer Platzhälfte einzukegeln.

Lustenberger, der Kopf der Mannschaft

Fabian Lustenberger, der Schweizer Captain, ist Kopf der Mannschaft und sagt beschwingt von den jüngsten Resultaten: «Wir sind eine gute Mannschaft, haben Selbstvertrauen und spielen guten Fussball.» Tatsächlich. Beide Tore gegen Mainz entsprangen aus einem schnellen Umschaltspiel. Sowohl beim Treffer von Darida (der beste Mann auf dem Platz) als auch bei jenem von Kalou ging es blitzschnell: Ball in die Spitze, eine Finte, Tor.

Doch Herthas Erfolg ist mehr als nur das schnelle Umschaltspiel. Gegen Leverkusen siegte man gegen eine spielstarke Mannschaft, gegen Darmstadt gegen eine spielzerstörerische, und gegen Nürnberg dominierte man den zwar gut organisierten, aber eben auf allen Positionen schlechteren Gegner. Dies adelt Trainer Pal Dardai.

Er verlieh der Mannschaft ein Konzept. Das heisst Polyvalenz (übrigens das Lieblingswort von Dardais Vorvorvorvorgänger Favre und Dardais ehemaliger Trainer). Hertha spielt praktisch an jedem Spieltag mit unterschiedlicher Taktik, seine Equipe passt sich dem Gegner an, neutralisiert ihn und setzt auf die eigenen Stärken, gepaart mit dem Selbstvertrauen eine siegbringende Melange.

Dardai, der kernige Trainer

Der Grundstein wurde mit einer beinharten Vorbereitung gelegt. Dardai, der Ungar, sagte dazu: «Fitness ist das Wichtigste. Das strahlt bis in die Birne aus.» Dardai wurde von den Experten lange nicht ernst genommen, nun zeigt der jüngste Trainer der Bundesliga, was er kann. Sein Erklärung für den Erfolg: «Wenn Sie uns im Training zuschauen, dann werden Sie merken, das ist kein Wunder, das ist der Lohn harter Arbeit.»

Er erzählte kürzlich, was er von seinen ehemaligen Trainern gelernt hat: in Ungarn von Ronald Koemann das holländische Positionsspiel. Von Jürgen Röber die Fitness und das freche Spiel nach vorn. Von Lucien Favre die taktischen Finessen. Von Huub Stevens das defensive Konzept. Und von Hans Mayer die Pädagogik.

Einen Anteil am Erfolg hat auch Manager Michael Preetz. Der vielgescholtene Mann, der mit seinen Trainerernennungen in der Vergangenheit wiederholte Male vieles falsch machte (Rehhagel, Funkel, Skibbe), machte diese Saison bei den Neuzugängen vieles richtig: Vladimir Darida, Mitchell Weiser, Vedad Ibisevic, Niklas Stark – alles gewinnbringende Transfers.

Ibisevic, der von Stuttgart bezahlte Glücksgriff

Insbesondere die Personalie Ibisevic provoziert in Berlin ein Glucksen der Glückseligkeit: Der Bosnier kam aus Stuttgart. Dort sass er auf der Tribüne, Stuttgart war froh, ihn abgeben zu können, sie waren gar bereit, etwas an den Lohn des Stürmers zu zahlen. Bei Hertha wurde der 31-Jährige zu einem Pfeiler des Erfolgs. In der Hinrunde schoss er sechs Tore, an diesem Sonntag gab er zweimal den entscheidenden Assist.

So schaukeln die Fans im grossen Rund des Olympiastadion glückserfüllt Richtung Weihnachten. In der 77. Minute stoppen sie für einen Moment. Fabian Lustenberger wird angeschlagen ausgewechselt, die Fans erheben sich, Standing Ovations, Gratulationen von Trainer Dardai.

Hertha Berlin - Mainz 2:0 (1:0). - 39'835 Zuschauer. - Tore: 34. Darida 1:0. 54. Kalou 2:0. - Bemerkungen: Hertha Berlin mit Lustenberger (bis 77.) und Stocker (ab 87.), Mainz ohne Frei (rekonvaleszent).

Mönchengladbach - Darmstadt 3:2 (1:1). - 53'610 Zuschauer. - Tore: 28. Heller 0:1. 44. Stindl 1:1. 51. Nordveit 2:1. 67. Wagner 2:2. 86. Wendt 3:2. - Bemerkungen: Mönchengladbach mit Xhaka (Rote Karte in der 38.), Sommer, Elvedi und Drmic (ab 90.).

Rangliste: 1. Bayern München 17/46. 2. Borussia Dortmund 17/38. 3. Hertha Berlin 17/32. 4. Borussia Mönchengladbach 17/29. 5. Bayer Leverkusen 17/27. 6. Schalke 04 17/27. 7. Wolfsburg 17/26. 8. Mainz 17/24. 9. 1. FC Köln 17/24. 10. Hamburger SV 17/22. 11. Ingolstadt 17/20. 12. Augsburg 17/19. 13. Darmstadt 17/18. 14. Eintracht Frankfurt 17/17. 15. VfB Stuttgart 17/15. 16. Werder Bremen 17/15. 17. Hannover 96 17/14. 18. Hoffenheim 17/13.

Erstellt: 20.12.2015, 18:40 Uhr

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