Penisaffäre: Effenberg räumt Fehler ein

Ottmar Hitzfeld traut seinem ehemaligen Spieler Stefan Effenberg auch als Trainer eine grosse Karriere zu. Wenn er sich da nur nicht täuscht.

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Ottmar Hitzfeld traut seinem ehemaligen Spieler Stefan Effenberg auch als Trainer einiges zu. Doch dessen Karriere gerät schon ins Stocken, bevor sie richtig angefangen hat. Der ehemalige Nationalspieler ist erst im Oktober letzten Jahres 47-jährig ins Trainerbusiness eingestiegen. Beim SC Paderborn, der ihn im Abstiegskampf als Feuerwehrmann für den glücklosen Markus Gellhaus engagiert hat. Doch die Euphorie und die anfänglichen Erfolge sind inzwischen längst der Ernüchterung gewichen. Der Club wird auch unter Effenberg nach unten durchgereicht und belegt nach der Vorrunde lediglich den 16. Tabellenrang in der zweiten Liga.

Und jetzt kams im Trainingslager in Belek auch noch zu der unsäglichen Penisaffäre. Laut der «Neuen Westfälischen» soll sich Stürmer Nick Proschwitz vor einer Dame entblösst und ihr den Penis gezeigt haben. Zudem hätten schon drei Tage zuvor Spieler im Hotel Blumentöpfe in den Pool geschmissen und auf den Gängen uriniert. Obwohl die betroffene Frau der Deutschen Presse Agentur erklärt hatte, sie sei nicht sexuell belästigt worden, wurde Proschwitz fristlos entlassen.

«Überzogene Schlagzeilen»

Das gleiche Schicksal drohte nach Informationen der «Bild»-Zeitung offenbar auch Stefan Effenberg. Es bleibe möglicherweise kein Stein auf dem anderen, erklärte Paderborns Präsident Wilfried Finke. Nach einer Krisensitzung durfte Effenberg doch bleiben – allerdings nur auf Bewährung. Und jetzt räumt er in einer persönlichen Erklärung auf der Website des Clubs tatsächlich auch Fehler ein.

Die Ereignisse der vergangenen Tage hätten zu heftigen und teilweise überzogenen Schlagzeilen geführt. Verantwortlich dafür seien einzelne Spieler, die den Ruf der Mannschaft mit vielen einwandfreien Charakteren beschädigt hätten. Eine faire Bewertung der Ereignisse setze indessen eine sachliche Analyse voraus.

«Der Vorfall mit Proschwitz ist nicht zu tolerieren»

«Die in den Medien dargestellten Vorfälle in der Nacht vom 20. Januar auf den 21. Januar sind in der beschriebenen Form nicht passiert. Darüber habe ich mich gemeinsam mit unserem Geschäftsführer Michael Born bei einer Begutachtung der Videoaufnahmen überzeugt. Die betroffenen Spieler, die Inventar des Hotels beschädigt haben, sind umgehend mit einer Strafe durch den Verein belegt worden und haben darüber hinaus den Schaden persönlich beglichen», schildert Effenberg weiter.

Der Vorfall mit Nick Proschwitz in der Nacht vom 23. Januar auf den 24. Januar um 0.35 Uhr sei nicht zu tolerieren und habe dazu geführt, dass Nick Proschwitz nicht mehr für den SC Paderborn 07 spielen werde. Auch in dieser Angelegenheit seien zeitnah die notwendigen Konsequenzen gezogen worden.

Effenberg gibt sich kämpferisch

Die freien Abende am Mittwoch (Bettruhe in der Eigenverantwortung der Spieler) und am Samstag (Bettruhe um 1 Uhr) entsprächen den üblichen Gepflogenheiten in einem Trainingslager. «Im Rahmen von 20 Trainingseinheiten und drei Testspielen habe ich diese Freizeiten als angemessen angesehen. Aus heutiger Sicht waren diese Massnahmen wohl ein Fehler, da mein Vertrauen von einigen wenigen Spielern nicht zurückgegeben worden ist», bedauert Effenberg.

Selbstverständlich sei er als Cheftrainer für die Aufsicht mitverantwortlich. Allerdings solle unterschieden werden zwischen der Aufstellung von Regeln und der Missachtung der Vorgaben durch Einzelne. «Die Aufgabe, den SC Paderborn 07 aus der schwierigen sportlichen Situation herauszuholen, betrachte ich als grosse Herausforderung», sagt Effenberg.

Helden geben nie auf

Er sei dafür bekannt, dass er vor der Verantwortung gerade auch in Drucksituationen nicht weglaufe. «Vor allem auch im Sinne meiner Mannschaft stelle ich mich dieser Herausforderung. Und ich weiss ganz genau, was ich brauche, um diese Prüfung zu bestehen. Gern halte ich es dabei mit dem Vereinsmotto des SC Paderborn 07: Helden geben nie auf», schliesst Effenberg seine flammende Erklärung.

Sollte es Effenberg bei seiner ersten Trainerstation nicht schaffen, wäre das für den weiteren Verlauf seiner Karriere fatal. Ein Grosser des Geschäfts, Ottmar Hitzfeld, hält grosse Stücke auf seinen ehemaligen Schützling, mit dem er bei den Bayern die Champions League gewann. «Ich bin absolut begeistert und total überzeugt, dass Stefan Effenberg auch als Trainer eine grosse Karriere machen wird», sagte Hitzfeld bei dessen Amtsantritt bei Sky.

Effenberg zeichne sein grosses Selbstbewusstsein aus, das er auch auf eine Mannschaft übertragen könne. «Paderborn braucht jetzt einen Trainer, der vorangeht und den Kopf in den Wind streckt. Effenberg ist ein Antreiber und eine Führungspersönlichkeit, das ist seine absolute Stärke», sagte Hitzfeld. Wenn er sich da nur nicht täuscht.

Erstellt: 27.01.2016, 10:12 Uhr

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