Der nette Herr Petkovic und seine Lust, Trainer zu bleiben

Nationalcoach Vladimir Petkovic präsentiert seine Jahresbilanz – doch dann geht es vor allem um die Frage, wie es nach der EM 2020 mit ihm weitergeht.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Termin ist nach einer Stunde eigentlich zu Ende, als Vladimir Petkovic nochmals das Wort ergreift. «Schöne Weihnachten, schönen Rutsch», sagt er. «Ich wünsche mir, dass wir es im nächsten Jahr mit neuem Elan noch besser machen.» – «Noch besser?», kommt die Frage aus der Journalistenrunde. «Viel ­besser», sagt Petkovic. Er schaut zufrieden drein.

Drei Wochen ist es her, dass die Nationalmannschaft sich mit dem 6:1 in Gibraltar die Qualifikation für die EM sicherte und das Jahr beendete. Drei Wochen Zeit für den Trainer, um für sich die letzten Monate zu analysieren, bis er sein Resultat an diesem Montag am Verbandssitz in Muri BE vorstellt. Eine Erkenntnis heisst: «Wir haben mehr Konkurrenz in die Mannschaft gebracht. Wir haben eine gewisse Breite und Qualität bekommen. Wir haben etwas tun können, damit sich der Schweizer Fussball keine Sorgen machen muss.»

Petkovic, die erste Priorität

25 Minuten lang redet Petkovic, ohne Pause, die Notizen vor sich. Dann erhält Pierluigi Tami das Wort, der neue Direktor des Nationalteams. Er sagt bald einmal: «Erste Priorität in den kommenden Wochen und Monaten hat die Zukunft des Trainers.» Und fügt sofort bei: «Wir haben mit Vladimir Petkovic einen ­erfolgreichen Trainer mit einem Vertrag bis Ende EM 2020.»


Video: Das sagt Tami zu den Vertragsverhandlungen

Der Nationalmannschafts-Direktor gibt Auskunft. Video: Eva Tedesco


Aber eben: Was ist nach der EM? Weiter mit Petkovic oder nach sechs Jahren das Glück mit einem neuen Coach suchen? Die Frage steht seit längerem im Raum, und dass die grossen Deutschschweizer Zeitungen sie im ­Oktober gleichzeitig zum Thema gemacht haben, hat Petkovic missfallen.

Tami hat den Auftrag, in der Trainerfrage die Grundlagen zu schaffen, damit die zuständigen Gremien des Verbandes darüber befinden können. Er unterbreitet dem Komitee der Swiss Football League seinen Vorschlag, wie es weitergehen soll, das Komitee spricht dann dem Zentral­vorstand des Verbandes seine Empfehlung aus, der in letzter Instanz entscheidet.

Ein wichtiges Thema

«Dieses Thema ist wichtig für alle, für die Spieler, den Verband», sagt Tami. Er äussert sich sonst lieber im Ungefähren, was in der Trainerfrage passiert. Nur eines betont er: «Am besten haben wir im Februar Klarheit.» Die Vorbereitung auf die EM, die im März mit dem zehntägigen Abstecher nach Katar beginnt, soll nicht vom Rätselraten um Petkovics Zukunft gestört werden.

Letzte Woche haben sich Tami und Petkovic zu einem ersten Gespräch getroffen, um das ­Terrain einmal abzustecken. Was will Tami? Reichen ihm die ­Ergebnisse von Petkovic und die dritte Qualifikation für eine Endrunde in Folge, um mit ihm weiterarbeiten zu wollen? Oder geht es auch ihm darum, dass Petkovic an seiner Aussendarstellung arbeitet? Spürt er den Willen bei ihm, sich kommunikativer zu geben, wie es zum Pflichtenheft des ersten Trainers im Land gehört und wie es für Tami ein entscheidender Punkt ist? Und ja, was will Petkovic selbst?


Video: Das sagt Petkovic zu den Vertragsverhandlungen

Auch der Trainer spricht über die mögliche Vertragsverhandlungen. Video: Eva Tedesco


Im Sitzungsraum in Muri ist Petkovic bemüht, sich zugänglicher zu zeigen als zuletzt. Er lacht immer wieder. Einmal sagt er den Journalisten: «Diese Klarheit, wie es weitergeht, brauchen wir alle. Besonders Sie. Alle zusammen. Wenn Sie das wissen, können wir auch konstruktiver auf die EM hinarbeiten.» Und in einem anderen Moment: «Wir sitzen alle im gleichen Boot, im gleichen Kajak, im gleichen Bob, wie Sie wollen. Sie brauchen uns. Und wir brauchen Sie. Wir kämpfen nicht gegeneinander. Sondern zusammen.»

Das Gespräch zwischen Tami und Petkovic muss positiv verlaufen sein. Sonst hätten sie sich nicht auf weitere Treffen verständigt. Und Petkovic hinterlässt den Eindruck, als würde er gerne als Nationalcoach weitermachen. Jedenfalls malt er ein rosarotes Bild von der Mannschaft und ihren Perspektiven.

Das geht so: «Zuerst einmal ist da der Ist-Zustand, der ist sehr gut. Die Möglichkeit, es besser zu machen, ist gross. Der Wille, es noch besser zu machen und hungrig zu sein, ist deutlich. Nicht nur bei mir und den Spielern, auch bei ­Pierluigi Tami und dem Verband. Das sind die Komponenten, die uns weiterbringen können. Mein Eindruck ist positiv.»

Billig ist er nicht

Um eine Einigung zu finden, braucht es Zeit, es geht auch um das Finanzielle. Dazu passt, was Petkovic über sich und den Verband als Verhandlungspartner sagt: «Wir sind zwei Sparringspartner, die zusammen ringen und schauen müssen, auf den Füssen zu bleiben.»

Er ist auf alle Fälle kein billiger Trainer. In einem Jahr wie diesem, in dem für ihn die Prämie für die EM-Qualifikation dazukommt, kostet er den Verband um die 2 Millionen Franken. Der Bonus beträgt nicht wie kolportiert eine halbe Million, sondern 800 000 Franken.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier: Hier finden Sie alle Folgen an einem Ort.

Erstellt: 09.12.2019, 14:10 Uhr

Artikel zum Thema

«Manche stört womöglich, dass Petkovic nicht Röthlisberger heisst»

Roman Bürki ist die Nummer 1 bei Dortmund, will aber seit Anfang Jahr nicht mehr die Nummer 2 im Nationalteam sein. Er ärgert sich über unsachliche Kritik. Mehr...

«Viele Fragen bleiben offen» – Reaktionen zur EM-Qualifikation

Presseschau Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft hat sich für die Endrunde 2020 qualifiziert. Die Pressestimmen zum erreichten Ziel. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...