Plädoyer für Ribéry

Franck Ribéry ist mit dem FC Bayern beinahe verheiratet. Warum es hoffentlich nicht schon bald zum Ehebruch kommt.

Bleibt er ein zwölftes Jahr beim FC Bayern? Franck Ribéry in der Allianz Arena in München (Bayern). Bild: Keystone

Bleibt er ein zwölftes Jahr beim FC Bayern? Franck Ribéry in der Allianz Arena in München (Bayern). Bild: Keystone

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Es ist ein Sonntag, kürzlich, vor dem TV. Draussen ist es, als würde gleich die Welt untergehen, grau und düster, Bonjour tristesse, und SRF 2 ist von Morgen früh bis zum Abend ein weisser Kanal, nur Ski, stundenlang, einmal dort, einmal da, Ski, Ski, Ski, abfahrend, kurvend, laufend, springend, laufend und schiessend. Ich habe genug, schalte um auf einen anderen Sender, Bayern München spielt. Und ich nehme ein Buch, das schon lange herumliegt, es ist sehr dick, deshalb blieb es wohl lange ungelesen. «Die Liebe in groben Zügen» des deutschen Autors Bodo Kirchhoff, der auch einmal den deutschen Buchpreis gewonnen hatte. Das Buch sei, schreibt die FAZ, atemberaubend und herrlich.

Auf Seite 1, es folgen noch 676, steht als erster Satz: «Sehnsucht nach Liebe ist die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam.» Auf dem Bildschirm wird gross Franck Ribéry eingeblendet, und während ich über diesen ersten Satz im Buch nachdenke, kommt mir in den Sinn, was der französische Stürmer einmal schön gesagt hat: «Ich bin nicht ein bisschen verliebt, ich bin total verliebt in den FC Bayern.» Der Verein und er würden zusammengehören, und solange er laufen könne, wolle er hierbleiben.

Seit Wochen wird aber nun darüber debattiert: Soll Ribéry weiterhin in München spielen?

«Oh Franck Ribéry»

Franck Ribéry wird bald 35. Er ist einst zum Islam übergetreten, sein muslimischer Name lautet Bilal Yusuf Mohammed. Seit elf Jahren spielt er beim FC Bayern, und in München haben sie ihn längst in ihr rotes Herz geschlossen, kaum ein anderer Spieler ist je so verehrt worden. «Oh Franck Ribéry» singen sie im Stadion, nach der Melodie des Liedes von Joe Dassin, «Les Champs-Elysées».

Sein Lebensweg war steinig, und er trägt seine schwere Vergangenheit mit sich herum, mit der auffallenden Narbe im Gesicht, die er sich als Zweijähriger zuzog, als er bei einem Autounfall an die Windschutzscheibe flog, sein Vater war am Steuer gesessen. Sie haben ihn gehänselt und auch verprügelt, den kleinen Franck im ärmlichen Quartier von Boulogne-sur-Mer, der Hafenstadt am Ärmelkanal, aber er sagt heute, er liebe sein Gesicht und er vergesse nie, wer er sei und woher er komme. In München hat er das gefunden, was er immer suchte: Liebe und Zuneigung und auch von vielen immer wieder Verständnis, vor allem von Uli Hoeness, der für ihn wie ein zweiter Vater sei, aber auch von ­Wieder-Trainer Jupp Heynckes, der ihn einen Wohlfühlspieler nennt.

Ribéry würden viele vermissen

Ribéry ist aber nicht nur ein ­wunderbarer Dribbler und Trickser, er kann auch ein Filou sein, er ist oft aufbrausend, unbeherrscht und eingeschnappt und war in den letzten Jahren immer wieder verletzt. Die Frage, ob er ein zwölftes Jahr bei Bayern bleiben soll, ist nicht unberechtigt.

Ribéry würden viele vermissen. Aber in diesem Buch über die Liebe und ihre Wirrungen und die Sehnsucht, gemeinsam alt zu werden, ist auch das zu lesen: «Eigentlich lieben sie sich noch immer, und dennoch begehen sie, fast trotzig, jedenfalls besinnungslos, Ehebruch.»

Sie sollen in München noch ein Jahr damit warten.


Erstellt: 29.01.2018, 23:24 Uhr

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