Positive Dopingtests in der Premier League

Bei elf Spielern wurden verbotene Substanzen nachgewiesen. Sie wurden trotzdem nicht gesperrt.

Experten befürchten, dem Fussball drohe ein Dopingskandal. (Bild: Keystone/Hayoung Jeon)

Experten befürchten, dem Fussball drohe ein Dopingskandal. (Bild: Keystone/Hayoung Jeon)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In England führt die UK Anti-Doping-Behörde Ukad unangekündigt und regelmässig Dopingtests durch. Die Ukad wählt dabei meist drei Fussballer einer Mannschaft aus. Nicht nur nach Spielen, sondern auch nach Trainings. Die Behörde ist auch dazu befugt, Athleten zu Hause zu testen. Eine Recherche des «Mirror» zeigt, dass in den letzten drei Jahren 16 Fussballer in der Premier League Amphetamine, Morphium, Ritalin oder Triamcinolon genommen haben.

Elf werden nicht gesperrt, weil sie die positiven Tests mit Substanzen für medizinische Zwecke erklärten. Solche Ausnahmen sind mit der Bescheinigung eines Arztes erlaubt. Ob bei den restlichen fünf Spielern Sperren ausgesprochen wurden, ist nicht bekannt. Die 16 negativen Tests wurden nur öffentlich, weil der «Mirror» der Ukad (mit Bezug auf das Recht für Freiheit auf Information) eine Anfrage gestellt hatte. Die ganze Sache wirft Fragen auf. Warum werden die Fälle nicht publik? Der englische Fussballverband FA hat seine eigenen strikten Regeln zur Schweigepflicht bei Dopingfällen.

«Das gibt Anlass zu Verdacht»Dick Pound

Deshalb befürchten Experten, das System erlaube Missbräuche, dem Fussball drohe ein Dopingskandal. Die Sportverantwortliche der oppositionellen Labour-Partei Dr. Rosena Allin-Khan sagt gegenüber dem «Mirror»: «Es ist elementar, dass die Fans, welche ihr hart verdientes Geld für den Fussball ausgeben, wissen, dass fair gespielt wird.» Zur Geheimhaltung der Testresultate sagt die Ministerin Allin-Khan: «Es wird hart dafür gearbeitet, dass Dopingmissbrauch aufgedeckt wird. Die Behörden sollten in Erwägung ziehen, diese Resultate regelmässig zu publizieren, um Transparenz zu schaffen.»

Dick Pound, der ehemalige Vorsitzende der Welt-Anti-Doping Agentur Wada, behauptet, die Sportchefs wollten ihren Ruf nicht gefährden und seien daher nicht gewillt, Dopingmissbrauch aufzudecken. Er fürchtet, das Problem könnte im Fussball weiter verbreitet sein als bisher angenommen: «Die Sportart hat eine hohe Belastungsintensität. Alleine der Fakt, dass es so wenige positive Ergebnisse gibt, gibt Anlass zu Verdacht.»

Die Gründe dafür sieht Pound bei den Verbänden: «Das wirkliche Problem ist, dass die meisten Verbände keine positiven Tests wollen. Sie wollen keine grossen Anstrengungen unternehmen. Aus meiner Sicht hatte die Fifa kein grosses Interesse daran, dem Problem auf den Grund zu gehen, als ich die Wada geführt habe.»

«Das ganze System war von Beginn weg fehlerhaft»Professor Ivan Waddington

Für Pound ist die Situation vergleichbar mit jener im Radsport vor einigen Jahren. Auch dort sei früher behauptet worden, es gebe keinen Verdacht auf ein verbreitetes Dopingproblem bei den Radfahrern: «Es braucht zuerst eine Krise und dann einen Aufstand, damit etwas geschieht.» Ein Skandal, wie ihn der Radsport erlebte, würde den Fussballbossen wohl Angst einflössen. Die Premier League ist eine Geldmaschine, welche in drei Jahren alleine 4,5 Milliarden Pfund an Fernsehgeldern einbringt.

Professor Ivan Waddington, eine weltbekannte Autorität für Doping im Sport, warnt aber auch vor den Ausnahmen für therapeutische Zwecke. Gegenüber dem «Mirror» sagt er: «Das ganze System war von Beginn weg fehlerhaft. Wenn ich ein Stürmer wäre und positiv auf etwas getestet würde, würde der Arzt mir sicher eine Verschreibung für das entsprechende Medikament machen.»

Die Ukad sagte, sie habe die Bewilligungen für die Einnahme der Substanzen zu medizinischen Zwecken erst nach einer Prüfung durch drei unabhängige Ärzte gegeben. Die FA publiziere die Anzahl der negativ analytischen Befunde nicht. (kvo)

Erstellt: 31.07.2019, 15:00 Uhr

Artikel zum Thema

Österreichisches Doping-Duo vier Jahre gesperrt

Die Langläufer Max Hauke und Dominik Baldauf dürfen lange keine Wettkämpfe mehr bestreiten. Damit sind weitere bei der «Operation Aderlass» überführte Athleten verurteilt worden. Mehr...

Schlag gegen Doping – Razzia in 33 Ländern

Es ist die grösste Anti-Doping-Razzia der Geschichte. Es kam zu 234 Festnahmen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Eine fast aussterbende Tradition: Tänzer führen den Thengul-Tanz während der 74. Indonesischen Unabhängigkeitsfeier im Präsidentenpalast in Jakarta, Indonesien vor. (17. August 2019)
(Bild: Antara Foto/Wahyu Putro) Mehr...