PSG wählte Spieler nach Hautfarbe aus

Ein Sitzungsprotokoll enthüllt die rassistische Rekrutierungspraxis des Spitzenclubs. Dieser liess Spieler nach ihrer Herkunft einteilen.

Scouting-Leiter sprach von einer balancierten Mischung: Spieler von PSG feiern ihren Sieg gegen Lille. (2. November 2018)

Scouting-Leiter sprach von einer balancierten Mischung: Spieler von PSG feiern ihren Sieg gegen Lille. (2. November 2018) Bild: AP Photo/Thibault Camus/Keystone

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Yann Gboho ist der brillante Spielmacher der französischen U-18-Auswahl. Trotzdem wollte ihn der Spitzenclub Paris Saint-Germain nicht aufnehmen, als er 13 Jahre alt war. Nicht wegen fehlenden Talentes – sondern wegen seiner schwarzen Hautfarbe.

Das war 2014. Die Nachricht verbreitete sich innerhalb des Vereins, die Mitarbeiter rebellierten. Aber das Management konnte die Sache unter dem Deckel halten. Dank Football Leaks kommt die rassistische Rekrutierungspraxis des Pariser Topvereins nun doch noch ans Licht.

Bis zum Frühling dieses Jahres wies PSG Spielervermittler weiterhin an, Spieler nach ihrer Herkunft in vier Kategorien einzuteilen: Franzosen, Nordafrikaner, Schwarzafrikaner und Westinder. PSG führte die ethnische Fichierung mit dem erklärten Ziel, die Kontingente der Jugendmannschaften des Clubs «auszugleichen».

Ein Mix auf Anweisung

In den Football Leaks findet sich das Protokoll einer Sitzung vom März 2014, als jene PSG-Mitarbeiter zusammenkamen, die für die Nachwuchsarbeit zuständig sind. Gegen Ende des Treffens sprach ein Mitarbeiter den Spieler Yann Gboho an. Der Scouting-Leiter von PSG antwortete laut Protokoll, er wolle nicht zurück auf dieses «Thema» kommen. Es gebe ein Problem mit der Orientierung des Vereins, eine balancierte Mischung sei nötig, es gebe «zu viele Westinder und Afrikaner in Paris».

Es sei eine Anweisung des Managements, auch nach der Herkunft der Spieler zu schauen. Es sei doch schade, wenn man immer nur die gleichen Profile von Spielern finden würde, wie sie es schon genug gebe in Paris.

Empörung und Strafanzeige

Mehrere Scouts bestätigten die rassistische Praxis gegenüber dem französischen Onlineportal «Mediapart»: «Wir suchten nach Spielern, die das Niveau der Spielintelligenz erhöhen. Und wenn man in einer Gruppe von 23 Menschen 20 Schwarze hat, kann die Betreuung schwierig werden», sagte einer. Abgesehen vom offensichtlichen Rassismus: In Frankreich ist es verboten, ohne Einverständnis persönliche Daten zu sammeln, die Aufschluss über die Herkunft geben.

Ein anderer Scout sagte dem Journalistennetzwerk EIC, das die Auswertung der Football Leaks koordiniert hat: «Das Management in Paris hat gefordert, es sollten eher weisse als schwarze Spieler genommen werden.»

Auf Anfrage des EIC bestätigte ein PSG-Sprecher, es sei «eine Politik der ethnischen Indexierung vom Verein implementiert worden». Dabei seien auch «Formulare mit illegalem Inhalt» genutzt worden. Allerdings sei dies im Geheimen geschehen, und das Management des Clubs habe davon nichts gewusst.

Die Enthüllungen rund um PSG sorgten in Frankreich für öffentliche Empörung. Eine Menschenrechtsorganisation reichte Strafanzeige ein, und die französische Liga kündigte eine Untersuchung an. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2018, 09:07 Uhr

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