Ravet läuft und leidet beim Debüt

Der Rückkehrer macht GC besser, das Zürcher Derby geht dennoch 1:3 verloren.

Rückkehrer Yoric Ravet, der von Freiburg in der Bundesliga ausgeliehen wurde, machte schon bei seinem Comeback klar, dass er GC viel bringen kann. (Video: E. Tedesco)

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Als Yoric Ravet das letzte Mal ein Zürcher Derby bestritt, war bei den Grasshoppers noch vieles anders. Im November 2015 wurden seine Kollegen von der Vereinsführung nicht nur als Führungsspieler bezeichnet, sondern sie waren es auch. Sie hiessen Caio, Källström und Dabbur. Der Club war als Zweiter in der Super League gut unterwegs und Ravet ein Spieler voller Magie. 5:0 gewannen die Grasshoppers das Derby damals. Ravet schoss einen Treffer, bereitete einen vor und schloss sich wenig später YB an.

Über drei Jahre später bestreitet Ravet wieder ein Zürcher Derby. Er ist zurück in Zürich, zurück bei GC. Seine Mitspieler sind jetzt andere. Sie sind jünger und unbekannter. GC spielt gegen den Abstieg, und der Franzose ist vorläufig kein Zauberer mehr. Er, der zuletzt so oft verletzt war und in dieser Saison für den SC Freiburg lediglich 71 Minuten bestritt, soll GC anführen. Nach dem Derby sagt er ernüchtert: «Ich kann das nicht allein.»

1:3 verlieren die Grasshoppers an diesem Samstagabend. Aber nicht wegen des 29-Jährigen. Ravet ist aktiv, die willkommene Inspiration für die bisher in dieser Saison so berechenbare GC-Offensive. Er ackert, kreiert Chancen. Tritt wie ein Führungsspieler auf. Gegen den FC Zürich ist er nicht der einzige GC-Lichtblick. Deshalb ist es nicht falsch, wenn er sagt: «Unsere Leistung war heute nicht so schlecht.»

Schlecht war jedoch der Start in die Partie: Schon früh rotiert Ravet kräftig seine Arme. Es ist diese Geste, die Fussballer machen, wenn sie ihren Kollegen sagen wollen: nicht den Kopf hängen lassen. Denn nach sieben Minuten gerät GC bereits in Rückstand. Kolollis Eckball findet den wirbligen Levan Kharabadze, der per Kopf sein erstes Tor im zweiten Pflichtspiel für den FC Zürich erzielt.

Das alte GC-Problem: die zweite Halbzeit

Die Grasshoppers reagieren und machen das, was man von ihnen gegenwärtig so gar nicht kennt: Sie prägen das Spiel. Die grösste Chance in dieser Sturm- und Drangphase erspielt sich GC in der 15. Minute: Ngoys Schuss berührt die Latte. Später müsste Rhyner vom Platz fliegen, weil er FCZ-Stürmer Odey absichtlich auf die Hand tritt. Glück für GC. Dann wird Ravet in Strafraumnähe von Maxsö gefällt. Es bleibt richtigerweise bei einer Verwarnung. Vor der Pause erhalten die Hoppers einen Penalty zugesprochen, weil der Ball nach einer Gjorgjev-Hereingabe an die Hand von Kharabadze springt. Wieder Glück für GC – und der Ursprung des aufgrund der Spielanteile verdienten Ausgleichs. Holzhauser trifft.

Dann passiert das, was der Mannschaft von Trainer Fink in dieser Saison in der zweiten Halbzeit so oft passiert: Sie baut ab. Kein Einbruch zwar, aber das Nachlassen ist doch so stark, dass der FCZ wieder aufkommt, Chancen erarbeitet und schliesslich trifft. Maxsö (80.) und Domgjoni (85.) entscheiden das Derby. Ravet bleibt am Ende nur die Ernüchterung, dass da doch noch einiges zwischen dem GC von damals und dem GC von heute liegt. Er sagt: «Wir müssen uns noch kennen lernen, aber haben nicht viel Zeit.»

GC hat jetzt fünfmal in Serie verloren. Und nächste Woche kommt der Tabellenletzte Xamax in den Letzigrund.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.02.2019, 00:07 Uhr

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Van Eck darf seine Stimme und sein Trainergeschick zeigen

Was denn anders gewesen sei, wurde Marco Schönbächler nach dem Derby gefragt. Er antwortete, es habe diesmal nur einen lauten Mann an der Seitenlinie gegeben, gewöhnlich seien es zwei. Tatsächlich, Ludovic Magnin ist nach seinem tadeligen Seitenlinienverhalten in St. Gallen gesperrt, sodass René van Eck, normalerweise Assistenztrainer, auf Magnins Stuhl Platz nehmen muss. Der Holländer kann aber dafür sorgen, dass die Cheftrainerkommandos des FCZ um kein einziges Dezibel an Lautstärke verlieren. Nur der Klang wechselt. Vom weichen französischen in den geröllhaldenhaften holländischen Akzent. Doch Van Eck gibt dem Spiel Konturen, er leitet es gar in neue Bahnen. Er merkt, wie seine Verteidiger in der ersten Halbzeit immer wieder Momenten der Überforderung ausgesetzt sind, und stellt darum von einer Dreier- auf eine Viererkette um. Es hilft. Der FCZ gewinnt die Kontrolle über das Spiel und schiesst sich zum dritten Derbysieg in Folge. (czu)

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