Rochaden zum Ruhm

Ist Liverpool auf dem Weg zum lang ersehnten Meistertitel noch zu bremsen? Heute kommt es zum Showdown gegen Titelverteidiger Manchester City.

Xherdan Shaqiri und seinen Teamkollegen läuft es rund. (Bild: Peter Powell/AFP)

Xherdan Shaqiri und seinen Teamkollegen läuft es rund. (Bild: Peter Powell/AFP)

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Um die Übersicht zu bewahren bei der Fülle der personellen Wechsel im Mittelfeld von Liverpool, veröffentlichte die «Times» kürzlich eine Aufstellung mit den jeweiligen Besetzungen der Startformation. In 20 Ligaspielen hat der ungeschlagene Leader der Premier League mit elf unterschiedlichen Kombinationen in der Zentrale agiert. Die jeweiligen Pärchen bestanden aus den etablierten Jordan Henderson, James Milner und Georginio Wijnaldum sowie den im Sommer geholten Naby Keita (Leipzig), Fabinho (Monaco) und Xherdan Shaqiri (Stoke). Dabei hat sich Shaqiri im Verlauf der Saison zur flexibel einsetzbaren Offensivkraft entwickelt. Zuletzt wechselte der Schweizer Nationalspieler in den Partien die Positionen.

Je nach Ausrichtung agiert Liverpool mit zwei oder drei Spielern in der Feldmitte. Garantiert ist nur, dass diese in der Anfangsformation regelmässig rotiert werden. Die Einsatzzeit wird, abgesehen vom in 19 Spielen eingesetzten Wijnaldum, einigermassen gleich verteilt – ohne dass dabei ein Leistungsverlust zu beobachten wäre.

Das andere Rezept

Die Personal-Rochade im Zentrum hat für Liverpool die Basis dafür gebildet, bis jetzt gut durch den Winter gekommen zu sein im dichten Terminkalender über die Festtage. Innerhalb von zwölf Tagen haben die Reds im Dezember neun Punkte mehr geholt als das von Pep Guardiola angeleitete Manchester City. Der Vorsprung beträgt für Liverpool vor dem heutigen Showdown mit dem Meister sieben Punkte. Nie hat sich ein Leader der Premier League ein solches Neujahrspunktepolster noch nehmen lassen.

Das Haushalten mit den Kräften beugt dabei nicht bloss einem sportlichen Einbruch vor, sondern bietet Jürgen Klopp als Trainer nun die Annehmlichkeit, im bisher wichtigsten Spiel aus dem Vollen schöpfen zu können. In der Gewissheit, dass seine Mannschaft von keinem der Mittelfeldspezialisten abhängig ist. Das im Gegensatz zu den letzten englischen Meisterteams, bei denen sich stets ein bestimmter Spieler in der Zentrale ausmachen liess, der die Geschicke entscheidend beeinflusste. Bei City war das Fernandinho, davor bei den Titeln von Chelsea und Leicester jeweils N'Golo Kante.

In den sieben Aufeinandertreffen von Klopp (51) und Guardiola (47) in England in zweieinhalb Jahre verlor Liverpool einzig das Auswärtsspiel der vergangenen Meisterschaft bei City – nach einem Platzverweis für Sadio Mané in der ersten Halbzeit. Das bei City auf Ballstafetten angelegte Aufbauspiel kommt den forschen Attacken der Reds entgehen. Seit Beginn seiner Amtszeit im Oktober 2015 hat Klopp seine Mannschaft darauf getrimmt, den Gegner mit Pressing in eine Falle zu locken, um den Ball zu gewinnen und dann auf geradem Weg vor das gegnerische Tor zu kommen. Der schier unermüdliche Eifer, mit dem die Reds gemeinsam wirbeln, setzt der feingeistigen Spielidee zu, die Guardiola lehrt.

Als Errungenschaft dieser Saison besitzt Liverpool die beste Abwehr der Premier League; in der vergangenen Spielzeit kosteten Fehler in der Defensive die Chance, ganz oben mitzuhalten. Selbst abstiegsgefährdete Vereine, die sich vor dem eigenen Tor verbarrikadieren, wissen die Reds mittlerweile auszuspielen, ohne in Konter zu geraten. «Liverpool ist vielleicht das beste Team in Europa oder auf der Welt – und es ist in Topform», sagt Guardiola. «Wenn man sich die Situation anschaut, wissen wir, dass es vorbei ist, wenn wir Punkte verlieren.»

Im Versuch, Liverpool zu bremsen, kann Guardiola immerhin wieder auf Fernandinho zurückgreifen, den wohl einzigen Spieler im Kader, den City nicht einfach so ersetzen kann. Der 33 Jahre alte Brasilianer organisiert im defensiven Mittelfeld die Mannschaft und schützt die Abwehr vor den Angriffen des Gegners. In ihm sieht Guardiola einen Spielversteher auf dem Platz – wie einst in Xavi bei Barcelona oder in Philipp Lahm bei Bayern.

In dieser Saison musste Fernandinho für zwei Meisterschaftsspiele wegen einer Oberschenkelverletzung passen, und genau in diesen Partien kassierte City gegen Crystal Palace und Leicester zwei seiner drei Niederlagen. Kommt dazu, dass sich Kevin De Bruyne, der überragende Vorlagengeber aus der letztjährigen Rekordmeisterschaft, mit den Nachwirkungen seines Aussenbandrisses im Knie herumplagt. Erst ein Tor konnte De Bruyne in seinen sechs Einsätzen in der Premier League beitragen. Und die technisch hoch begabten David Silva, Ilkay Gündogan und Bernardo Silva taugen alle nicht richtig als Auffangnetz vor der hintersten Verteidigungsreihe.

Vier oder zehn Punkte?

Aufgrund der Tabellensituation ist anzunehmen, dass Guardiola gegen Liverpool Risiken eingehen wird. Vielleicht sogar mit einer personellen Aufstockung des Mittelfelds, wie er das beim 5:0 in der vergangenen Saison getan hatte. Damals liess er mit einer Dreierkette spielen. Das heutige Duell mit Liverpool sieht Guardiolas City jedenfalls nicht als Favoriten. Mit einem Erfolg könnten die Reds nämlich auf kaum mehr einholbare zehn Punkte davonziehen. Und seit der Saison 1989/90 wartet Liverpool sehnsüchtig auf den Meistertitel – die derzeitigen Spieler könnten sich im Erfolgsfall im Club verewigen.

Wenn es hart auf hart ging, setzte Klopp in den Topspielen vorwiegend auf das verlässliche Zentraltrio Henderson, Milner und Wijnaldum. Für Xherdan Shaqiri würde das einen Platz auf der Bank bedeuten, aber das muss kein Nachteil sein. Als Einwechselspieler erzielte er innerhalb von acht Minuten seine beiden bedeutendsten Tore für Liverpool – eine Woche vor Weihnachten zum 3:1-Prestigeerfolg über Manchester United.

Erstellt: 03.01.2019, 19:44 Uhr

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