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Die Römer Clubs jagen Juve und Inter

Die AS Roma und Lazio sind in der Serie A so gut gestartet wie schon lange nicht mehr – und spielen nun um den Anschluss an die Spitze.

In Rom wartet AS wie auch Lazio seit Jahren auf einen Meistertiteln.
In Rom wartet AS wie auch Lazio seit Jahren auf einen Meistertiteln.
EPA/RICCARDO ANTIMIANI
Die Roma wurde 2001 zum letzten Mal Meister.
Die Roma wurde 2001 zum letzten Mal Meister.
KEYSTONE/EPA PHOTO/ANSA/MAURIZIO BRAMBATTI
... Alexis Sanchez fehlen am Freitag gegen die AS Roma verletzt.
... Alexis Sanchez fehlen am Freitag gegen die AS Roma verletzt.
ose Breton/Pics Action/NurPhoto via Getty Images
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Kaum eine Stadt ist so fussballverrückt wie Rom, und dies, obwohl traditionsgemäss nicht viele Titel gefeiert werden. Seit der letzten Meisterfeier sind mehr als achtzehn Jahre vergangen. Die Roma war es, die am 17. Juni 2001 ihren dritten und bisher letzten Scudetto feierte. Eine ganze Stadt stand kopf. Ein Jahr zuvor war es die andere Mannschaft am Tiber, die ihre zweite und bisher letzte Meisterschaft gewann.

Seither reichte es nur noch für den Gewinn kleinerer Pokale. Lazio gewann viermal die Coppa Italia – zuletzt in diesem Frühjahr – und zweimal den Supercup. Roma gewann beide Wettbewerbe jeweils zweimal. Die Titel der Giallorossi sind aber schon über zehn Jahre her.

Seit diesem Sommer stehen die Zeichen in Rom aber wieder auf Erfolg. Nach rund einem Drittel der Saison liegen die Hauptstadtclubs hinter Inter und Juventus auf den Rängen drei (Lazio) und vier (Roma – zusammen mit Cagliari). Das darf als Zwischenerfolg bilanziert werden. Belegen sie auch am Saisonende diese Positionen, sind erstmals seit zwölf Jahren beide Mannschaften aus Rom für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert.

Am Wochenende kommt es nun zum Showdown. Roma trifft am Freitagabend im Mailänder San Siro auf Inter, und Lazio begrüsst am Samstagabend Serienmeister Juventus im Olympiastadion. Den Römer Clubs bietet sich eine einmalige Gelegenheit. Gewinnen sie, können sie auf vier bzw. sechs Punkte aufschliessen. Und plötzlich reden sie auch ein Wörtchen mit im Kampf um den Scudetto.

Lazio setzt auf Kontinuität

Die Chancen dazu stehen besser, als man meinen kann. Die Vereine haben das Potenzial, den beiden Clubs aus dem Norden Paroli zu bieten. Lazio ist so gut gestartet wie selten. Lediglich dreimal haben sie nach vierzehn Spieltagen mehr Punkte auf dem Konto gehabt als in dieser Saison. Seit Ende September sind die Biancocelesti ungeschlagen. Aus den letzten sechs Serie-A-Partien resultieren gar sechs Siege – auch wegen Ciro Immobile.

Der Stürmer trifft zur Zeit am Laufmeter. Siebzehn Tore sind es bereits. Das ist Ligaspitze. Eine andere Schlüsselfigur ist Luis Alberto. Mit zehn Assists ist er der beste Vorlagengeber der europäischen Topligen. Der Spanier ist 2016 von Jürgen Klopp bei Liverpool aussortiert worden und für vier Millionen Euro nach Italien gewechselt. Dort stellt er seither sein Talent unter Beweis. Seinen Marktwert hat er inzwischen versiebenfacht.

Grund für die aktuelle Saisonperformance Lazios ist auch die Transferpolitik. Alle Leistungsträger sind im Sommer geblieben – auch Mittelfeldstratege Sergej Milinkovic-Savic. Mit einem Marktwert von 65 Millionen Euro ist der Serbe der wertvollste Spieler im Team. Obwohl ihn unzählige Clubs umgarnen, hat er sich vorerst für einen Verbleib in Rom entschieden. Wohl auch, weil ihn Präsident Claudio Lotito nicht für weniger als hundert Millionen Euro ziehen lassen möchte.

Auf der Trainerbank sitzt seit April 2016 Simone Inzaghi, der Bruder des hierzulande bekannteren Pippo Inzaghi. Dreimal hat er Lazio bereits in die Europa League geführt. Nun soll im Reifeprozess zu einem Topteam mit der Qualifikation für die Champions League der nächste Schritt erfolgen.

Die jungen Giallorossi

Mit der Königsklasse hat Roma schon etwaige Bekanntschaft gemacht. Seitdem James Pallotta 2012 Mehrheitsaktionär geworden ist, haben sich die Giallorossi fünfmal für den prestigereichen Wettbewerb qualifiziert. Einmal ist die Reise gar bis ins Halbfinal gegangen. Trotzdem scheint es um den Traditionsverein nie ruhig zu sein. Bester Beweis dafür ist der vergangene Sommer. Clublegenden wie Francesco Totti und Daniele De Rossi haben den Verein verlassen. Abwehrchef Kostas Manolas ist nach Neapel abgewandert, und mit Paulo Fonseca hat Pallotta bereits den achten Coach unter Vertrag genommen.

Die ersten Monate des Portugiesen haben Eindruck hinterlassen. Es scheint, als sei es ihm gelungen, etwas Ruhe in den Verein zu bringen. Die Resultate stimmen, und so hat er es geschafft, mit Alessandro Florenzi den Captain und einen gebürtigen Römer auf die Bank zu setzen, ohne gross Kritik zu ernten. Wer das hinkriegt, der muss einiges richtig machen. Fonseca profitiert auch davon, dass unter ihm etliche Jungspunde aufblühen. Besonders Justin Kluivert, Gianluca Mancini, Nicolò Zaniolo und Lorenzo Pellegrini zeigen sich stark verbessert.

Der offensive Mittelfeldspieler Pellegrini ist am vorletzten Wochenende von einer zweimonatigen Verletzungspause zurückgekehrt und hat gleich gezeigt, was für einen feinen Fuss er hat. Pro Spiel spielt er im Schnitt drei tödliche Pässe. Nach acht Einsätzen steht er bereits bei sechs Torvorlagen. Pellegrinis Präsenz verändert auch den Alltag von Stürmer Edin Dzeko. Mit dem Offensivspieler auf dem Platz hat Dzeko sieben Tore erzielt. In den neun Spielen, die Pellegrini verpasst hat, traf er nur einmal.

Lazio und Roma verfügen also über die Stärke in den eigenen Reihen, um Juventus und Inter gefährlich zu werden. Für das Spiel vom Freitagabend, Inter-Roma, ist auch die Statistik auf der Seite der Giallorossi. Gegen Inter haben sie in den letzten vierzehn Begegnungen in Mailand fünfmal gewonnen, sechsmal Remis gespielt und lediglich dreimal verloren – zuletzt 2015. Ausserdem haben die Mailänder in dieser Spielzeit bislang ausschliesslich im heimischen San Siro Punkte abgegeben. Hinzu kommt, dass Inter zurzeit auf mehrere Spieler verzichten muss – unter anderem sind die Neuzugänge Nicolò Barella, Stefano Sensi und Alexis Sanchez verletzt.

Im Duell zwischen Lazio und Juventus spricht statistisch gesehen alles für den Rekordmeister aus Turin. Aus den letzten zehn Spielen haben die Biancocelesti gegen Juventus achtmal verloren, zweimal sind sie als Gewinner vom Platz. Doch auch die schlechteste Serie muss irgendwann enden. Der Zeitpunkt dafür wäre ideal. Eine verrückte Fussballstadt ist bereit, vom ganz grossen Coup zu träumen.

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