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Ronaldo erwartet eine grosse Geste

Cristiano Ronaldo ist sauer auf Real Madrid, weil er deutlich weniger verdient als Lionel Messi bei Barcelona. Ein weiterer Grund, warum der Weltfussballer mit einem Abgang kokettiert.

Ist im Trikot der Königlichen schon seit längerer Zeit nicht mehr glücklich: Cristiano Ronaldo.
Ist im Trikot der Königlichen schon seit längerer Zeit nicht mehr glücklich: Cristiano Ronaldo.
Keystone

In seiner aktuellen Ausgabe wartet «Der Spiegel» mit einer detailreichen Schilderung des neuen Vertragsverhältnisses von Lionel Messi mit dem FC Barcelona auf. Aus den Unterlagen, die dem Magazin von einer Enthüllungsplattform namens Football Leaks zur Verfügung gestellt worden seien, gehe hervor, dass der Argentinier in den kommenden Jahren ein Bruttogehalt von 106 Millionen Euro erhalten kann; bei maximalem Erfolg mit dem aktuellen Spitzenreiter der spanischen Liga würden ihm sogar 122 Millionen Euro winken – also mindestens 50, vielleicht sogar 60 Millionen Euro netto. Wie die spanische Zeitung El Mundo berichtete, habe die neuen Zahlen für frische Empörung gesorgt – bei Messis Rivalen Cristiano Ronaldo von Real Madrid.

Unter Berufung auf das Umfeld des portugiesischen Stürmers schreibt das Blatt, Ronaldo halte es für einen «Mangel an Respekt», dass er nicht nur weniger als Messi verdiene, sondern auch als ein weiterer Fussballer mit globaler Strahlkraft, der brasilianische Stürmer Neymar von Paris Saint-Germain (PSG).

Ronaldo sei zugetragen worden, dass Neymar ein Fixum von mehr als 30 Millionen Euro erhalte. Ronaldos jährliche Lohneinkünfte aber liegen seit seiner letzten Vertragsverlängerung aus 2016 bei «nur» 21 Millionen Euro netto. Das wäre auch weniger als der Brasilianer Óscar und der Argentinier Lavezzi in China verdienen, und kaum mehr als etwa Paul Pogba von Manchester United.

Keine Frage des Geldes – sondern des Status

In den Augen Ronaldos türmt sich das zu einer himmelschreienden Ungerechtigkeit auf, der beste Fussballer der Welt sei schliesslich immer noch er. «Es ist nicht eine Frage des Geldes, sondern des Status», wird Ronaldo zitiert. Er wolle seine Karriere zwar weiterhin am liebsten bei Real Madrid beenden. Sollte der Verein aber davon absehen, seinen Forderungen nachzukommen, würde er nicht zögern, im Sommer abzuwandern. Stehen die Zeichen also wieder auf Abschied?

Es wäre nicht das erste Mal. Der Grund: Das Verhältnis zwischen Ronaldo und Vereinspräsident Florentino Pérez gilt als angespannt bis schlecht. Pérez schmückt sich zwar gern mit schillernden Fussballfiguren. Allerdings zählt Cristiano Ronaldo im Gegensatz zu früheren und aktuellen Galácticos wie (der echte) Ronaldo, Zinédine Zidane, David Beckham, Michael Owen, Sergio Ramos, Karim Benzema oder Gareth Bale nicht zu den Spielern, die Pérez persönlich ausgesucht hat.

Ronaldo ist nicht der Spieler von Pérez

Die Verpflichtung von «CR7», wie der Portugiese wegen seiner Initialen und seiner Rückennummer genannt wird, wurde noch von Pérez-Vorgänger Ramón Calderón eingefädelt. Mitunter hat er das Ronaldo schon mal spüren lassen; bei einem Vertragspoker soll Pérez dem Portugiesen an den Kopf geworfen haben, dass er gerne, wenn die Ablöse stimme, gehen dürfe – dann würde er eben Messi holen.

In Madrid ist zu hören, dass Ronaldo auch im vergangenen Sommer gewillt war, zu wechseln – nach Paris. Nach dem letzten Champions-League-Triumph aber versprach Pérez ihm angeblich eine Vertragsaufbesserung. Nun höre er immer nur «mañana, mañana» – doch der Tag namens «Morgen» lasse immer noch auf sich warten.

Ronaldo ist angeblich «enttäuscht»

Das dürfte daran liegen, dass Pérez den Captain der portugiesischen Nationalmannschaft sowohl wirtschaftlich wie auch sportlich für amortisiert hält. Die «Marca» schrieb am Mittwoch, dass es laut Vereinsführung ohnehin nicht der richtige Moment für eine Vertragsverlängerung sei, weil zunächst die sportliche Krise gelöst werden müsse. In der laufenden Liga hat Ronaldo lediglich vier Treffer erzielt; Real Madrid ist als Tabellenvierter den Abstiegsrängen näher als dem Spitzenreiter Barcelona, der um 19 Punkte enteilt ist.

Ronaldo ist zudem fast 33 Jahre alt, und sein Spiel hat immer von seiner aussergewöhnlichen Physis gelebt. Die portugiesische Zeitung «Récord», die mit Ronaldos Management ähnlich gut verbandelt ist wie «El Mundo», wartete mit der Meldung auf, Ronaldos Berater Jorge Mendes habe einen «Freibrief», um mit anderen Vereinen zu verhandeln.

Auch «Récord» berichtet, dass Ronaldo «enttäuscht» sei und sich von Pérez persönlich hintergangen fühle – was unter anderem daran liegt, dass Pérez mehr oder minder öffentlich mit Neymar und dem zweiten Mega-Zugang von PSG, Kylian Mbappé, kokettiert hat. Die Zeitung «As» schrieb, dass er liebend gern zu Manchester United zurückkehren würde.

Das spanische Finanzamt als weiterer Faktor

Dort spielte Ronaldo schon vor seinem Engagement bei Real Madrid, von 2003 bis 2009, zudem ist praktischerweise ein Mendes-Klient Trainer in Old Trafford: José Mourinho. Allerdings ist die Frage, ob United eine Ablöse im dreistelligen Millionenbereich stemmen und Ronaldo das angedachte Gehalt zahlen wollen würde. Bliebe also eine Zukunft auf dem Elefantenfriedhof – in China oder den USA.

Zu den Faktoren, die zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen Ronaldo und Real Madrid beigetragen haben, zählen auch die Probleme mit dem spanischen Finanzamt. Ronaldo sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, vier Steuerdelikte begangen zu haben, die Nachforderungen summieren sich zu einem zweistelligen Millionen-Euro-Betrag.

Während der FC Barcelona sich demonstrativ an die Seite Messis stellte – und laut «Spiegel» auch eine Steuerschuld von zwölf Millionen Euro übernahm –, liess sich Real Madrid nicht dazu hinreissen, Ronaldo ideell oder materiell zur Seite zu springen. Er erwarte seitens Real Madrid eine «Geste». Ob sie kommt, dürfte für Ronaldos Verbleib in Madrid eine entscheidende Rolle spielen.

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