Ronaldo verjagte ihn, jetzt ist er Juves Held

Er kam als Star, wurde abgeschoben und danach höchstens geduldet: Nun ist Gonzalo Higuaín wieder eine wichtige Stütze für Juventus Turin.

Der Argentinier entscheidet das Derby d'Italia. Video: Serie A via Youtube

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Der Zauber schien schon wieder vorbei zu sein. Im Spitzenspiel gegen Inter Mailand, dem Derby d’Italia, muss Gonzalo Higuaín 72 Minuten lang zuschauen, bis der Juve-Stürmer doch noch eingewechselt wird. 1:1 steht es zu diesem Zeitpunkt, Inter scheint auch im siebten Ligaspiel der Saison ungeschlagen zu bleiben. Doch dann kommt der Auftritt des Argentiniers. Im Strafraum nimmt er den Ball mit, legt ihn sich einmal vor und vollendet zum 2:1-Siegtreffer. Zehn Minuten vor Schluss. Schwarz-weisse Ekstase im San Siro, und mittendrin einer, der eigentlich gar nicht mehr da sein sollte.

Noch vor drei Jahren war Higuaín Juves Königstransfer. Der italienische Rekordmeister schaffte es, der aufmüpfigen SSC Napoli den Torschützenkönig abzuluchsen. Für 90 Millionen Euro. Der zuvor in Neapel vergötterte Higuaín wurde am Vesuv zum Staatsfeind Nummer 1, in Turin aufgrund seiner aufopferungsvollen Spielweise und seines Torinstinkts zu einem der Publikumslieblinge. Bis Cristiano Ronaldo kam.

Gerüchten zufolge war es bereits bei Real Madrid der Portugiese gewesen, der als Sturmpartner lieber Karim Benzema wollte als Higuaín. Dieser musste gehen, fand in Napoli sein Glück wieder. Auch bei Juve schien es zu passen, und doch suchten die Turiner im Sommer 2018 nach der Verpflichtung Ronaldos plötzlich einen Abnehmer für ihren Mittelstürmer. Sie wollten ihn so dringend loswerden, dass sie den 31-Jährigen sogar innerhalb der Liga an Milan ausliehen.

Higuaín klagte damals, Ronaldo hätte ihn vom Hof gejagt. Nach einem halben Jahr beendete Milan jedoch das Missverständnis, Juve vermittelte ihn im Januar nach London zu Chelsea. Wieder auf Leihbasis. Diesen Sommer wurde ein definitiver Transfer angestrebt. Erfolglos.

Unverhofft in der Startformation

Zu hoch seine Gehaltsvorstellungen und offenbar auch sein Gewicht. Tatsächlich wirkte der aus dem Nationalteam zurückgetretene Stürmer zuletzt sehr gut genährt. Ausserdem war die Torquote nicht berauschend – bei Chelsea traf er in 18 Spielen fünfmal. Weil also kein Abnehmer für Higuaín gefunden wurde und Juve das Lohnband nicht zu sehr ausdehnen konnte, musste Italiens Serienmeister stattdessen sein Sturm-Juwel Moise Kean verkaufen. Higuaín durfte bleiben.

Umso grösser war die Überraschung, als er im ersten Saisonspiel gegen Parma (1:0) in der Startformation stand. Dort blieb er zwar torlos, überzeugte aber durch Aufopferung bei eigenem und gegnerischem Ballbesitz. Die Belohnung kam gegen seinen Ex-Club: Auch gegen Napoli durfte er von Beginn an spielen und dankte es mit dem Treffer zum 2:0. In der Champions League gehörte er jeweils ebenso zum Stamm, schoss dabei ein Tor und bereitete ein weiteres vor.

Higuaín schien wieder auf dem Weg nach oben, bis zum Dämpfer, dieser Reservistenrolle gegen Inter. «Die Entscheidung musste ich akzeptieren und versuchen, bei meiner Einwechslung dem Team zu helfen», sagte Higuaín anschliessend dem TV-Sender Sky Sport. Er schaffte es – und machte sich selber vom Verstossenen zum alten, neuen Helden der Juve-Fans.

Erstellt: 07.10.2019, 10:04 Uhr

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