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Die verrückte Ronaldo-Show

Tatsächlich holten die Bayern in Madrid den 1:2-Rückstand auf. Und dann kippte das Spiel erneut - wegen Fehlentscheiden.

Geschlagen: In der 112. Minute besiegelt Asensio das Schicksal der Bayern, Real siegt 4:2 und zieht in den Halbfinal ein.
Geschlagen: In der 112. Minute besiegelt Asensio das Schicksal der Bayern, Real siegt 4:2 und zieht in den Halbfinal ein.
Curto de la Torre, AFP
Dann gleich nochmals: Der Superstar schiebt in der 109. Minute zur Führung ein.
Dann gleich nochmals: Der Superstar schiebt in der 109. Minute zur Führung ein.
AP Photo/Daniel Ochoa de Olza
Sie sind überall: Die Bayernfans sind zahlreich nach Madrid gereist und hoffen auf eine Halbfinalqualifikation ihrer Mannschaft.
Sie sind überall: Die Bayernfans sind zahlreich nach Madrid gereist und hoffen auf eine Halbfinalqualifikation ihrer Mannschaft.
Gerard Julien, AFP
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Nein, das hatte dieses Spiel nicht verdient. Vor allem hatten das diese Bayern nicht verdient. Und doch war es so: Gegen Ende eines epischen Fussballabends beeinflusste das Schiedsrichtergespann diesen Viertelfinal der Champions League zwischen Real Madrid und Bayern München entscheidend.

Ramos spielt den Pass auf Ronaldo, doch dieser steht beim 2:2 klar im Abseits. Video: SRF

Gut, ein paar der Urteile des Ungarn Viktor Kassai und seiner Nebenleute hoben sich auf. Da war der Elfmeter zum 1:0 für die Bayern in der 53. Minute, als alleine Arjen Robbens aerodynamisch perfekt anmutende Flugbahn Zweifel aufkommen liess. Da war im Gegenzug der Fakt, dass der so grossartig wie ruchlos auftretende Casemiro längst vor dem Assist zum 1:1 durch Cristiano Ronaldo mit Gelb-Rot vom Platz gestellt gehört hätte.

Dass Arturo Vidal vor seiner gelb-roten Karte in der 84. Minute klar den Ball gespielt hatte? Auch der Münchner hätte weit vorher seine zweite Verwarnung sehen dürfen. Aber dann kam da noch ein ausbleibender Pfiff in der 105. Minute, als Ronaldo vor dem 2:2 einen Meter im Abseits gestanden war. Und das war dann des Schlechten zu viel für aufopferungsvoll kämpfende Bayern. Das Spiel war tot, Ronaldo nutzte die Chance, um mit dem 3:2 seinen 100. Treffer in der Champions League zu erzielen.

Kurz vor Ronaldos 100. Treffer soll sich Manuel Neuer laut Vereinsangaben den Fuss gebrochen haben. Video. SRF

Ein Hoch auf die Pharma

Man mag sich die Menge an schmerzstillenden Mitteln gar nicht vorstellen, die gestern in der Garderobe der Münchner geschluckt, gespritzt und eingerieben worden sein dürften. Die Deutschen waren mit jeder Menge Sorgen und Wehwechen nach Madrid gereist. Torjäger Robert Lewandowski und die Innenverteidiger Jérôme Boateng und Mats Hummels – sie alle waren vor der Partie angeschlagen und als fraglich gemeldet. Alle liefen sie schliesslich trotzdem auf.

Irgendwie fit gemacht für diese wichtige Partie eines Clubs, der nach einem weiteren Titel in der Königsklasse lechzt. Junge Spieler gewännen zwar Spiele, alte aber eben Titel, hatte Carlo Ancelotti im Vorfeld erklärt. Und also setzte sich der Bayern-Trainer hin, um ein Team zusammenzustellen, das durchschnittlich mit einer Lebenserfahrung von mehr als 30 Jahren auftrumpfte.

Ancelottis Aufstellung wirkte so auch wie ein Memento mori, eine Erinnerung daran, dass sich in München langsam etwas dem Ende zuneigt, dass da eine grosse Mannschaft ihren Zenit vielleicht überschritten hat. Captain Lahm erlebte in Madrid ebenso sein letztes Spiel in der Champions League wie Xabi Alonso. Aber gäbe es ein besseres Stadion, um der Kraft der grossen Namen zu vertrauen als das Santiago Bernabéu? Als diese Kathedrale des zelebrierten Heldenfussballs, in der grosse Namen im Zweifelsfall stets vor gewitzter Taktik kommen?

Ancelotti bekam so viel Leidenschaft auf den Platz. Aber nicht das von ihm vor dem Anpfiff geforderte «perfekte Spiel». Dazu waren die von ihm eingesetzten Spieler schlicht zu wenig fit. Lewandowski wirkte isoliert. Hummels schlurfte meist, Boateng litt spätestens ab der 50. Minute bei jedem Schritt.

Falsche Hauptrollen

Ein weniger erratisch geführtes Team als das Real von Zinédine Zidane hätte wohl mehr Nutzen aus all den Widrigkeiten gezogen, gegen die die Bayern heroisch ankämpften. Die Räume wären gegen einen sehr risikoreich spielenden Gegner jedenfalls da gewesen. Doch Real wirkte lange zu unentschlossen. Und als es nach Sergio Ramos’ Eigentor plötzlich 1:2 stand (78.), da wirkte es so, als ob der Titelverteidiger kurz vor dem Aus stünde. Bis Viktor Kassai und seine Männer in Hauptrollen schlüpften, die Schiedsrichtern nicht gebühren.

Real Madrid - Bayern München 4:2 (1:2, 0:0) n.V. 80'000 Zuschauer. - SR Kassai (HUN). Tore: 53. Lewandowski (Foulpenalty) 0:1. 76. Ronaldo 1:1. 78. Ramos (Eigentor) 1:2. 105. Ronaldo 2:2. 109. Ronaldo 3:2. 112. Asensio 4:2. Real Madrid: Navas; Carvajal, Nacho, Ramos, Marcelo; Modric, Casemiro, Kroos (114. Kovacic); Isco (71. Vazquez), Benzema (64. Asensio), Ronaldo. Bayern München: Neuer; Lahm, Boateng, Hummels, Alaba; Vidal, Xabi Alonso (75. Müller), Thiago Alcantara; Robben, Lewandowski (88. Kimmich), Ribéry (71. Douglas Costa). Bemerkungen: Real Madrid ohne Bale, Pepe und Varane (alle verletzt), Bayern München ohne Javi Martinez (gesperrt). 100. Champions-League-Spiel von Sergio Ramos. 84. Gelb-Rote Karte gegen Vidal (Foul). Verwarnungen: 5. Vidal. 40. Casemiro. 70. Xabi Alonso. 75. Hummels (alle wegen Fouls). 101. Robben (Reklamieren).

Leicester City - Atletico Madrid 1:1 (0:1) 31'500 Zuschauer. - SR Rocchi (ITA). Tore: 26. Niguez 0:1. 61. Vardy 1:1. Leicester City: Schmeichel; Simpson, Morgan (84. Amartey), Benalouane (46. Chilwell), Fuchs; Ndidi, Drinkwater; Mahrez, Okazaki (46. Ulloa), Albrighton; Vardy. Atletico Madrid: Oblak; Juanfran (56. Hernandez), Savic, Godin, Filipe Luis (74. Correa); Niguez, Gabi, Gimenez, Koke; Carrasco (69. Torres), Griezmann. Bemerkungen: Leicester City ohne Mendy, Slimani, Wague (alle verletzt) und Huth (gesperrt), Atletico Madrid ohne Fernandez, Tiago und Vrsaljko (alle verletzt). Keine Verwarnungen.

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