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Rot ist die neue Basler Modefarbe

Auch ohne den Fehlentscheid gegen Giovanni Sio gilt: Die Spieler des FC Basel fliegen so oft vom Platz wie noch nie in der Neuzeit.

Da kann auch Yann Sommer nichts ändern. Rot gegen Gaston Sauro im Cupfinal.
Da kann auch Yann Sommer nichts ändern. Rot gegen Gaston Sauro im Cupfinal.
Keystone

Natürlich ist der Cupfinal vor allem auch dies gewesen: Ein Platzverweis gegen Giovanni Sio, der keiner war und der die Partie so stark beeinflusste, dass sich auch am Tag danach noch viele Fans und Sympathisanten des FC Basel über Referee Patrick Graf enervierten, die in ihm wenn nicht den Allein- so zumindest den Hauptschuldigen an der 0:2-Niederlage von Rotblau gegen den FC Zürich sehen.

Der Cupfinal ist aber auch das: Ein weiteres Spiel, in dem der FC Basel in der Offensive nicht auf Touren gekommen ist – und ein weiteres Spiel, in dem er Platzverweise verkraften musste. Bereits vor dem falsch entschiedenen Ausschluss gegen Sio standen die Basler dem FCZ nur mit zehn Profis gegenüber, nachdem Gaston Sauro in der 66. Minute von der Notbremse gegen Etoundi Gebrauch gemacht und dafür die regelkonforme Quittung erhalten hatte. Es war dies wettbewerbsübergreifend bereits das achte Mal in dieser Saison, dass ein Basler vorzeitig unter die Dusche geschickt wurde; faktisch steht der FCB nun bei neun Platzverweisen, das offensichtlich falsche Verdikt gegen Sio statistisch korrekt mit eingerechnet.

Das ist viel. Gemessen am eigenen Club sogar sehr viel: Nie seit dem ersten Meistertitel der Neuzeit, nie in den vorangegangenen zehn Jahren als Primus des Schweizer Fussballs hat der FCB so viele Ausschlüsse hinnehmen müssen. Und nie wurden so viele Spieler direkt des Feldes verwiesen wie in den vergangenen Monaten, in denen der FCB sechs Rote und drei Gelb-Rote Karten sah. Die bisherigen Spitzenwerte datieren von der Saison 2009/10, als Rotblau auf sieben Platzverweise kam, davon waren vier direkte Rote Karten. Im Durchschnitt sah der FCB von 2003 bis Sommer 2013 pro Saison 4,4 Mal Rot.

Mit einer Vielzahl unglücklicher oder gar falscher Entscheide durch den Unparteiischen ist nicht zu erklären, warum Rot die neue Basler Modefarbe der Saison 2013/14 ist. Denn von den neun Platzverweisen ist nur der jüngste gegen Sio ein Fehlentscheid. Allenfalls diskutabel ist zudem die Rote Karte gegen Ivan Ivanov wegen Notbremse auf Schalke (0:2), als der Bulgare den Arm des Gegners einklemmte und danach debattiert wurde, ob das ein Foul war und ob eine klare Torchance vereitelt wurde. Bei den anderen sieben Platzverweisen gab es keine Diskussionen.

Wie steht es um die Coolness?

Vielmehr stellt sich die Frage, wie es in dieser Saison um die Coolness und die Abgeklärtheit der Profis in Rotblau steht: Fünf Platzverweise sind auf Tätlichkeiten (Stocker, Sio in Lausanne, Diaz) oder übermotiviertes, unüberlegtes Einsteigen (Suchy, Sauro in Valencia, zweimal Gelb in einer Minute) zurückzuführen. Gleichzeitig fällt auf, dass den FCB-Profis in Partien, in denen es um alles ging, der kühle Kopf fehlte: Auch ohne den Sio-Entscheid verteilen sich fünf Platzverweise auf das Champions-League-Spiel auf Schalke (Ivanov), die Rückspiele in der Europa League in Salzburg (Suchy) und Valencia (Diaz, Sauro) und den Cupfinal (Sauro).

Ist das alles Zufall? So, wie es in der Saison zuvor nur Zufall war, dass es bei 62 Pflichtspielen lediglich zu vier Platzverweisen und nur einer direkten Roten Karte kam – und nichts auf eine Tätlichkeit zurückging? Möglich ist das schon. Vielleicht ist aber das, was auf dem Platz geschieht, auch ganz einfach der Spiegel der Teamseele. Viele Platzverweise, wenig offensiver Spassfussball – wenn dem so wäre, so liesse sich daraus nur schwerlich der Schluss ziehen, es sei um diese Seele rundum zum Besten bestellt.

Mitarbeit: Fabian Kern

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