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Schalkes Premiere und ein grosses spanisches Derby

Erwartungsgemäss ziehen Schalke 04 und Real Madrid in die Halbfinals in der Champions League ein. Nun kommt es zu hochspannenden Duellen.

Inmitten von Fans: Torschütze Raul feiert mit den Schalker Anhängern den erstmaligen Einzug in die Halbfinals der Königsklasse.
Inmitten von Fans: Torschütze Raul feiert mit den Schalker Anhängern den erstmaligen Einzug in die Halbfinals der Königsklasse.
Reuters

Nach dem sensationellen 5:2-Triumph in San Siro gegen Titelverteidiger Inter Mailand gewann Schalke auch das Rückspiel mit 2:1 und erreicht damit zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Halbfinals in der Champions League. Raul mit seinem 71. Tor in der Königsklasse (45.) und Benedikt Höwedes (81.) trafen für die Gastgeber, Thiago Motta hatte für die enttäuschenden Gäste den Ausgleich zum 1:1 erzielt (49.).

Real Madrid liess gegen Tottenham Hotspur einem 4:0-Heimsieg einen 1:0-Erfolg in London folgen. Den einzigen Treffer erzielte Cristiano Ronaldo (50.).

Schalkes Premiere

Schalke steht erstmals in der Klubgeschichte im Halbfinal der Champions League. Eine Woche nach dem 5:2 besiegten die Deutschen den schwachen Titelhalter Inter vor eigenem Publikum 2:1.

«Glück auf!» Den Spruch aus der Kumpelzeit hätten die Schalker gar nicht benötigt. Sie waren nie gefährdet, vom Erfolgskurs abzukommen. Sie waren zu clever und konzentriert. Schalke verdiente sich den Erfolg ohne Einschränkung. Am Ende stand Raul, der beste und wohl populärste Stürmer der CL-Geschichte, auf einer Etage mit den Fans und dirigierte die mächtige Kurve. Die Szene passte zum perfekten Schalker Tag.

Privatduell und viele Inter-Verlierer

Sir Alex Ferguson sass auf der Tribüne. Der prominente Beobachter aus Manchester wird keine grundlegend neuen Erkenntnisse gewonnen haben. Schalke geriet zu keinem Zeitpunkt in Bedrängnis. Die vornehme taktische Zurückhaltung genügte bereits. Der italienische Champion kam nicht auf Touren und schon gar nicht in die Nähe einer wundersamen Wende.

Nur einer wehrte sich mehr mit Händen als mit Füssen und schon gar nicht mit Köpfchen gegen das Out: Lucio, der Mann mit jahrelanger Bundesliga-Erfahrung. Der frühere Bayern-Verteidiger – nur schon seiner Münchner Vergangenheit wegen kein Freund des blau-weissen Anhangs – legte sich gleich mehrfach mit der CL-Ikone Raul an. Sein Rempler gegen den Spanier an der Mittellinie war eine von zahlreichen Szenen dieses Privatduells.

Raul und Schalke setzten sich zum Nachteil Lucios auch auf dem Nebenschauplatz durch. Der Brasilianer sah früh Gelb und wirkte gedanklich fortan abwesend. Dass er Rauls Solo mit seinem falschen Laufweg begünstigte, passte irgendwie ins Bild. Der Abwehrchef liess sich vom 34-Jährigen nach allen Regeln der Kunst passieren – das 1:0 Sekunden vor der Pause kam dem endgültigen Ende Inters gleich.

Mazzolas richtige Einschätzung

«Pazza Inter Credici», titelte die «Gazzetta dello Sport» – das verrückte Inter glaubt noch dran! Ins gleiche Horn stiessen die verzweifelten Hoffnungsträger. Leonardo, der Coach, und Captain Javier Zanetti beteuerten, noch an die Sensation zu glauben. Sie taten es wohl mehr aus Respekt gegenüber den eigenen Fans. Sonderlich überzeugend wirkten ihre Statements nicht mehr.

Sandro Mazzola schätzte die Lage schon vor dem Pfiff realistisch ein. Der frühere Star von «Grande Inter» und heutige TV-Experte bot für den (unmöglichen) Fall einer Halbfinal-Qualifikation an, den Rückweg von Gelsenkirchen nach Mailand zu Fuss zu bewältigen – Mazzola feiert im November seinen 70. Geburtstag.

«El Clasico» in der Königsklasse

Real Madrid steht erstmals seit 2003 wieder in den Halbfinals der Champions League. Die Madrilenen gewannen nach dem 4:0 vor acht Tagen auch das Rückspiel auswärts bei Tottenham Hotspur 1:0. Im Halbfinal wartet nun der FC Barcelona auf das Team von José Mourinho.

Am 27. April und am 3. Mai kommt es damit in der Champions League zum zweiten Mal nach der Saison 2001/2002 zum «Clasico», dem Aufeinandertreffen zwischen den beiden spanischen Erzrivalen aus Katalonien und der Hauptstadt. Als Einstimmung auf die beiden Duelle in der Königsklasse treffen die beiden Dominatoren der Primera Division bereits am 16. April in der Meisterschaft und vier Tage später im Final der «Copa del Rey» aufeinander. Die vier Duelle innerhalb von 18 Tagen dürften für Zündstoff sorgen, zumal Real nach dem 0:5 in der Vorrunde in der Meisterschaft noch eine Rechnung zu begleichen hat.

Der Goalie-Flop von Gomes

Dass es zum Duell der beiden spanischen Erzrivalen kommt, war gestern an der White Hart Lane spätestens in der 50. Minute klar, als sich Tottenhams Torhüter Heurelho Gomes den Flop des Abends leistete. Der Brasilianer, in den Achtelfinals beim Sieg gegen die AC Milan noch einer der Matchwinner der Londoner, liess einen Flatterball von Cristiano Ronaldo aus knapp 30 Metern durch die Hände gleiten. Beim sechsten Treffer des Portugiesen im laufenden Wettbewerb kullerte der Ball im Zeitlupentempo über die Linie.

Der Treffer entsprach allerdings nicht dem Spielverlauf, hatten die Spurs bis zu diesem Zeitpunkt doch ein klares Chancenplus verzeichnet. Die beste Gelegenheit zum Führungstreffer vergab Roman Pawljutschenko, der als Sturmspitze den gesperrten Peter Crouch ersetzte. Der Russe drosch in der 27. Minute nach glänzender Vorarbeit von Rafael van der Vaart und Aaron Lennon den Ball aber kläglich übers Tor. Eine Minute später hatte Pawljutschenko Pech, dass der italienische Schiedsrichter Nicola Rizzoli ein klares Foul von Raul Albiol nicht als Penalty taxierte. Richtig lag der Schiedsrichter zehn Minuten später, als er den Treffer von Gareth Bale wegen einer knappen Offsidestellung von Luka Modric, der den Ball dem Waliser aufgelegt hatte, die Anerkennung verweigerte.

Am Schluss ein abgeklärtes Real

Letztlich geriet Real Madrid aber nie in Gefahr, als erstes Team in der Geschichte der Champions League noch einen Vier-Tore-Vorsprung zu verspielen. Zu abgeklärt agierte Mourinhos Mannschaft, die auch im fünften Auswärtsspiel in dieser Saison ungeschlagen blieb. Der portugiesische Startrainer dürfte sich nun ganz mit dem FC Barcelona befassen. Wie die Katalanen zu stoppen sind, hat er in der vergangenen Saison bewiesen, als er mit Inter Mailand das Team von Josep Guardiola auf dem Weg zum Champions-League-Titel im Halbfinal eliminierte.

si/fal

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