Schalkes Sportvorstand warnt vor einer «Hetzjagd»

Nach weiteren Fanprotesten gegen Clemens Tönnies wegen dessen rassistischen Aussagen meldete sich Jochen Schneider enerviert zu Wort.

Im Gegenwind: Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider (Mitte) und Aufsichtsratschef Clemens Tönnies (rechts).

Im Gegenwind: Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider (Mitte) und Aufsichtsratschef Clemens Tönnies (rechts). Bild: Frederic Scheidemann/Keystone

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Nicht ganz unerwartet stand am Samstag der Sport bei den Schalker Fans etwas im Hintergrund. Rund 2000 Anhänger des Bundesligisten hatten die Reise zum Viertligisten SV Drochtersen/Assel unternommen, wo sie einen souveränen 5:0-Auswärtssieg ihrer Mannschaft sahen. Mit diversen Protesten gegen Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies vor allem vor der Partie sorgten die Fans aber für andere Schlagzeilen. Die Anhänger hielten Plakate mit der Aufschrift «Wir zeigen Tönnies die Rote Karte» hoch. Zudem gab es mehrere Banner mit Sprüchen gegen Tönnies.

Das brachte nach dem Spiel Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider auf den Plan. In der Diskussion um die als rassistisch kritisierten Aussagen von Tönnies warnte er vor einer «Hetzjagd»: «Er hat sich entschuldigt. Wir sind im Fussball, und sie haben ihm die Rote Karte gezeigt für ein grobes Foul. Dafür gibt es im Fussball die Rote Karte, dann hat man eine Sperre zu verbüssen. Das ist der Fall. Wir müssen aufpassen, dass wir hier nicht eine Hetzjagd veranstalten. Dass wir das ein Stück weit versachlichen», sagte Schneider in einem ZDF-Interview nach dem 5:0-Sieg.

Tönnies' Afrika-Sprüche

Dieser hatte beim Tag des Handwerks in der Vorwoche in Paderborn Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. «Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren», hatte Tönnies gesagt und sich später dafür entschuldigt. Der Ehrenrat des Clubs belegte ihn am Dienstag mit einer Sperre von drei Monaten.

Ex-Nationalspieler Cacau, Integrationsbeauftragter des DFB, warnte im ZDF-«Sportstudio» hingegen vor einer Relativierung der Worte Tönnies'. «Man darf nicht an einer Spaltung teilnehmen, die in unserer Gesellschaft passiert oder auf dem Weg dorthin ist», sagte der frühere Bundesliga-Profi. Tönnies habe eine zweite Chance verdient, müsse aber durch Taten zeigen, dass seine Reue echt und er «kein Rassist» sei.

Schneider merkte an, dass sich Tönnies möglicherweise beim «kompletten afrikanischen Kontinent» hätte entschuldigen müssen. Er forderte aber einen milden Umgang mit dem Aufsichtsratschef. «Es ist gut, dass wir in einer Zeit leben, dass die Aussagen, die er getätigt hat, nicht in Ordnung sind und die Leute sagen, das geht so nicht. Nichtsdestotrotz glaube ich, unsere Gesellschaft gibt das auch her, dass jemand einen Fehler macht, dass er sich entschuldigt, dass er bereut und dass man dann auch verzeihen kann», sagte der S04-Vorstand. Die Aktion der Fans bezeichnete er als «starkes Statement gegen Rassismus». (dpa)

Erstellt: 11.08.2019, 16:42 Uhr

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