Scharfe Kritik für Kamerun nach Protest

Die Spielerinnen fühlten sich benachteiligt und erwägten, den Abbruch zu provozieren. Dafür fand England-Trainer Phil Neville drastische Worte.

Drohender Boykott: Kameruns Fussballerinnen wollen nicht weiterspielen. Video: SRF

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Es sind skurrile Bilder. Minutenlang stehen die Fussballerinnen von Kamerun nahe beim Mittelkreis und diskutieren. Es sieht so aus, als wollen sie nicht mehr weiterspielen. Wieso? Die Afrikanerinnen haben kurz vor Pausenpfiff im WM-Achtelfinal gegen England das 0:2 kassiert. Und vor allem: Die Schiedsrichterassistentin hatte kurz zuvor die Fahne gehoben und Abseits signalisiert. Dank VAR entschied Schiedsrichterin Liang Qin, den Treffer dennoch für gültig zu erklären.

Nachdem Qin dem kamerunischen Captain Aboudi Onguéné ihre Sicht der Dinge erklären konnte, entschied diese, ihre Mitspielerinnen vom Weitermachen zu überzeugen. In der zweiten Halbzeit legte England noch ein Tor nach, sodass das Endresultat 3:0 lautete. Doch mit dem Schlusspfiff war die Partie noch nicht ganz vorbei. Phil Neville hatte noch etwas zu sagen. «Ich schäme mich für ihr Verhalten», schimpfte Englands Nationaltrainer. Der frühere Aussenverteidiger von Manchester United war sich nicht sicher gewesen, ob der Match tatsächlich zu Ende gespielt werden kann: «Das war in Sachen Verhalten kein würdiger WM-Achtelfinal.»

Im Zentrum von Nevilles Kritik steht Alain Djeumfa. Kameruns Trainer schimpfte an der Seitenlinie wie ein Rohrspatz, auch nach Spielschluss ärgerte er sich über die Umsetzung des VAR: «Dieses Spiel war eine Fehlinterpretation von Gerechtigkeit.» Er habe Verständnis für Fehler von Schiedsrichtern, aber: «Heute Abend waren es zu viele.» Worte, die Neville so nicht nachvollziehen kann. Schliesslich zeigen die TV-Bilder, dass Torschützin Ellen White klar nicht im Offside stand: «So sind die Regeln. Also lebt damit!»

Das Tor zum 2:0 für England. Video: SRF

Deshalb ätzt der 42-Jährige weiter: «Als ich meine Trainerkarriere startete, sagte mir Arsène Wenger, das Team sei das Spiegelbild des Trainers.» In seinem Team wäre so ein Verhalten undenkbar, so Neville weiter. Am meisten stört ihn, dass diese Aktion den Frauenfussball nun in ein schlechtes Licht rücken könnte: «Diese Bilder gehen nun um die Welt. Meine Tochter will Fussballerin werden, aber wenn sie so etwas sieht, könnte sie sich denken: ‹Nein, ich spiele lieber Netball.›»

Doch Neville fand auch noch positive Worte. Nicht für die Gegnerinnen, sondern sein eigenes Team: «Meine Spielerinnen haben ihre Konzentration fantastisch aufrechterhalten. Ich bin stolz auf ihre Disziplin.» (fas)

Erstellt: 24.06.2019, 12:28 Uhr

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