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Schatten in Glasgows grün-weissem Paradies

Gefühlsausbrüche am Mittag: Die Rangers ärgern Celtic beim 2:1-Sieg im Derby.

Die Rangers gewinnen das Derby. (Video: SNTV via AP)

Auch das noch! Zuerst der Versuch, einen Penalty zu erschwindeln. Und dann, als er entlarvt und zum zweiten Mal verwarnt ist, lässt er sich aufreizend lange Zeit, um das Feld zu verlassen. Wer grün-weisse Farben trägt, der kocht. Wer Alfredo Morelos heisst, der geniesst. Trotz Platzverweis.

Als der Rangers-Stürmer im Tunnel verschwindet, sieht er lauter Mittelfinger und ­erboste Menschen. Sie sind die Verlierer, und die Niederlage schmerzt besonders, weil die Rangers tanzen. Nach ihrem 2:1 im Derby von Glasgow gegen Celtic. Im Celtic Park. Beim Leader.

Denkmäler für die Helden

Es ist schon das 420. Mal, dass sich die zwei Grössen aus Glasgow begegnen. Aber ein Spiel wie dieses kann nie Routine werden. Das wird bald hör- und spürbar.

An diesem Sonntag muss der Fan rechtzeitig aufstehen, um Betriebstemperatur zu erreichen. Um 12.30 Uhr ist Kick-off im Osten der Stadt – dort, wo sich der Celtic Park erhebt oder für den Anhang vielmehr: «The Paradise».

Vor dem Paradies sind einigen Helden des Clubs Denkmäler gewidmet. Der irische Ordensbruder und Clubgründer Walfrid etwa thront da, auch der legendäre Trainer Jock Stein, der Celtic 1967 zum Triumph im Europacup der Landesmeister führte. Und nicht fehlen dürfen mit Billy McNeill und Jimmy Johnstone zwei herausragende Spieler jener Mannschaft.

Die Helden werden auf ewig verehrt: Die Statue von Billy McNeill vor dem Celtic Park. (Bild: Jeff J Mitchell/Getty Images)
Die Helden werden auf ewig verehrt: Die Statue von Billy McNeill vor dem Celtic Park. (Bild: Jeff J Mitchell/Getty Images)

Oft fällt der Regen quer in Glasgow. Aber nun scheint die Sonne, es hat etwas Frühlingshaftes. 60'000 Zuschauer füllen das Stadion, nur ein paar Hundert davon sind im Gästesektor. Es ist Celtics Replik an die Rangers, die anfingen, bei einem Heimspiel dem Rivalen weniger Tickets zur Verfügung zu stellen.

Seit 1986 kennt Schottland keinen anderen Meister als Celtic oder eben die Rangers. Seit 2016 sind diese zurück in der höchsten Liga, vier Jahre nach ihrer Zwangsrelegation wegen Überschuldung. Aber jetzt präsentieren sie sich in einer Verfassung, mit der sie Celtics Serie von acht Titeln in Folge beenden könnten. Das hat viel mit Steven Gerrard zu tun, einer Ikone des FC Liverpool. Der 39-jährige Trainer hat in den letzten anderthalb Jahren ein stabiles Team hinbekommen.

Trainer Steven Gerrard will mit den Rangers Celtics Vorherrschaft der letzten Jahre durchbrechen. (Bild: Lee Smith/Reuters)
Trainer Steven Gerrard will mit den Rangers Celtics Vorherrschaft der letzten Jahre durchbrechen. (Bild: Lee Smith/Reuters)

Es herrscht eine wunderbare Atmosphäre, es wird laut und rührend, als eine Gedenkminute abgehalten wird und alle applaudieren. Und dann geht es los, mit Leidenschaft und ohne Kompromisse. Manchmal sieht es unkoordiniert aus, wenn dem Ball nachgejagt wird. Aber die Intensität gefällt.

Celtic - Rangers ist auch, wenn aus jeder Grätsche ein Ereignis gemacht wird. Zwischendurch toben die Besucher wegen eines Entscheids. Und einer fuchtelt eifrig mit seiner Brille in Richtung des vierten Offiziellen, die Botschaft ist klar.

Die Genugtuung von Gerrard

Vor der Pause wird es aufregend. Ryan Christie von Celtic verschiesst einen Penalty, Ryan Kent bringt die Rangers in Führung, Celtic gleicht aus und hat Glück, dass der Treffer zählt. Odsonne Edouard lenkt den Schuss von Callum McGregor mit der Hand ab. Aber es legt sich ein Schatten über das Paradies. Weil der Kroate Nikola Katic trifft. Und die Rangers den Vorsprung nicht mehr hergeben.

Jubel und Mittelfinger: Die Emotionen der Rangers Fans im Celtic Park. (Bild: Russell Cheyne/Reuters)
Jubel und Mittelfinger: Die Emotionen der Rangers Fans im Celtic Park. (Bild: Russell Cheyne/Reuters)

Celtic, bei dem der frühere GC-Spieler Moritz Bauer auf der Bank sitzt, rennt kopflos an. Die Rangers wirken reifer. Und gewinnen. «Das ist ein grosser Moment», sagt Gerrard, «mindestens 97 Prozent aller Leute waren gegen uns. Das macht den Erfolg noch spezieller.» Zwei Punkte beträgt der Rückstand noch, bei einer Partie Rückstand.

Das erhöht den Druck auf die Grün-Weissen. «Wir haben es nicht verdient, den Match zu verlieren», sagt Trainer Neil Lennon, bevor er sich doch daran erinnert, dass nicht der Moment für Ausreden ist: «Wir müssen einfach besser spielen.»

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