Schlechte Aussichten für den Fernsehzuschauer

Künftig wird wohl auf SRF keine Champions League mehr zu sehen sein.

Wie lange wird im Regieraum von SRF noch während Champions-League-Spielen gearbeitet?

Wie lange wird im Regieraum von SRF noch während Champions-League-Spielen gearbeitet? Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Manche Schweizer Beizer schauen auf ein Jahr mit prächtigen Dienstagabenden zurück. Im Zürcher Calvados haben sie an diesem Tag regelmässig mehr Bier verkauft. Das Basler Bar du Nord war überdurchschnittlich voll. Der Grund: Die Champions-League-Spiele waren erstmals in dieser Saison nicht mehr restlos bei SRF zu sehen. Wer nicht Teleclub abonniert hat, musste am Dienstag in eine Beiz mit Pay-TV gehen. Die Swisscom-Tochter war der einzige Sender mit Livebildern – wie nun auch für den Champions-League-Final von Samstag zwischen Tottenham und Liverpool.

Als die SRG kürzlich Teleclub nochmals ein Angebot für den Final machte, blitzte sie ab. Die beiden fanden sich nicht beim Preis. Oder anders formuliert: Teleclub will das Spiel exklusiv zeigen. Die gute Nachricht: Die Partie ist auf dem Gratiskanal ­Teleclub Zoom zu sehen. Selbst UPC-Kunden können das, zu finden ist für sie der Sender auf den Programmplätzen in der Region 510-530.

Lange Insel der Glücklichen

Der Trend Richtung Pay-TV hat dieses Jahr die Schweiz spürbar erfasst. Und trotzdem ist sie eine Insel der Glücklichen in Europa geblieben. In allen anderen Ländern ist die Champions League längst nur noch im Bezahlfernsehen verfolgbar. Das SRF profitiert von der Kleinheit des Schweizer Marktes und dessen Vielsprachigkeit – bisher hat es sich für keinen Anbieter gelohnt, für derart wenige Leute entsprechende Sendungen zu produzieren. Das kann sich ändern.

«Ich gehe davon aus, dass auch in der Schweiz die Champions League in naher Zukunft vollständig ins Pay-TV verschwinden wird», sagt Christian Lang, Leiter des Sportmanagementlehrgangs der Universität St. Gallen. Und es gebe einen Trend Richtung Aufstückelung der Rechte. Mehrere Anbieter teilen sich die Spiele. «Frustrierend für die Zuschauer», sagt Lang.

Tatsächlich ist es unübersichtlich geworden. Das merkten auch all jene, die Urs Fischer und Union Berlin am Montagabend beim Aufsteigen zuschauen wollten. Die Öffentlich-Rechtlichen zeigten keine Livebilder. Sky hat die Rechte für alle Spiele der zweiten Bundesliga gekauft, doch die Relegationspiele übertrug wiederum Eurosport 2 Xtra, natürlich kostenpflichtig.

In der Schweiz ist es inzwischen ähnlich. UPC macht mit seinem Mysports-Angebot Teleclub Konkurrenz. Dieser hat Fussball der Super League und Champions League im Angebot, Mysports die Bundesliga. Und wer gerne Fussball und Eishockey schaut, der muss zwischen Teleclub und Mysports entscheiden. Doch die Rivalität führte auch zu mehr Qualität. Die Teleclub-Sendung wirkt professionell – so englisch auch. Wenn also Roman Kilchsperger im Champions-League-Studio mit Pascal Zuberbühler, Urs Meier und Rolf Fringer diskutiert, dann macht das trotz giftgrünen Krawatten etwas her. Aus den Experten werden plötzlich Pundits, so heissen die Vorbilder aus England.

Dort gibt es nun erste Indizien für einen Wandel. An einer Konferenz der «Financial Times» sagte kürzlich eine Analystin, dass sie für den britischen Markt künftig 40 Prozent weniger TV-Gelder für die Champions League erwarte, für die Premier League 20 Prozent weniger. Das wären dann auch frustrierende Zeiten für die Clubs.

Erstellt: 30.05.2019, 13:33 Uhr

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