Schöne Tage für Alain Geiger

Servettes Trainer trifft heute im Cup in Zürich auf seinen einstigen Club GC – morgen könnte er im Wallis geehrt werden.

Alain Geiger. Foto: Keystone

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Das Lob kommt von oberster Stelle. «Alain kennt keinen Stress», sagt Didier Fischer, «das wirkt sich positiv auf die Mannschaft aus.» Fischer ist der Präsident von Servette, und Alain ist der Coach, Alain Geiger, ein 58-jähriger Walliser. Er kommt vom Training, trägt immer noch Arbeitskleidung und sagt: «Es läuft gut. Die Leute sind stolz, dass wir wieder in der Super League sind. Und wir haben mit einem mutigen Auftreten den guten Start verdient.»

Servette ist kein gewöhnlicher Aufsteiger, das kann ein Club nicht sein, der 17-mal Meister und 7-mal Cupsieger geworden ist. Aber die Zeiten, in denen ausserhalb von Genf kaum mehr jemand Notiz von Servette nahm und selbst den Leuten in der Stadt die Lust auf Fussball vergangen war, liegen gar nicht weit zurück. Darum hält es Geiger für vernünftig, nicht zu träumen. Nach sechs Runden belegt Servette zwar Platz 4, aber der Trainer betont: «Wir dürfen die ­Bodenhaftung nie verlieren. Wenn wir den Ligaerhalt schaffen, haben wir unser Saisonziel erreicht.»

Clubchef Fischer kann sich nach dem gelungenen Auftakt der Zukunft des Vereins widmen. Er weibelt derzeit für den Bau eines neuen Trainingszentrums in Grand-Saconnex für den Nachwuchs und die Profis. Über das 28 Millionen Franken teure Projekt befindet am 24. November die kantonale Bevölkerung. Die erste Mannschaft trainiert manchmal im Vorort Plan-les-Ouates, unweit des Stade de ­Genève, sie muss zuweilen auch nach Perly oder Onex ausweichen. «Das sind unprofessionelle Bedingungen», sagt Fischer.

Die Altmeister im Club

Im technischen Bereich stellt sich Servette immer breiter auf. Der Mitarbeiterstab von Geiger ist um einen Konditionstrainer aufgestockt worden, und immer mehr ehemalige Servette-Profis werden in verschiedenen Bereichen eingebunden. Massimo Lombardo leitet die Nachwuchsabteilung; Patrick Müller, 81-facher Nationalspieler, ist Defensivtrainer; Carlos Varela hat eine Anstellung in der Scouting-Abteilung; Lionel Pizzinat ist Teammanager. «Das sind Leute mit grosser Erfahrung und viel Ahnung, sie stiften Identität», sagt Geiger.

Er selbst trug das granatrote Dress einst auch, wurde 1984 Cupsieger und 1985 Meister. In seiner Karriere als Spieler war er auch einmal Teil von GC, des grossen GC. Als er 1995 mit Sion den Cupfinal gegen die Zürcher 4:2 gewann, hatte er bereits einen Vertrag unterschrieben – publik wurde das erst nach dem Match. Geiger nahm mit GC 1995/96 an der Champions League teil und gewann 1996 mit dem Team von Trainer Christian Gross die Meisterschaft.

Über seinen Wechsel zu Xamax: «Ich hatte zu wenig Geduld, es musste alles schnell gehen.»Alain Geiger

Nach seiner Laufbahn übernahm Geiger die U-21 von GC, ein halbes Jahr später wechselte er zu Xamax. Jetzt sagt er: «Ich hatte zu wenig Geduld, es musste alles schnell gehen.» Im Dezember 2003 führte ihn seine Reise als Trainer nochmals zu GC – für zehn Monate. In Erinnerung sind ihm vor allem zwei Partien: das 6:5 im verrückten Cup-Halbfinal gegen den FCZ – und der verlorene Cupfinal 2004 gegen Wil. Heute sagt Geiger: «Es hat damals einfach nicht funktioniert.»

Festtag im Heimatkanton

Als er nach seinen Abenteuern in afrikanischen Ländern nach Hause kam, schoss ihm auch einmal der Gedanke durch den Kopf: «GC würde mich reizen. Ich wäre bereit.» Stattdessen wartete er in seiner Walliser Wohngemeinde Bramois lange auf ein Angebot – bis er sich selber bei Servette ­bewarb und 2018 den Job bekam. Heute hat er mit seiner Mannschaft einen Auftritt im Letzi­grund gegen GC im Cup-Sechzehntelfinal und weiss: Der ­Favorit ist Servette.

«Mir macht der Erwartungsdruck nichts aus.»Alain Geiger

Von Zürich fährt er danach nicht nach Genf, sondern in seinen Heimatkanton. Der Walliser Fussballverband feiert in Grône sein 100-jähriges Bestehen, und aus diesem Anlass wird der «Walliser Fussballer des Jahrhunderts» gekürt. Geiger, 112-facher Nationalspieler, steht selbstredend auf der Liste der 25 Kandidaten. Seine Konkurrenten heissen unter anderen zwar Umberto Barberis, Erich Burgener, Alain Balet, Georges Bregy, Jean-Paul Brigger oder Alvaro Lopez, aber er hat gute Chancen, gewählt zu werden.

Geiger erlebt gerade schöne Tage in seinem Job. Wohl wissend, wie schnell die Stimmung umschlagen kann, wenn positive Resultate ausbleiben. Aber wie sagt er? «Mir macht der Erwartungsdruck nichts aus.»


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Erstellt: 12.09.2019, 22:43 Uhr

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