«Schweinerei!», flucht Hoeness

Die Bayern verpflichten ihren neuen Trainer Niko Kovac nicht ohne Nebengeräusche.

«Das geht Sie einen Mist an»: Uli Hoeness an der Generalversammlung des FC Bayern München im Audi-Drome in München. Bild: Getty Images

«Das geht Sie einen Mist an»: Uli Hoeness an der Generalversammlung des FC Bayern München im Audi-Drome in München. Bild: Getty Images

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Es wird wieder gepoltert in der Bundesliga. Klar, man muss sich ja irgendwie unterhalten, wenn die Meisterschaft entschieden ist und zwei Absteiger praktisch feststehen. Zuerst wurde an diesem Wochenende also in Frankfurt gepoltert, dann noch etwas mehr in München.

Dort ist Uli Hoeness nämlich der Meinung, dass es eine «Schweinerei» sei, dass die Frankfurter den Bayern bei deren Verpflichtung eines neuen Trainers unlauteres Vorgehen vorwerfen. Dies nämlich hatte Frankfurts Sportchef Fredi Bobic gesagt und sich lautstark über die Münchner beschwert. Es sei in der Sache Niko Kovac nie zu einem offiziellen Gespräch zwischen den Clubs gekommen, zeterte Bobic. Was wiederum Hoeness in Rage versetzte.

Endlich – aus Sicht der Bayern – hatte man einen Ablöser für Jupp Heynckes gefunden, der im Sommer in den Ruhestand zurückkehren wird. Damit kann Bobic leben, aber er zeigte sich erbost darüber, wie die Bayern Kovac von Frankfurt weglotsten – und wie er dabei übergangen wurde. ­«Ärgerlich» sei das Verhalten des Serienmeisters, ja sogar «unprofessionell und respektlos».

Hoeness: «Das geht Sie einen Mist an»

Bobics Statements kamen etwas weiter im Süden nicht gut an. Wie Hoeness nach dem 5:1-Sieg seiner Mannschaft gegen Borussia Mönchengladbach zurückgab, hatte dann etwas von einem in die Ecke gedrängten Tier, das mit wilder Kraft um sich schlägt. Und es war ihm sichtlich wichtig, einige Dinge richtigzustellen.

So sagte Kovac am Freitag an einer Pressekonferenz in Frankfurt selbst, dass ihn die Bayern das erste Mal am vergangenen Donnerstag ­kontaktiert hätten. ­Die «Süddeutsche Zeitung» dagegen schrieb anderntags, schon vor Wochen habe sich Kovac mit Hoeness in einer bekannten Pizzeria im Münchner Umland getroffen. Angeblicher Zweck: Vertragsverhandlungen. Ein Reporter des TV-Senders Sky sprach Hoeness nach dem Spiel gegen Gladbach darauf an. Und die Antwort schoss ihm regelrecht entgegen.

«Wir haben Kovac vor einigen Wochen bei einem Italiener im Münchner Umfeld getroffen, allerdings war das reiner Zufall. Es war ein Geburtstag. Mein Fahrer, ein Kroate, hatte Niko eingeladen. Sie glauben doch nicht wirklich, dass wir dort Vertragsgespräche geführt haben.» Wann genau die Bayern Kontakt mit Kovac aufgenommen hätten, wollte Hoeness nicht verraten. «Das geht Sie einen Mist an», sagte er, «wir sind hier nicht bei der Staatsanwaltschaft.» Auch Bobics Vorwürfe der Unprofessionalität liess der Gekränkte nicht auf sich sitzen: «Wir haben uns professionell verhalten, weil wir eine Lücke im Vertrag ausgenutzt haben.» Diese Lücke war eine Ausstiegsklausel von 2,2 Millionen Euro.

Ohnehin ist Hoeness der Meinung, dass die Bayern Frankfurt einen grossen Dienst erwiesen hätten: «Wir haben uns bewusst entschieden, es ihnen so früh wie möglich zu sagen. Hätten wir es in vier Wochen gesagt, hätten wir Ruhe und Frankfurt den Ärger.»

Der finale Akt

Das Durcheinander um Kovac ist der finale Akt eines Schauspiels, das sich wie ein roter Faden durch die Bundes­liga-Saison zog. Eines mit vielen Haupt- und Nebendarstellern. Da ist zum Beispiel Jupp Heynckes, der sich Woche für Woche dagegen sträubte, noch eine Saison dranzuhängen, obwohl sein guter Freund Hoeness sich so sehr darüber gefreut hätte. Und da ist Thomas Tuchel, der Kronfavorit auf den Job, der nicht wollte.

Das Trainer-Casting in München wurde öffentlich inszeniert, jedenfalls konnte das meinen, wer Zeitungen las. Dass sich die Bayern und Kovac aber schon früh nahekamen (und eben: ohne das Wissen Frankfurts), ist nicht ausgeschlossen. Auch wenn Hoeness in dieser Vermutung eine Frechheit sieht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.04.2018, 22:29 Uhr

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