Schweiz stürzt Deutschland in EM-Depression

Nach über fünf Jahrzehnten gewinnt die Schweiz wieder ein Länderspiel gegen Deutschland, und das gleich mit 5:3. Die DFB-Elf gibt kurz vor der EM ein chaotisches Bild ab. Auf Schweizer Seite überragen Eren Derdiyok und Tranquillo Barnetta.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vor dem Länderspiel gegen Deutschland bemühten sich die Schweizer nach Kräften, gute Gastgeber zu sein. Im Medienraum des Basler St. Jakob-Parks gab es sogar Weisswürste mit süssem Senf, wohl als kleiner Trost für die Absenz der Bayern-Fraktion im DFB-Team. In der 21. Minute der zunächst von den Deutschen bestimmten Partie war es dann aber vorbei mit der Gastfreundschaft. Nach einem Steilpass von Gelson Fernandes legte Tranquillo Barnetta den Ball quer zu Eren Derdiyok, der mit einem trockenen Rechtsschuss das 1:0 erzielte. Während sich die Spieler von Bundestrainer Joachim Löw noch verwundert die Augen rieben, klingelte es schon wieder hinter dem Gladbacher Keeper Marc-André ter Stegen. Verantwortlich für das 2:0 in der 23. Minute waren die gleichen Spieler wie beim ersten Treffer: Barnetta flankte in die Mitte, wo Derdiyok höher in die Luft stieg als Peer Mertesacker und mit einem wuchtigen Kopfball abschloss.

Im 2-Minuten-Takt ging es weiter. Derdiyok entwischte die noch immer viel zu sorglose deutsche Abwehr, scheiterte aber im Duell mit Ter Stegen. So durften die Deutschen doch noch hoffnungsvoll in die Pause gehen, weil der hinten schwache Abwehrchef Mats Hummels im Anschluss an einen gefühlvollen Freistoss von Mesut Özil mit dem Kopf zur Stelle war und verkürzte. Der Gegentreffer tat der Aufbruchstimmung im Schweizer Lager jedoch keinen Abbruch. Die zweite Halbzeit war keine fünf Minuten alt, da hiess es erneut Barnetta – Derdiyok – Tor! Es war der dritte Treffer des Abends für den früheren Basler, der von Leverkusen zu Hoffenheim wechselt, der zweite mit dem Kopf. Eine solche Lufthoheit hat Derdiyok wohl selbst im Training nicht oft genossen.

Wie einst beim 1:5 gegen Rumänien

In der 64. Minute schien sich Diego Benaglio an die Weisswürste zu erinnern und daran, dass die Schweizer doch eigentlich gute Gastgeber sein wollten. Der Keeper der SFV-Auswahl liess einen durchaus nicht zwingenden Schuss von André Schürrle passieren, weil er sich völlig verschätzte und in die Luft griff. Die Deutschen konnten mit dem unverhofften Geschenk jedoch nichts anfangen. Schon drei Minuten später stellten die Schweizer den alten Abstand wieder her – erneut durch einen Kopfballtreffer. Diesmal war Stephan Lichtsteiner auf Flanke von Gökhan Inler erfolgreich. Dem neuerlichen deutschen Anschlusstreffer in der 72. Minute durch den eingewechselten Gladbacher Marco Reus – er staubte ab, nachdem Benaglio einen Schuss von Julian Draxler hatte abprallen lassen – folgte mit nur vierminütiger Verzögerung das 5:3 für die Schweiz. Reto Ziegler traf den Pfosten, Admir Mehmedi stand goldrichtig und überwand Ter Stegen mt ein wenig Glück. Fünf Treffer hatten die Deutschen seit dem 1:5 gegen Rumänien am 28. April 2004 nicht mehr kassiert. Hätte Gelson in der 88 Minute per Kopf nicht nur die Latte getroffen, wären es an diesem verrückten Samstag sogar noch sechs geworden.

Schlechte Vorzeichen für die EM

Während die Schweizer den ersten Sieg gegen Deutschland seit 1956 und eine erfrischende Offensivleistung feiern können, stecken die Deutschen keine zwei Wochen vor ihrem ersten EM-Spiel gegen Portugal in einem Stimmungstief. Dass die Löw-Elf mit einem B-Team ohne die Stars von Bayern München antreten musste, macht die Sache für den selbst ernannten Titelanwärter nur geringfügig erträglicher. Vor allem die Defensive des DFB-Teams legte einen regelrechten Offenbarungseid ab. Der Reporter des portugiesischen Fernsehens schien sich auf jeden Fall keine grossen Sorgen wegen des Gruppengegners seiner Landsleute zu machen.

Erstellt: 26.05.2012, 20:14 Uhr

Schweiz – Deutschland 5:3 (2:1)

St. Jakob-Park, 27'381 Zuschauer. - SR Gautier (Fr). - Tore: 21. Derdiyok (Flanke Barnetta) 1:0. 23. Derdiyok (Flanke Barnetta) 2:0. 45. Hummels (Freistoss Özil) 2:1. 50. Derdiyok (Freistoss Barnetta) 3:1. 64. Schürrle 3:2. 67. Lichtsteiner (Inler) 4:2. 72. Reus (Draxler) 4:3. 76. Mehmedi (Ziegler) 5:3.

Schweiz: Benaglio; Lichtsteiner, Senderos, von Bergen, Ziegler; Inler, Fernandes (92. Djourou); Mehmedi, Xhaka (89. Wiss), Barnetta (77. Stocker); Derdiyok.

Deutschland: Ter Stegen; Höwedes (78. Sven Bender), Mertesacker, Hummels, Schmelzer; Khedira, Götze (78. Lars Bender); Schürrle, Özil, Podolski; Klose (78. Cacau).

Bemerkungen: Schweiz ohne Behrami, Dzemaili und Shaqiri (alle verletzt). Deutschland ohne acht Bayern-Spieler. Debüt von Alain Wiss (Luzern). 76. Pfostenschuss Ziegler (Mehmedi erbt zum 5:3). 86. Senderos-Tor wegen Foul nicht anerkannt. 88. Lattenkopfball Fernandes. Verwarnungen: 65. Inler (Foul), 75. Hummels (Foul). Cornerverhältnis: 3:10.

Artikel zum Thema

Der Live-Ticker zum Match Schweiz - Deutschland

Knapp zwei Wochen vor dem EM-Start gastiert heute Abend mit Deutschland ein Goldkandidat in Basel. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live. Mehr...

Nati gegen Deutschland mit elf Legionären?

Nationalmannschaft Das Schweizer Nationalteam trainiert in Freienbach erneut mit dezimiertem Bestand. Ottmar Hitzfeld dispensiert die ASL-Spieler von der Einheit auf dem Rasen. Mehr...

Drei Neue in Hitzfelds Nationalteam

Ottmar Hitzfeld bietet für die Länderspiele gegen Deutschland am 26. Mai in Basel und gegen Rumänien am 30. Mai in Luzern drei Neulinge auf. Zwei von ihnen spielen beim FC Luzern. Mehr...

Blogs

Beruf + Berufung Durchgestartet als alleinerziehende Mutter

Geldblog Sind Genossenschafts-Investitionen sicher?

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...