Sechs Schweizer Nationalspieler im Dilemma

Weil er bei Milan nur Ersatz ist, könnte sich bei Ricardo Rodriguez ein Wechsel anbahnen. Auch im Hinblick auf die EM 2020. Und nicht nur bei ihm.

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Regelmässige Einsätze beim Club erhöhen die Chance auf einen Platz im EM-Kader von Nationaltrainer Vladimir Petkovic, der es sich nicht leisten kann, Spieler ohne Spielpraxis mitzunehmen. Den «Problemfällen» bleibt nicht viel Zeit, sich in ihren Clubs wieder aufzudrängen. Erschwerend könnte hinzukommen, dass die Schweiz im Dezember noch nicht weiss, ob sie für die Endrunde qualifiziert ist. Sollten die Schweizer die definitive Teilnahme über der laufenden Qualifikation verpassen, werden die letzten EM-Tickets erst in Playoffs im März vergeben. So lange können die Spieler aber nicht warten, denn das Transferfenster öffnet schon in 85 Tagen und schliesst Ende Januar wieder. Welcher Nationalspieler wird sich im Winter neben Rodriguez auch mit seiner Zukunft im Club auseinandersetzen müssen? Ein Überblick.

Ricardo Rodriguez, AC MilanVertrag bis 2021

In der Nationalmannschaft gibt es kaum Alternativen für Rodriguez. Er ist gesetzt (67 Länderspiele/8 Tore). Im Club ist die Situation für Rodriguez neu. Denn bisher war er bei seinen Vereinen fast ausnahmslos Stammspieler: erst beim FC Zürich, ab 2012 beim VfL Wolfsburg in der Bundesliga und auch in seinem ersten Jahr in Italien. In der Saison 2018/19 stand Rodriguez in 35 von 38 Ligaspielen in der Startelf und wurde auch nur fünfmal ausgewechselt. In der laufenden Meisterschaft sieht alles anders aus. Beim Serie-A-Club wurde der 27-jährige Linksverteidiger von Theo Hernandez verdrängt. Der 20-Millionen-Einkauf von Real Madrid scheint bei den «Rossoneri» neuerdings gesetzt. Laut «Blick» soll Rodriguez konkrete Wechselgedanken hegen, sollte sich seine Situation bis zum Winter nicht ändern. Mit Atletico Madrid, der AS Roma, Schalke 04 und Everton sollen diverse Interessenten vorhanden sein.

Xherdan Shaqiri, Liverpool FC Vertrag bis 2023

Der Schweizer war 2018 für 14,7 Millionen Euro vom damaligen Absteiger Stoke City zu Liverpool gewechselt. In der vergangenen Spielzeit kam er auf 30 Pflichtspiele (6 Tore/5 Vorlagen) für die «Reds», davon stand er die Hälfte in der Startelf. Nach dem gewonnenen Champions-League-Final sagte der 82-fache Internationale (22 Tore), dass er einen Wechsel nicht in Betracht ziehe, aber das könnte sich noch ändern. «XS» verletzte sich beim Final-Four-Turnier der Nati in Portugal und verpasste grossteils die Vorbereitung. Das ist wohl mit ein Grund, warum Shaqiri in der aktuellen Saison wettbewerbsübergreifend erst 25 Minuten spielte. Am überragenden Trio Mané, Firmino, Salah ist derzeit einfach kein Vorbeikommen für Shaqiri, und auch Alex Oxlade-Chamberlain, Divock Origi oder Adam Lallana stehen bei Trainer Jürgen Klopp höher im Kurs. Derzeit ist der Basler, der am Donnerstag seinen 28. Geburtstag feiert, wieder verletzt (Muskelriss an der Wade). Wenn er wieder fit ist und sich an seiner Situation nichts ändert, wird sich Shaqiri Gedanken machen und einen Wechsel ins Auge fassen müssen.

Kevin Mbabu, VfL WolfsburgVertrag bis 2023

Kevin Mbabu – bei YB unumstrittener Stammspieler – muss in Wolfsburg hinten anstehen. Seit seinem Wechsel in die Bundesliga hat der Rechtsverteidiger nur 116 Minuten (Cup, Europa League und Liga) gespielt. Den einzigen Einsatz über 90 Minuten absolvierte der Genfer im Europacup gegen FK Oleksandria (3:1). In den letzten zwei Bundesligapartien vor dem aktuellen Zusammenzug drückte Mbabu ausschliesslich die Bank. Trainer Oliver Glasner setzt vor allem auf den Brasilianer William, der aus seiner Sicht technisch versierter sei und das bessere Auge für den Mitspieler habe. Mbabus Plus seien die Schnelligkeit und die Athletik. «Ich war mir des Risikos bewusst. Wenn man ins Ausland geht, muss man bereit sein zu kämpfen», so Mbabu zu seiner Situation. Und VfL-Manager Jörg Schmadtke sagte dem Onlineportal «Sportbuzzer»: «Neuverpflichtungen brauchen meistens ein bisschen Zeit. Und diese Zeit geben wir Kevin auch.» Aber wie viel Zeit hat der 24-Jährige? Auf seiner Position bestand selten Personalmangel. Nach Stephan Lichtsteiner und Michael Lang ist da auch noch Silvan Widmer, der in Basel regelmässig und auch europäisch spielt.

Mario Gavranovic, Dinamo ZagrebVertrag bis 2021

Gavranovic kommt zwar bereits auf 16 Pflichtspieleinsätze, aber insgesamt nur auf 625 Minuten. Zudem hat er erst zwei Tore und einen Assist auf dem Konto. Fünfmal stand er in der Liga zuletzt nicht in der Startelf. Über die volle Distanz hat er nur einmal gespielt. Gavranovic ist als Stimmungsspieler bekannt und braucht das Vertrauen seiner Trainer, sonst ist er meist schnell weg. Auch diesmal? Denn die Konkurrenz in der Nationalmannschaft ist derzeit besser im Schuss: Haris Seferovic, Torschützenkönig in der vergangenen Saison in Portugal, sowieso, aber auch Josip Drmic, Breel Embolo oder Admir Mehmedi haben in ihren Clubs getroffen und bessere Karten.

Yvon Mvogo, RB LeipzigVertrag bis 2021

Der ehemalige YB-Torhüter sitzt im goldenen Leipzig-Käfig fest. Seit seinem Wechsel zum Dosenclub hütete der 25-Jährige lediglich 14-mal den Kasten – seit 2017. Nach einer ernüchternden Saison erhielt Mvogo im Sommer die Erlaubnis für einen Wechsel. Allerdings wollte ihn Leipzig nur auf Leihbasis ziehen lassen, weil man langfristig mit dem jungen Keeper plant. Augsburg wollte ihn verpflichten. Am Ende platzte der Deal, und Mvogo ist weiter in seinem goldenen Käfig gefangen. Auch wenn in der Nationalmannschaft hinter Yann Sommer kaum ein Torhüter viel spielt, der Druck von Jonas Omlin und David von Ballmoos auf die aktuelle Nummer 2 wird immer grösser. Lange wird ihn Petkovic ohne Spielpraxis nicht mehr mitschleifen können.

Albian Ajeti, West Ham UnitedVertrag bis 2023

Seinen zweiten Wechsel weg vom FC Basel hat sich Ajeti wohl anders vorgestellt. Der SL-Torschützenkönig von 2018 und FCB-Topskorer wechselte einst im Januar 2016 zum FC Augsburg, wo er nie glücklich wurde. Zurück in der Schweiz, ging es in rasantem Tempo vom FC St. Gallen zum FCB. Im Sommer 2019 erfüllte sich der Stürmer den Traum der Premier League und unterschrieb bei West Ham. Ausser 180 Minuten im Cup fristet Ajeti aber seither sein Dasein auf der Bank. In der Meisterschaft wartet er noch auf den ersten Einsatz. Ein Wechsel im Winter ist kaum vorstellbar, aber eventuell eine Ausleihe, wenn Ajeti keine Chance auf einen Einsatz sieht.


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Erstellt: 09.10.2019, 18:26 Uhr

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