Seoane bekennt sich zu den Young Boys

Der Meister verliert in der ausverkauften Maladière vor Tausenden YB-Fans gegen Xamax 0:1. Im Fokus steht aber der Trainer.

Noch nicht fertig mit YB: Gerardo Seoane will Trainer in Bern bleiben.

Noch nicht fertig mit YB: Gerardo Seoane will Trainer in Bern bleiben. Bild: Christian Pfander

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Gerardo Seoane steht in den Katakomben der Maladière in Neuenburg und zupft am Ärmel seines weissen Hemdes. Der YB-Trainer wirkt leicht nervös, obwohl er erwartet hat, dass wahrscheinlich eher er als das sportlich relativ unbedeutende Spiel seiner Mannschaft im Fokus stehen würde.

In den letzten Tagen waren Gerüchte über einen Abgang des Meistertrainers in Umlauf geraten. Ein deutsches Boulevardblatt hatte den 40-Jährigen als Topfavorit auf den frei werdenden Job bei Hertha Berlin ins Spiel gebracht. An Berns Stammtischen begannen die Diskussionen: Würden die Young Boys nach nur einem Jahr schon wieder einen Trainer suchen müssen? Käme ein Abgang für Seoane nach nur anderthalb Jahren in der Super League nicht zu früh? Und vor allem: Wer würde die Arbeit des amtierenden Trainer des Jahres fortführen?

Wertschätzung und Freude

Seoane richtet sein blaues Sakko und sagt einen Satz, den er an diesem Sonntagabend mehrmals in die Mikrofone diktieren wird. «Es ist eine grosse Wertschätzung und Ehre für den ganzen Verein, dass unsere Arbeit Interesse aus der Bundesliga weckt.» Seoane ist keiner, der sich in den Fokus rücken will. Und eigentlich kommentiert er auch keine Gerüchte. In den letzten Tagen habe es aber eine Dynamik angenommen, dass er sich nun entschlossen habe, Klarheit zu schaffen über seine Zukunft.

Und die liegt in Bern. «Für mich war immer klar, dass ich hier bleibe. Ich bin hier am richtigen Ort», sagt Seoane und spricht von den Herausforderungen, die ihn bei YB noch erwarten, in der Meisterschaft, im Cup, aber auch in der Champions League, welche die Young Boys im August zum zweiten Mal erreichen können. «Ich freue mich auf die nächste Saison.»

Wechselgesang vom Schiff

Seoanes Bekenntnis zu YB ist die Nachricht des Tages. An einem Nachmittag, der ganz viele Geschichten bereithält. Mehrere Tausend YB-Fans verwandeln die Maladière in die temporäre Heimstätte des Meisters. Und bei der Anreise beweisen sie meisterliche Kreativität. Eine Gruppe reist von Cudrefin her mit dem Schiff an. Als der kleine Kahn vor dem Ufer Neuenburgs durchtuckert, stimmen die Berner einen Wechselgesang mit den Freunden der Young Boys an, die sich im Café des Amis am Seeufer auf den Match einstimmen.

Die Fans wissen, dass sich ihre Mannschaft auf Abschiedstournee befindet, dass im Sommer mehrere Leistungsträger ins Ausland wechseln werden und jetzt nur noch wenige Partien bleiben, um das Team zu sehen, das für die zwei erfolgreichsten Jahre der Vereinsgeschichte verantwortlich ist. Kevin Mbabu sitzt in Neuenburg auf der Tribüne. Die Verhandlungen zu seinem Transfer nach Wolfsburg sind fortgeschritten, Sportchef Christoph Spycher will kurz vor Bekanntgabe des Wechsels, der YB etwa 10 Millionen Franken einbringen dürfte, nicht riskieren, dass sich der Rechtsverteidiger verletzt.

Mbabu sieht, wie sich seine Teamkollegen schwertun gegen den bissigen Aufsteiger, wie sie sich nur wenige Chancen herausspielen und im Abschluss meist umständlich agieren. Als Kemal Ademi Xamax kurz nach seiner Einwechslung in der 73. Minute in Führung bringt, bleibt den Bernern genügend Zeit, der Partie eine Wende zu geben, wie sie es in dieser Saison schon oft gemacht haben. Doch Mbabu sieht kein spätes Comeback.

Erstmals seit 60 Super-League-Partien oder dem 19. August 2017 bleiben die Young Boys ohne Tor, verlieren zum zweiten Mal in dieser Saison. Ein Stimmungskiller? Mitnichten. Als die Partie fertig ist, feiern die Berner Fans minutenlang den ehemaligen YB-Flügel Raphaël Nuzzolo, der mit Xamax nun neun Punkte Vorsprung hat auf einen direkten Abstiegsplatz.

Erstellt: 23.04.2019, 06:13 Uhr

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