Sie beglücken Fussballstars und ärgern Sportartikel-Giganten

Die Idee ist so simpel wie genial: Zwei junge Engländer recyclen alte Fussballschuhe. Zu ihren Kunden gehören Xavi, Rakitic – und auch Neymar wäre es gerne.

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Manchmal sind es die einfachen Momente, die einen bewusst werden lassen, was gerade passiert. Bei Cameron Sangster ist es eine Erinnerung von Facebook, neun Jahre alt. Der damals 10-jährige Engländer postete: «Ich kann es nicht erwarten, mein Idol Jack Wilshere spielen zu sehen.» Sangster sass gerade im Zug, als dieses Andenken aufpoppte. Er und sein 20-jähriger Geschäftspartner Jake Self waren auf dem Weg zu Wilshere. Nicht an ein Spiel von ihm. Nein, sie waren auf dem Weg zu ihm nach Hause.

«Höllisch nervös» seien die beiden gewesen, als sie vor den Toren des West-Ham-Profis standen. So erzählt es Sangster der britischen Zeitung «Daily Mail». Der Grund des Besuchs: alte Fussballschuhe. Denn Wilshere ist, wie offenbar zahlreiche weitere Fussballstars, ein Nostalgiker. Und die beiden Freunde Self und Sangster hatten eine Idee, wie sie diese Sehnsucht stillen können.

Anfangs 40 Pfund Gewinn pro Paar

Die Idee dabei ist relativ simpel: Sie ersteigern längst nicht mehr produzierte Modelle, wie beispielsweise den «Adidas Predator Mania», berühmt gemacht unter anderem durch David Beckham, dann polieren sie die Schuhe auf und verkaufen sie weiter. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie bereits getragen wurden oder nicht. 40 Pfund pro Schuhe verdienten sie pro Paar, als sie vor drei Jahren mit «rareboots4u» begannen. Auch wenn es nur zwei, drei pro Woche waren: Immerhin etwas, schliesslich wollten die beiden Teenager anfangen, ihr eigenes Geld zu verdienen.

Jake Self (l.) und Cam Sangster (r.), zusammen mit ManCity-Talent Phil Foden. Bild: Screenshot Youtube

Weil sich ihr Nischenprodukt am besten via Social Media bewerben lässt, dachten sie, Ethan Ampadu könnte ihnen helfen. Ein junger Fussballer, der damals für Chelsea spielte, heute ist er an RB Leipzig ausgeliehen. «Ein Junge aus unserer Gegend, wir kennen ihn irgendwie», sagt Self. Sie schenkten ihm zwei Paar, Ampadu postete die Schuhe auf Instagram. So wurde der brasilianische Nationalspieler David Luiz hellhörig, dieser empfahl die jungen Geschäftspartner an Alvaro Morata weiter: «Derzeit unser bester Kunde.»

Alvaro Morata, das Sprungbrett

Und nicht nur das: Der Spanier ist offenbar auch ein hervorragender Vermittler. «Er gab uns so viele Kontakte zu Fussballprofis», so Sangster. Eines Morgens wurde er vom Klingelton einer Nachricht geweckt. Der Absender: Ivan Rakitic. «Ich dachte: ‹Nein, das kann jetzt nicht wahr sein.›» Spätestens als sie die Schuhe zu ihm nach Hause brachten und er sie zu einem Barça-Spiel fuhr, wurde ihm bewusst: Doch, das passiert wirklich!

Nun beliefern Self und Sangster Weltstars wie Karim Benzema oder Xavi Hernandez, Jungstars wie Joao Felix oder Phil Foden, der extravagante Pierre-Emerick Aubameyang kommt dank ihnen zu alten, goldenen Nikes, und PSG-Stürmer Mauro Icardi trainiert mit dem Nike Tiempo. Dem Schuh, mit dem Ronaldinho Mitte der 00er-Jahre für eine Werbung etwas hin- und herspielte – mit der Torlatte.

Tottenham-Verteidiger Serge Aurier soll kürzlich gar 500 britische Pfund für ein paar alte Stollenschuhe bezahlt haben. «Wir machen mehr, als nur etwas alte Fussballschuhe zu putzen», rechtfertigt Sangster den Preis. Einige Exemplare seien sehr schwer zu finden, deshalb bei Sammlern natürlich besonders beliebt.

Die grossen Player werden sauer

Das Geschäft floriert also, nur von einem PSG-Spieler gab es zuletzt einen kleinen Dämpfer: «Wir fragten, ob dieser uns an Neymar weiterempfehlen könnte. Das tat er, und sogar auch an Kylian Mbappé.» Offenbar waren die beiden Superstars hellauf begeistert, aber: «Nike verbietet ihnen vertraglich, alte Schuhe zu tragen. Das ist nervig.» Und auch der grosse Konkurrent aus Deutschland soll hellhörig geworden sein: «In Madrid sprachen wir mit dem Marketing-Agenten von Xavi. Er hatte zuvor für Adidas gearbeitet und sagte: ‹Die wissen, was ihr tut. Und es gefällt ihnen nicht.›»

Auch das ist einer dieser Momente, ähnlich wie die Facebook-Erinnerung im Zug. Spätestens, wenn die globalen Marktführer angesäuert sind, dann hat man es endgültig geschafft.

Erstellt: 17.10.2019, 11:49 Uhr

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