Sie stehen für den Erfolg der Schweiz

Die Multikulti-Nationalmannschaft von Vladimir Petkovic qualifiziert sich für die WM. Sie ist ein gutes Beispiel, wie sehr die Schweiz von der Einwanderung profitiert.

Freude und Erleichterung; Die Schweizer Fussballer liegen sich nach dem Spiel in den Armen.  Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Freude und Erleichterung; Die Schweizer Fussballer liegen sich nach dem Spiel in den Armen. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

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Vladimir Petkovic hielt es mit Bildern während dieser Qualifikation für die WM 2018: Die Gegner sollten weg­gekegelt werden, und die Schweizer Mannschaft war hungrig wie ein Bär nach dem Winterschlaf. Am Ende ist aber ein Bild stärker als jedes andere: jenes von Trainer und Spielern, wie sie ausgelassen jubeln über ihre Qualifikation für das Turnier in Russland. Nach dem 0:0 gegen Nordirland an diesem verregneten Sonntag in Basel, vor 36'000 Zuschauern im St.-Jakob-Park, vor geschätzt einer Million vor dem Fernseher.

Es ist kein grosses Spiel, das die Schweizer auf dem tiefen Boden ge­boten haben, im Gegenteil. Es war ein enormer Kampf, ein Match des Leidens und Bangens. Die Schweizer zitterten sich mit müden Köpfen und Beinen zum Remis, das so wertvoll ist wie ein Sieg.

Bildstrecke: Die Nati fährt nach Russland

Zum vierten Mal in Folge reisen sie an eine WM. So etwas hat es in ihrer Geschichte noch nie gegeben. Dass Haris Seferovic nach einer vergebenen Chance trotzdem ausgepfiffen wird, ist befremdend und zeigt nur eines: Das Publikum hat nicht das Niveau der Mannschaft. Er wünschte sich nord­irische Fans, sagt Petkovic dazu. Ein bemerkenswerter Satz.

Sich als Teil des Ganzen sehen

Petkovic ist der Mann hinter dem Erfolg. Der Schweiz-Bosnier glaubte zu Beginn seiner Arbeit vor gut drei Jahren noch, auf Ablehnung zu stossen. Er glaubte, ihm werde in den Medien Unfähigkeit vorgehalten – wegen seines grossen Vorgängers Ottmar Hitzfeld und wegen seiner Herkunft.

Es war mutig gewesen vom Verband, einen mit Petkovics Biografie zum Chef der wichtigsten Mannschaft im Land zu machen. Es stellte sich die Frage, ob er die Brücke schlagen kann zwischen dieser Mannschaft und dieser Schweiz. Einer Mannschaft, die von der Einwanderung profitiert, und einem Land, das von Gastarbeitern profitiert, ob in Wirtschaft, Bauindustrie oder Gesundheitssystem.

«Wir Ausländer, wir Secondos bringen eine andere ­Mentalität rein.»Granit Xhaka

Vor zwanzig Jahren begannen die Secondos aus Italien, der Türkei oder Spanien die nationale Auswahl zu prägen, die Sforzas, Yakins und Cabanas. Petkovic erzählte einst, wie er die verschiedenen Gruppen an einen Tisch bringen wollte – die Schweizer und die Secondos. Letztere haben dabei gelernt, einen Schritt auf die Schweizer zuzugehen und sich nicht mehr als eigene Gruppe zu verstehen, sondern als Teil des Ganzen.

«Die Mannschaft ist eine Einheit», sagt Xherdan Shaqiri heute, unbestrittener Liebling der Schweizer Jugend. Das macht sie aus: diese Auswahl von Spielern, von denen viele ihre Wurzeln in Afrika und auf dem Balkan haben, einer selbst in Südamerika und einige ganz normal in der Schweiz. Der gebürtige Kosovare Valon Behrami – in jungen Jahren bei Lazio Rom noch das «verrückte Pferd», im Nationalteam längst so etwas wie der «Elder Statesman» – hat die jüngeren Einwanderer immer wieder dazu angehalten, dankbar für das zu sein, was sie von der Schweiz erhalten haben. Sie haben ihren Leader verstanden.

Gute Repräsentanten sein

Als Ende 2015 das Gerücht aufkam, die Schweizer Nationalmannschaft sei von einem Balkangraben durchzogen, fragte Petkovic seine Spieler: «Was wollen wir, für welche Werte wollen wir stehen?» Die Antwort war einfach: Wir sind die Schweiz. Dafür steht auch der Satz von Johan Djourou, des Genfers von der Elfenbeinküste: «Ich bemühe mich, ein guter Repräsentant meines Landes zu sein.»

Jetzt vertritt diese Mannschaft die Schweiz an der WM in Russland – und wird daran gemessen, ob sie es schafft, einen Schritt weiter zu gehen und den Viertelfinal zu erreichen. Es ist schon länger nicht mehr ihr Anspruch, sich bloss für eine Endrunde zu qualifizieren. Das schaut sie als Pflicht an. Dieses Denken hat viel mit einem Selbst­verständnis zu tun, das nicht nur ein Zentralschweizer wie Stephan Lichtsteiner in die Mannschaft gebracht hat, sondern vor allem auch die Gruppe der Secondos. Granit Xhaka sagt: «Wir Ausländer, wir Secondos bringen eine andere ­Mentalität rein, wir haben Ehrgeiz, wir geben alles, wir sind Winner. Das macht uns aus.» Das sagt so vieles über dieses Schweizer Team aus.

Video – Die Rettungstat von Rodriguez

So wichtig wie der Penalty im Hinspiel: Ricardo Rodriguez steht am richtigen Ort. (Video: SRF/Tamedia-Webteam)

Erstellt: 12.11.2017, 22:56 Uhr

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