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Sforza nennt das GC-Problem beim Namen

Der frühere GC-Trainer spricht über die Unruhen im Verein – und erzählt wie es zwischen ihm und Erich Vogel zum Bruch kam.

Schimpft über Erich Vogel: Der frühere GC-Trainer und -Spieler Ciriaco Sforza.
Schimpft über Erich Vogel: Der frühere GC-Trainer und -Spieler Ciriaco Sforza.
Keystone

Es rumpelt wieder einmal bei GC, und Murat Yakin droht als Trainer das Aus. Wieso kommt GC nicht zur Ruhe?

Die Unruhe im Verein ist nicht neu, ­sondern schon seit mehreren Jahren da. Und wenn ich höre, sehe und lese, was sich bei GC tut, komme ich zum Schluss: Es ist ständig das Gleiche.

Das heisst?

Es sind Machtspiele im Gang. Der Club müsste sich als ein einziges Team präsentieren, es müssten alle das gleiche Ziel verfolgen, die Führung, der Trainer mit seinen Mitarbeitern, die Mannschaft. Aber GC strahlt für mich keine Geschlossenheit aus. Und darum kommt es nicht weiter.

Auf dem Papier sind die Strukturen klar: Es gibt drei Geschäftsleute, denen die Aktien gehören . . .

. . . ich ziehe den Hut vor Leuten, die ­bereit sind, Geld zu investieren . . .

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Bilder: Die GC-Führungsebene

Wurde bei GC entlassen: Murat Yakin ist seit 26 Jahren im Fussball aktiv.
Wurde bei GC entlassen: Murat Yakin ist seit 26 Jahren im Fussball aktiv.
Samuel Schalch
GCZ 1992–1997: Murat Yakins Profikarriere begann bei den Grasshoppers mit 18 Jahren. Im Bild: Yakin gratuliert Türkylmaz zu seinem Treffer gegen den FC Aarau. (4.6.1997)
GCZ 1992–1997: Murat Yakins Profikarriere begann bei den Grasshoppers mit 18 Jahren. Im Bild: Yakin gratuliert Türkylmaz zu seinem Treffer gegen den FC Aarau. (4.6.1997)
Andre Albrecht, Reuters
Grasshoppers Zürich 2017: Nach einem Abstecher in Russland und kurzer Amtszeit in Schaffhausen sitzt Yakin nun bei GC auf der Trainerbank. (25.8.2017)
Grasshoppers Zürich 2017: Nach einem Abstecher in Russland und kurzer Amtszeit in Schaffhausen sitzt Yakin nun bei GC auf der Trainerbank. (25.8.2017)
Retp Oeschger
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. . . es gibt einen CEO, einen Sportchef und einen Trainer.

Einverstanden. Aber sind die sich untereinander auch einig? Sind sie eine Einheit? Ich bin nicht überzeugt davon. Ich sammelte bei GC meine Erfahrungen als Trainer, ich verfolge es jetzt aus der Distanz. Und die Eindrücke sind ziemlich ähnlich. Lippenbekenntnisse sind da, aber keine Handlungen mit sichtbaren Folgen.

Was war denn die Problematik, als Sie ab 2009 für fast drei Jahre Trainer waren?

Es herrschte ein Durcheinander, und eben: Es gab Machtspiele.

Wer spielte dabei die Hauptrolle?

Wer nicht bereit ist, in einem Führungsgremium mitzumachen, hat nichts zu melden. Dann muss er sich zwingend aus allem heraushalten und nicht versuchen, auf Umwegen Einfluss zu nehmen.

Sie reden von . . .

. . . Erich Vogel. Er soll die Leute, die eine offizielle Funktion haben, machen lassen. Wieso übernimmt er keine Verantwortung? Die ständige Unruhe ist für einen Trainer so unangenehm wie für die Spieler.

Einfacher macht es die Situation auch für den Sportchef nicht. Oder den CEO.

Es ist für niemanden lustig.

Haben Sie eine Lösung?

Wir reden von einem Traditionsverein, der nicht erst seit ein paar Monaten, sondern seit Jahren das immer gleiche Problem hat. Es soll mir keiner sagen, dass es nicht zu lösen ist. Wenn man also festlegt, Mathias Walther ist unser Sportchef, und Manuel Huber ist unser CEO, dann muss man ihnen vertrauen und Handlungsspielraum geben. Ich respektiere Vogel, er hat viel für den Schweizer Fussball getan, aber ich frage mich: Was treibt ihn an, aus dem Hintergrund zu agieren? Was ist seine Absicht?

Sagen Sie es uns.

Es muss in die Richtung gehen, dass er allen zeigen möchte: Ich weiss es besser.

Vogel sitzt am Tisch, wenn Walther als Sportchef verpflichtet wird.

Was hat er da verloren, wenn er kein Amt bei GC hat? Nichts.

Sie sind derzeit ohne Verein. Wie würden Sie reagieren, wenn Sie jetzt das Angebot erhielten, wieder GC-Trainer zu werden?

Ich muss wissen, mit wem ich zu tun habe, wer meine Ansprechpartner sind. Sonst lasse ich die Finger davon. Darum würde ich jetzt sagen: Ich verzichte. Weil es völlig nebensächlich ist, wie der Sportchef heisst, wer CEO ist – solange Vogel so walten kann, wie er es tut, ist auch klar, wer mitentscheidet.

Ist Walther nur eine Marionette?

So will ich es nicht sagen. Und ich hoffe auch nicht, dass er eine ist. Leider muss ich sagen: So kann das einfach nicht funktionieren.

Wie war das mit Vogel, als Sie GC-Trainer waren?

Er verkaufte hinter meinem Rücken Spieler, ohne dass ich etwas wusste. Ja, so war das! Okay, er war damals noch Vizepräsident und Sportchef, aber eines Morgens komme ich ins Training und frage: Wo ist Steven Deana? Da höre ich: Er ist nicht mehr bei GC, er ist bei Vaduz. Ich sagte: Moment einmal, ich bin doch kein Joggel.

Ein paar Wochen später musste Vogel gehen.

Ich machte Roger Berbig (damals GC-Präsident) klar: Entweder der Sportchef – oder ich. Zusammen, das geht nicht. Gespräche über Spieler sollen und müssen sein, die Diskussionen dürfen auch kontrovers geführt werden. Aber personelle Entscheide fällen, ohne dass ich ­informiert worden wäre . . .

Wie war es, als Vogel weg war?

Da ging es erst richtig los, und es wurde unangenehm. Er behauptete zwar ­immer: Nein, nein, ich bin es nicht, ich habe dies und jenes nicht gesagt und nicht gemacht, aber ich wusste ganz ­genau, wer was steuerte. Er war zwar weg und doch immer da. Solange für Vogel stimmt, was man macht, ist die Welt in Ordnung. Ansonsten wird es ziemlich kompliziert für einen Trainer.

Haben Sie das so erlebt?

Ja. Und so will ich nicht mehr arbeiten. Ich kann es nicht akzeptieren, wenn man versucht, mich zu manipulieren.

Was geht Ihnen nun durch den Kopf, wenn Sie mitbekommen, wie Murat Yakin nach Runar Sigurjonsson oder Nabil Bahoui auch den ehemaligen Captain Milan Vilotic abserviert?

Dass es nicht schön aussieht, aber ins Gesamtbild passt, das der Verein abgibt.

Und was sagen Sie zur Heftigkeit, mit der Vilotic den Trainer kritisiert hat? Dass er ihm unterstellt, schamlose Spielchen zu betreiben?

Dass einiges nicht stimmt. Vilotic ist kein junger Spieler mehr. Und nicht der erste, der deutliche Kritik übt. Sigurjonsson (mittlerweile in St. Gallen) hat sich schon über Yakin ausgelassen.

Was sagt Ihnen das?

Dass diese zwei Spieler sich Luft verschaffen mussten. Sie fühlen sich verletzt. Wenn sie das Gefühl haben, dass sie zu Unrecht so behandelt worden sind, haben sie das Recht, es auch zu sagen. Ich komme wieder auf das zurück, was ich am Anfang gesagt habe: GC muss als Team auftreten, es müssen alle bereit sein, sich zu integrieren. Passiert das, kann man Erfolg haben.

Also auch der Trainer?

Absolut. Murat hat seinen Stil. Entweder akzeptiert man ihn, wie er ist, oder man setzt sich an einen Tisch und zieht aus dem Gespräch die Schlüsse.

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Bilder: Die Trainerstationen von Murat Yakin

Wurde bei GC entlassen: Murat Yakin ist seit 26 Jahren im Fussball aktiv.
Wurde bei GC entlassen: Murat Yakin ist seit 26 Jahren im Fussball aktiv.
Samuel Schalch
GCZ 1992–1997: Murat Yakins Profikarriere begann bei den Grasshoppers mit 18 Jahren. Im Bild: Yakin gratuliert Türkylmaz zu seinem Treffer gegen den FC Aarau. (4.6.1997)
GCZ 1992–1997: Murat Yakins Profikarriere begann bei den Grasshoppers mit 18 Jahren. Im Bild: Yakin gratuliert Türkylmaz zu seinem Treffer gegen den FC Aarau. (4.6.1997)
Andre Albrecht, Reuters
Grasshoppers Zürich 2017: Nach einem Abstecher in Russland und kurzer Amtszeit in Schaffhausen sitzt Yakin nun bei GC auf der Trainerbank. (25.8.2017)
Grasshoppers Zürich 2017: Nach einem Abstecher in Russland und kurzer Amtszeit in Schaffhausen sitzt Yakin nun bei GC auf der Trainerbank. (25.8.2017)
Retp Oeschger
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Wer sollte da dabei sein?

Die Führungscrew und der Trainer. Sie sollten den Mut haben, zusammen für Klarheit zu sorgen. Sie müssen eine Antwort auf die Frage finden: Macht die Zusammenarbeit so noch Sinn oder eben nicht? Wenn ich eine führende Rolle bei GC spiele, sage ich dem Trainer: Muri, unser Plan sieht so aus, du bist unser Cheftrainer – ziehst du mit? Irgendwann ist eine Antwort zu erwarten. Man muss mit der Oberflächlichkeit und dem Schlangenlinienkurs aufhören, weil das auch zu einer Grüppchenbildung führt, und das ist sehr gefährlich.

Gefährlich ist auch, wenn der Trainer im Zusammenhang mit der Kritik von Vilotic sagt, die eine Hälfte der Spieler könne nicht lesen, und die andere Hälfte verstehe das nicht.

Das kommt unglücklich rüber.

Jetzt kursiert auch noch eine Liste mit Salärzahlen von Spielern, Trainern, Sportchef. Unabhängig davon, dass die Zahlen nicht stimmen sollen: Was löst so etwas im Team aus?

Es führt zu neuen Spannungen und Spaltungen, es ist natürlich ein Thema, das heftig diskutiert wird. Für mich stellen sich zwei Fragen: Wer hat ein Interesse daran, das publik zu machen? Und wieso ausgerechnet jetzt?

Haben Sie Antworten?

Ich habe meine Vermutung. Es passt einfach zu diesen nicht enden wollenden Machtspielen.

Droht GC der Abstieg?

Die Situation darf keinesfalls unterschätzt werden. Die sechs Punkte Vorsprung können in zwei Runden verspielt sein. Ich schreibe Sion sicher noch nicht ab. Ich habe es selber erlebt bei GC, als doch kein Mensch glaubte, dass wir in die Abstiegsrunde gehen müssen (1992/93). Es hiess: GC, mit so vielen ­Nationalspielern, nein, nicht doch . . . Aber auf einmal war es passiert.

Wäre ein Sieg im Derby gegen den FCZ ein Befreiungsschlag?

Glauben Sie, dass mit einem einzigen Sieg die aktuellen Probleme behoben wären? Nein, ganz bestimmt nicht!

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Bilder: Eine spektakuläre Derby-Woche

Zürcher Derby: Die Zürcher treffen zum 251. Mal aufeinander. Ob die Grasshoppers ihren 122. Sieg feiern können oder der FCZ die Aufholjagd fortsetzt wird sich am Samstag zeigen. (__)
Zürcher Derby: Die Zürcher treffen zum 251. Mal aufeinander. Ob die Grasshoppers ihren 122. Sieg feiern können oder der FCZ die Aufholjagd fortsetzt wird sich am Samstag zeigen. (__)
Reto Oeschger
Derby della Madonnia: Das Mailänder Derby wurde bereits am Mittwoch ausgetragen und endete in einem Unentschieden. Momentan ist Inter aber mit 78 Siegen in knapper Führung vor der A.C. Milan (76).
Derby della Madonnia: Das Mailänder Derby wurde bereits am Mittwoch ausgetragen und endete in einem Unentschieden. Momentan ist Inter aber mit 78 Siegen in knapper Führung vor der A.C. Milan (76).
Reto Oeschger
Old Firm: Unglaubliche 411 Spiele wurden zwischen den Schottischen Spitzenteams ausgetragen. 159 mal gewannen die Rangers, die Celtics sind mit 153 Siege nahe dran.
Old Firm: Unglaubliche 411 Spiele wurden zwischen den Schottischen Spitzenteams ausgetragen. 159 mal gewannen die Rangers, die Celtics sind mit 153 Siege nahe dran.
Ben Curtis, Keystone
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