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Spanien fordert PSG-Ausschluss aus Champions League – mit Beweisen

Der Neymar-Deal als Eigentor? Spaniens Ligapräsident glaubt, einen Pariser Verstoss gegen das Financial Fairplay geltend machen zu können – und stellt der Uefa ein Ultimatum.

Lässt seiner Drohung von Anfang August Taten folgen: Spaniens Ligapräsident Javier Tebas.
Lässt seiner Drohung von Anfang August Taten folgen: Spaniens Ligapräsident Javier Tebas.
Keystone
Um ihn geht es hauptsächlich, den Rekordtransfer in der Geschichte des Fussballs – und ein Lehrbeispiel dafür, wie sich ein Club in die Hors Catégorie hievt. Mit Neymar träumt Paris St-Germain vom ganz grossen Coup und dem Sieg in der Champions League. Vor allem ist dies auch der Wunsch der katarischen Eigentümer des Vereins aus der französischen Hauptstadt.
Um ihn geht es hauptsächlich, den Rekordtransfer in der Geschichte des Fussballs – und ein Lehrbeispiel dafür, wie sich ein Club in die Hors Catégorie hievt. Mit Neymar träumt Paris St-Germain vom ganz grossen Coup und dem Sieg in der Champions League. Vor allem ist dies auch der Wunsch der katarischen Eigentümer des Vereins aus der französischen Hauptstadt.
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Ein weiterer Kritiker: Oliver Mintzlaff, Vorstandsvorsitzender von RB Leipzig. Das Bild zeigt ihn mit RB-Sportdirektor Ralf Rangnick. Mintzlaff sagt: «Wer gegen das Financial Fairplay verstösst, soll nicht mehr am europäischen Wettbewerb teilnehmen dürfen.»
Ein weiterer Kritiker: Oliver Mintzlaff, Vorstandsvorsitzender von RB Leipzig. Das Bild zeigt ihn mit RB-Sportdirektor Ralf Rangnick. Mintzlaff sagt: «Wer gegen das Financial Fairplay verstösst, soll nicht mehr am europäischen Wettbewerb teilnehmen dürfen.»
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Er war richtig sauer. Javier Tebas, Präsident der spanischen Liga, hatte Mühe, Neymars Transfer zu PSG hinzunehmen. Schliesslich beruht das aktuelle Vermarktungsmodell von La Liga auf «Estrellas», also Stars. Wenn die Besten, die Populärsten bei Real Madrid, Barcelona und vielleicht noch Atlético Madrid spielen, sind die TV-Stationen auch bereit, horrende Gelder für die Rechte zu bezahlen – und möglicherweise den Milliardenvertrag der Premier League zu übertreffen.

Deshalb drohte Tebas bereits Wochen vor dem definitiven Abgang des gemäss Fifa-Wahl derzeit drittbesten Fussballers der Welt: «Sollte Paris 222 Millionen für Neymar bezahlen, werden wir das nicht akzeptieren.» Diesen Worten liess der 55-Jährige offenbar Taten folgen. Gegenüber «L'Équipe» enthüllt Tebas nun, dass La Liga der Uefa einen 44-seitigen Bericht hat zukommen lassen.

«Die Einnahmen von PSG sind höher als diejenigen von ManU. Das kann nicht sein und zeigt, dass Paris finanziell betrügt.»

Javier Tebas, Präsident der spanischen Liga

Dieser soll eindeutig belegen, dass die Pariser gegen das Financial Fairplay verstossen: «Ihre Investitionen sind aufgrund des Einkommens nicht gerechtfertigt. Deshalb erfinden sie fiktive Sponsoren, die die Bilanz aufbessern.» Gleiches wirft der 55-Jährige auch Manchester City vor. ManCity gab im vergangenen Sommer 250 Millionen Euro für Transfers aus, PSG 238 Millionen – im Juli 2018 werden ausserdem 180 Millionen Euro alleine für die definitive Übernahme von Kylian Mbappé fällig.

Zwar hat die Uefa bereits reagiert und am 1. September angekündigt, die Transfers von Paris gründlich untersuchen zu wollen. Doch Tebas wollte nichts dem Zufall überlassen, und schloss in seinem Bericht eine detaillierte Aufstellung der Sponsoren des französischen Tabellenführers ein. «Die Einnahmen von PSG stehen in direktem oder indirektem Zusammenhang mit dem katarischen Staat und sind höher als diejenigen von Manchester United. Das kann nicht sein und zeigt, dass Paris finanziell betrügt», erklärt Tebas. Das Reglement der Uefa zum Financial Fairplay besagt, dass Werbeeinnahmen nur zu marktüblichen Beträgen eingerechnet werden.

Zu 73 Prozent von Katar finanziert

Anhand der Zahlen von 2014 analysiert er, dass PSG Sponsorengelder von 344 Millionen Euro einnahm. Dem gegenüber stehen Manchester United mit 237 Millionen, Real Madrid mit 224 Millionen und Barcelona mit 185 Millionen. Hingegen verzeichnet Paris deutlich tiefere Einnahmen als beispielsweise Real Madrid bei den TV-Geldern (47 zu 142 Millionen) oder beim Erlös aus allen Heimspielen (47 zu 121 Millionen). Somit rechnet der Bericht von La Liga vor, dass PSG zu 73 Prozent von Katar finanziert wird. Barcelonas Sponsoring dagegen macht nur 38 Prozent des Gesamteinkommens aus.

Mit diesen konkreten Zahlen erhöht Tebas den Druck auf die Uefa und setzt ihr sogar ein Ultimatum: «Wir schauen bis Ende Jahr, was die Uefa macht. Falls nichts passiert, wenden wir uns an die EU, denn dieses System darf nicht weitergehen.» Nicht weitergehen soll auch der Weg von PSG in der Champions League, wenn es nach dem La-Liga-Präsidenten geht: «Wenn einem Radfahrer während einer Tour Doping nachgewiesen werden kann, wird er sofort ausgeschlossen. Wieso sollte das im Fussball nicht auch funktionieren?»

Paris provoziert

PSG reagierte gelassen auf die Vorwürfe aus Spanien. In einer Erklärung schrieb der Verein: «Wir werden nicht auf jeden Angriff von Herrn Tebas eingehen. Auch nicht auf die grossen Ungenauigkeiten, mit denen er die Medien zu manipulieren versucht.» Es sei Clubstrategie, offen mit der Uefa zu kommunizieren. «Aber wir bedauern zutiefst, dass die Ligue 1 in der Lage war, einen der drei besten Fussballer der Welt anzulocken...»

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