Spanische Liga will Fan-Handys zur Spionage nutzen

Die spanische Fussball-Liga will Mobiltelefone von Fans nutzen, um Restaurants aufzuspüren, die ohne Lizenz Spiele ausstrahlen.

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Spaniens Fussball-Liga LFP wird von einer Datenschutzaffäre erschüttert. Wie die Online-Zeitung «eldiario.es» berichtet, will die LFP die Mobiltelefone von Fans nutzen, um Restaurants aufzuspüren, die ohne die entsprechende Lizenz Fussballspiele der spanischen Liga ausstrahlen.

Wenn sich ein Nutzer die «App» des Ligaverbandes aufs Handy lädt, soll er auch einwilligen, dass das Mikrofon seines Handys von der LFP ferngesteuert aktiviert wird. Zudem kann die LFP die Standortbestimmungsdaten des Handys auswerten - und so das betreffende Etablissement lokalisieren. Die Fans werden also zu Kneipen-Blockwarten. Konkrete Fälle, dass Mobiltelefone bereits zum Auskundschaften genutzt worden sind, sind noch nicht bekannt.

150 Millionen Euro entgehen der Liga jährlich

Ins Rollen brachte die Affäre ein spanischer Nutzer, der sich an die auf Datenschutz spezialisierte Anwältin Esther Botella wandte - und damit in den sozialen Netzwerken eine heftige Debatte lostrat. In einer Stellungnahme erklärte die LFP, dass die widerrechtliche Ausstrahlung von Fussballspielen durch gastronomische Betriebe die LFP jährlich etwa 150 Millionen Euro an Lizenzgebühren koste.

Inhaber von Gaststätten zahlen für Pay-TV-Angebote üblicherweise einen merklich höheren Tarif als Privatkunden. Daher gibt es tatsächlich Fälle, in denen Wirte ihre privaten Decoder an einen Fernseher in der Kneipe anschliessen. Die LFP ist der Zusammenschluss der spanischen Proficlubs.

Unklar ist, seit wann die LFP die Nutzung der Handy-Mikrofone in den Geschäftsbedingungen verankert hat. Die Offenlegung steht nach Angaben von «eldiario.es» im Zusammenhang mit der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union. Sie zwingt unter anderem Unternehmen dazu, offenzulegen, in welcher Weise sie die personenbezogenen Daten nutzen, die ihnen ihre Kunden übermitteln. Sie ist seit dem 25. Mai geltendes Recht in der Europäischen Union. Die LFP fordert erst seit Neuestem seine App-Nutzer dazu auf, das Mikro freizugeben - unter dem Rubrum «Schütze Deine Mannschaft!».

Unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten «höchst bedenklich»

Der grüne Europaparlamentarier Jan-Philipp Albrecht zeigte sich von dem Fall erstaunt. Es sei «nicht offen ersichtlich», dass der Dienst, den Spaniens Fussball-Liga anbiete, nur mit Nutzung der Mikrofone und der Standortbestimmung funktioniere, sagte Albrecht der Süddeutschen Zeitung. Dass die Einwilligung durch die Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen quasi verdeckt erfolge, hält Albrecht unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten für «höchst bedenklich».

Es klinge wie «Spionage, für die es keine Rechtsgrundlage gibt und damit illegal wäre». Eine Kneipe sei «kein öffentlicher, sondern ein privater Raum». Wenn ein Nutzer der Nutzung seines Mikrofons zustimme, heisse das beispielsweise noch lange nicht, dass andere Gaststättenbesucher mit der Übertragung solcher Daten einverstanden seien.

Die LFP argumentiert freilich, dass über die Mikrofone keine Gespräche aufgezeichnet oder ausgewertet werden. Es werde lediglich ein akustischer Binärcode übertragen. Das ermögliche, den Kommentar des Fussballspiels zu identifizieren. «Ob das technisch so einfach zu handhaben ist, möchte ich erst mal sehen», sagt Albrecht dazu.

Eine Aktivierung der Mikrofone erfolge ausschliesslich, wenn Spiele übertragen werden - und lediglich in Spanien. Albrecht sagte, er erwarte, dass die spanische Aufsichtsbehörde für Datenschutz AEPD sich den Fall genauer anschaue. Sollte es zu Verstössen gekommen sein, droht der LFP schlimmstenfalls ein Bussgeld in Höhe von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes. In der Saison 2016/17 belief sich der LFP-Umsatz nach Angaben der Unternehmensberatung Deloitte auf knapp 2,4 Milliarden Euro. Eine mögliche Strafe könnte sich also auf knapp 100 Millionen Euro belaufen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.06.2018, 16:14 Uhr

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