YB gewinnt das Spitzenspiel gegen Basel

YB lässt dem FCB im Spitzenkampf keine Chance und gewinnt 2:0. St. Gallen ist neu der erste Verfolger von YB, und Thun schlägt Sion zu Hause.

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Zwölf Sekunden. Länger brauchte Guillaume Hoarau nicht, um das Spitzenspiel zwischen dem BSC Young Boys und dem FC Basel zu entscheiden. Kaum war der Begrüssungsapplaus der Berner Fans für den Franzosen verklungen, da hatte dieser den Ball auch schon mit dem Kopf im Basler Tor untergebracht. Dass die Freistossflanke von Miralem Sulejmani getreten wurde, machte den Treffer für YB noch etwas spezieller. Auch der Serbe war erst zwei Minuten und fünf Sekunden zuvor eingewechselt worden. Beide Grossverdiener sind Lieblinge des Berner Publikums. Beide spielen in diesem Frühjahr auch um eine Verlängerung ihres Ende Juni auslaufenden Vertrags.

Hoarau kommt, sieht und trifft zum 2:0.

Nun trugen die beiden das ihre dazu bei, dass ihre Berner nach dem ersten Spiel des Jahres den Vorsprung auf den FCB auf fünf Punkte ausbauen konnten. Das 2:0 war ein gerechtes Resultat, das die Stärkeverhältnisse sogar noch etwas zu wenig wiedergab. Die Basler waren gekommen, um das Spiel in erster Linie gar nicht erst stattfinden zu lassen. Tief in der eigenen Platzhälfte warteten sie auf die Gegner, um sie dann möglichst in Zweikämpfe zu verwickeln und so den Berner Spielfluss zu brechen. Das mochte aus Sicht des FCB Sinn machen. Immerhin fehlten ihm sechs Spieler mit Stammplatz-Potenzial. Die Bank war mit Spielern besetzt, die auf einen Altersschnitt von gerade einmal 20,3 Jahre kamen.

Spitzenspiel braucht eine lange Anlaufzeit

Dem Spassfaktor kam die Defensivtaktik von FCB-Trainer Marcel Koller natürlich weniger entgegen. Das Spitzenspiel schleppte sich dahin in einem mit 31’120 meist erstaunlich ruhigen Menschen gefüllten Wankdorf. YB war die dominierende Mannschaft. Aber es dauerte bis zur 39. Minute, ehe den Bernern der Rhythmuswechsel gelang, mit dem sie den FCB überraschen konnten. Michel Aebischer schickte mit einem tollen Steilpass Rechtsverteidiger Saïdy Janko steil. Der profitierte davon, dass Gegenspieler Raoul Petretta für einmal vier, fünf Meter zu hoch stand, und bediente in der Mitte Jean-Pierre Nsame, der zum 1:0 für YB traf. Ob der Topskorer der Liga dabei offside stand oder nicht, konnte durch die TV-Bilder nicht aufgelöst werden.

Und der FCB? Reklamierte einmal sanft, Silvan Widmer sei nach einem Basler Konter im Berner Strafraum gestossen worden. Und einmal zwang Afimico Pululu den Berner Goalie David von Ballmoos zu einer Routineparade. Das war es, was Basel zu diesem Spitzenspiel beitrug. Es war herzlich wenig.

Und in der 89. Minute leistete sich Omar Alderete noch die Dummheit des Nachmittags, als er wegen Ballwegschlagens Gelb-Rot sah. Jetzt fehlt der so wichtige Innenverteidiger im nächsten Basler Spitzenspiel gegen St. Gallen, das nun neu mit drei Punkten Rückstand erster Verfolger der Young Boys ist.

St. Gallen profitiert von der Basler Niederlage

Der FC St.Gallen schliesst an die eindrückliche Hinrunde an, gewinnt gegen Lugano am Ende deutlich 3:1 und zieht aus der Basler Niederlage gegen YB (0:2) Profit. Vor dem nächsten Duell gegen den FCB am kommenden Sonntag ziehen die Ostschweizer in der Tabelle an Rotblau vorbei und grüssen sensationell von Rang zwei.

Allerdings sah es lange nicht danach aus. Denn die Winterpause dauerte in St. Gallen etwas länger. Die Ostschweizer kamen nicht gut ins Spiel und lagen nach schwachen ersten 45 Minuten gegen Lugano 0:1 zurück. Mattia Bottani, der kleinste Tessiner auf dem Feld, traf mit dem Kopf zur Führung der Gäste. Und die war nicht unverdient. Das Spiel der Ostschweizer war nervös und von vielen Fehlpässen geprägt.

Reaktion nach dem Pausentee

«Wir waren zu ängstlich», sagte auch Peter Zeidler. Seine Pausenansprache wirkte, denn nach dem Tee wurde der Tabellendritte seiner Favoritenrolle gerecht und machte innert zwei Minuten aus dem 0:1 ein 2:1. Ein Weitschuss von Ermedin Demirovic (55.) und ein Flachschuss von Victor Ruiz (57.) schockten die Tessiner, die zu keiner Reaktion mehr fähig waren. Ruiz (73.) schnürte mit dem 3:1 gar seinen ersten Doppelpack in der Liga.

Es war aber auch ein Sieg von Lawrence Zigi, der die Nachfolge von Dejan Stojanovic (zu Middlesbrough) antrat. Alain Sutter sagte vor dem Spiel über Zigi: «Er ist spektakulär und reflexstark.» Der 23-jährige ghanaische Internationale bestätigte die Worte des Sportchefs. Er hielt gegen Holender (22.) sein Team im Spiel, war beim Gegentreffer chancenlos und beeindruckte mit unerschütterlicher Ruhe wie bei einer fiesen Rückgabe von Letard, seinem eigenen Verteidiger. Ebendieser Letard wird, wie Demirovic, die nächste Partie gegen den FC Basel gelb-gesperrt verpassen.

Thun feiert den ersten Heimsieg seit Mai 2019

Als wollten sie die ganzen neun Punkte Rückstand in einem Spiel aufholen – so starteten die Thuner in ihrem Heimspiel gegen Sion in die Rückrunde. 1:0 in der dritten, 2:0 in der fünften Minute, so sah das dann aus bei den Oberländern. Castroman verwandelte erst den Abpraller nach einem Freistoss technisch ziemlich ansprechend, bediente dann nach einem Fehler Grgics im Strafraum seinen Mitspieler Tosetti.

Die frühe Führung gab den Thunern Sicherheit, das neu formierte Zentrum um die Zugänge Bertone und Hasler agierte stilsicher und unaufgeregt. Und Sion? Am auffälligsten blieb lange Zeit der Neue an der Seitenlinie: Ricardo Dionisios coachte intensiv und lautstark, viel abzufärben auf seine Mannschaft vermochte das in der Super-League-Premiere des portugiesischen Trainers zunächst nicht.

Später kam Sion besser ins Spiel und in der 70. Minute durch Lenjani zum verdienten Anschlusstreffer sowie zu weiteren guten Chancen – aber nicht mehr zum Ausgleich. Für Thun ist dank dem ersten Heimsieg seit Mai 2019 und der gleichzeitigen Niederlage von Xamax am Samstag gegen Servette (1:2) Land in Sicht, der Rückstand beträgt noch zwei Punkte. Sion musste Luzern, das am Samstag in Zürich gewann, vorbeiziehen lassen.

Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Telegramme:

Young Boys - Basel 2:0 (1:0)
31'120 Zuschauer (ausverkauft). - SR Schärer.
Tore: 40. Nsame (Janko) 1:0. 79. Hoarau (Sulejmani) 2:0.
Young Boys: Von Ballmoos; Janko, Zesiger, Lustenberger, Lotomba; Fassnacht, Martins, Aebischer, Moumi Ngamaleu (85. Bürgy); Assalé (76. Sulejmani), Nsame (79. Hoarau).
Basel: Omlin; Widmer, Bergström, Alderete, Petretta; Zuffi, Frei; Zhegrova, Pululu (70. Campo), Bua (76. Von Moos); Ademi.
Bemerkungen: Young Boys ohne Sierro, Camara, Sörensen (beide verletzt), Lauper und Gaudino (beide rekonvaleszent). Basel ohne Cabral, Cömert, Xhaka, Stocker (alle gesperrt), Okafor, Van Wolfswinkel, Ramires und Kuzmanovic (alle verletzt). 90. Gelb-rote Karte gegen Alderete (Ballwegschlagen). Verwarnungen: 13. Ademi (Foul), 38. Aebischer (Foul), 58. Petretta (Foul), 78. Bergström (Hands), 87. Alderete (Foul).

St. Gallen - Lugano 3:1 (0:1)
11'133 Zuschauer. - SR Bieri.
Tore: 40. Bottani (Lavanchy) 0:1. 56. Demirovic (Itten) 1:1. 57. Ruiz (Quintillà) 2:1. 73. Ruiz (Itten) 3:1.
St. Gallen: Zigi; Hefti, Stergiou, Letard, Muheim; Görtler, Quintillà, Ruiz (78. Fazliji); Guillemenot (67. Babic); Itten, Demirovic (89. Ribeiro).
Lugano: Baumann; Lavanchy, Maric, Sulmoni, Obexer; Sabbatini, Lovric (70. Gerndt); Bottani, Custodio (62. Covilo), Aratore (77. Sasere); Holender.
Bemerkungen: St. Gallen ohne Nuhu, Lüchinger, Klinsmann und Strübi (alle verletzt) sowie Gonzalez (noch nicht qualifiziert), Campos, Costanzo, Fabiano, Vilotic und Rüfli (alle nicht im Aufgebot). Lugano ohne Guidotti, Yao, Macek und Rodriguez (alle verletzt) sowie Crnigoj (nicht im Aufgebot). Verwarnungen: 23. Demirovic (Foul). 53. Custodio (Spielverzögerung). 83. Letard (Foul).

Thun - Sion 2:1 (2:0)
4401 Zuschauer. - SR Tschudi.
Tore: 3. Castroman (Bertone) 1:0. 4. Tosetti (Castroman) 2:0. 70. Lenjani (Doumbia) 2:1.
Thun: Faivre; Glarner, Stillhart, Sutter, Kablan; Bertone, Hasler (72. Fatkic); Tosetti, Castroman, Salanovic (85. Hefti); Rapp.
Sion: Fickentscher; Maçeiras, Ruiz, Bamert (46. Doumbia), Facchinetti; Kasami, Kouassi, Grgic, Lenjani (80. Itaitinga); Toma; Luan (65. Stojilkovic).
Bemerkungen: Thun ohne Hediger, Karlen, Gelmi und Bigler (alle verletzt). Sion ohne Ndoye und Raphael (beide verletzt). 68. Pfostenschuss Lenjani. Verwarnungen: 62. Glarner (Foul), 64. Maçeiras (Foul), 94. Kablan (Spielverzögerung).
(fra/ete/mrm)

Erstellt: 26.01.2020, 15:45 Uhr

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