«Sport und Humor funktionieren nicht zusammen»

Harald Schmidt wird die Champions-League-Halbfinals bei Teleclub begleiten – weil er dafür nach Zürich kommen kann.

An der Seite von Marcel Reif und Roman Kilchsperger wird er im Teleclub-Studio seinen Senf zu den Champions-League-Halbfinals geben: Harald Schmidt. Foto: picture alliance

An der Seite von Marcel Reif und Roman Kilchsperger wird er im Teleclub-Studio seinen Senf zu den Champions-League-Halbfinals geben: Harald Schmidt. Foto: picture alliance

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Fünf Jahre ist es her, dass die letzte Ausgabe der Harald Schmidt Show ausgestrahlt wurde. Seither ist Schmidt, 61, im Fernsehen vor allem in seiner Rolle als Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle im ZDF-Traumschiff zu erleben. Am nächsten Dienstag und Mittwoch wird er an der Seite von Marcel Reif und Roman Kilchsperger für die Halbfinals der Fussball-Champions-League im Teleclub-Studio sein.

Herr Schmidt, endlich moderieren Sie mal wieder im Fernsehen. Und wo machen Sie das? In der Schweiz. Und auch noch hinter einer Bezahlschranke!
Ja, gut. Ich bin halt wahnsinnig gerne in Zürich. Und die Bezahlschranke ist ein Thema, das Sie als Mitarbeiter einer Tageszeitung zur Genüge kennen, nehme ich an. Anders kriegt man das Thema ja nicht in den Griff. Und zum anderen finde ich es natürlich grossartig, in einer Sendung mit Marcel Reif zu sein.

Was gefällt Ihnen an Zürich?
Ich kenne Zürich ja nicht wirklich. Ich bewege mich ausschliesslich in meinem Klischee-Zürich. Da gibt es den See. Da gibt es Sauberkeit. Da gibt es die Dezenz der Bewohner. Und wenn ich spazieren gehe, stelle ich mir immer die Frage: Ist das ein alteingesessener Züricher? Ein Neu-Züricher aus Moskau? Oder doch ein Fifa-Funktionär, der am nächsten Morgen im Hotelzimmer neben mir verhaftet wird?

Wo erwischen wir Sie gerade telefonisch?
Ich bin auf dem Weg zum nächsten Traumschiff-Dreh. In Miami an Bord, in Halifax wieder runter. Aber, damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin am Dienstag weder Moderator noch Kommentator. Ich sitze da als Fan. Ich bin nur keiner, der sagt: Heute spielen wir mit einem Fünffachsechser und einer Doppelneun.

Man will ja immer den Kabarettisten Schmidt erleben. Die Tatsache, dass Sie überhaupt beim Traumschiff mitspielen, ist ja ebenfalls Kabarett.
Das wird halt so gesehen. Dabei mache ich nur! Ich gehe also aufs Traumschiff. Schöne Reise! Ich bin gerade erst zurück aus Panama City für den ersten Film. Fantastischer Film. Fantastische Reise. So. Jetzt fahre ich von Miami über New York nach Halifax. Grossartige Reise! Dann ruft mich jemand an, bietet an: Champions-League-Halbfinale. Zwei Spiele mit Marcel Reif. In Zürich. Meine Devise lautet: Drehort geht vor Inhalt. Es muss schon was wirklich Irres passieren, damit ich nach Berlin fahre.

Reif ist ein Sachverständiger des Fussballs. Und in der Lage, eine Partie mit Ironie zu kommentieren. Bleibt da überhaupt Platz für Ihre Humorebene?
Humor kann auch gipfeln in der Aussage: Ich stimme Marcel Reif vollständig zu. Ich sehe das ja oft in den Sendungen auf Sky mit Michael Ballack und Lothar Matthäus. Da wird auch oft gesagt: Löötar hat äbbsolut recht. Neulich war Boris Becker als Experte da. Der hat sich einfach nur gewünscht, dass wieder mehr die Fäuste fliegen beim Fussball. Man sollte ja nicht den Fehler machen, als Superexperte aufzutreten. Ich sitze da als ein Fan, der es völlig in Ordnung findet, wenn ein Scheich Hunderte von Millionen ausgibt für einen Spieler. Hauptsache, ich sehe ein tolles Spiel.

Im Halbfinale fehlen die grossen Figuren Pep Guardiola von Manchester City und Uli Hoeness vom FC Bayern. Wären die was gewesen für den Kabarettisten Schmidt?
Die zwei Figuren sind viel zu dankbar. Die sind mehr etwas für ZDF-Comedy. Es gilt ja, neue Leute zu entdecken. Ich finde zum Beispiel immer die Assistenztrainer fantastisch, die, wenn in der 87. Minute ein neuer Spieler reinkommt, noch mal das iPad rausholen, um dem Spieler Anweisungen zu geben, was er zu tun hat. Und die dann gleich ins Feld reinschreien: Ab jetzt Elferkette! Ich kenne Comedy-Formate, die haben noch Parodien über den Trainer Giovanni Trapattoni im Repertoire.

Dabei hat Trapattoni sich selbst doch am besten parodiert.
Da dürfen Sie sich keinen Illusionen hingeben: Wenn Sie auf einer Comedy-Bühne heutzutage sagen: Was! Erlaube! Struuuuunz!? Dann halten das 30 Prozent des aktuellen Publikums für einen Mega-Gag.

Sie haben vor Jahren bei Olympia mit Waldemar Hartmann moderiert. Reizt Sie der Leistungssport?
Generell gilt: Sport und Humor funktionieren nicht zusammen. Der Sportfan ist absolut ernsthaft und will gar keine Witze über seinen Klub oder sonst was hören. Der Fan will wirklich, dass man mit ihm weinend im Zaun hängt bei Abstiegsgefahr. Ich bin allerdings ein Riesenfan von Leistungssportlern. Die trifft man bei Olympia. Die Körper von diesen Leuten. Die Bewegungsabläufe. Hat mit Amateursport nichts zu tun! Deswegen bin ich auch für ein Verbot des Amateursports. Aus ästhetischen Gründen. Ich warte auf den Politiker, der mit der Agenda in den Bundestagswahlkampf zieht. Das könnte sich nur Robert Habeck erlauben. Allen anderen würde man das übel nehmen. Bei Habeck würde man denken: Stimmt ja, den CO?-Ausstoss der Amateursportler hatten wir vorher noch gar nicht zur Kenntnis genommen! Die Athleten, die mich am meisten beeindruckt haben, waren der Triathlet Jan Frodeno und die deutschen Hockeymänner nach dem Gewinn der Goldmedaille.

Hockeyspieler sind schlaue Leute, da weiss man teilweise gar nicht, ob nicht einer heimlich Elektrotechnik studiert.
Klar, Hockey ist anders als Viererbob. Also nichts gegen den Viererbob. Aber da spricht eigentlich nur der Steuermann. Der Bremser darf zwei Sätze sagen. Und die zwei in der Mitte sind nur fürs Gewicht da. War mein Eindruck!

Haben Sie selbst mal Fussball gespielt?
Ich hätte ja gern. Aber man hat mich auf dem Bolzplatz nicht gewählt. Obwohl ich einen Lederball hatte. Die haben den genommen und gesagt: Du bleibst draussen.

Ein frühes Mobbing in Ihrem Leben?
Eine extreme Demütigung, die aber zu einer unfassbaren Showbusiness-Karriere geführt hat. Nur der Hass auf die anderen, die ohne einen spielen, bringt einen dazu, Abend für Abend auf die Bühne zu gehen.

Das ist aber eine Weile her. Wie halten Sie sich eigentlich am Markt?
In der Regel reicht es, auf der Couch zu liegen und darauf zu warten, was für Angebote reinkommen. Die fangen immer an mit: Ich weiss, Sie machen nichts. Und: Wie Sie sich denken können, haben wir kein Geld.

Und dann ist das Gespräch vorbei?
Nein, zu 80 Prozent hängt meine Entscheidung wirklich davon ab, wo es stattfindet. Noch besser ist die Formulierung: Selbstverständlich können wir Ihre übliche Gage nicht bezahlen. Ohne zu wissen, wie hoch meine Gage ist. Ich habe mal gesagt: Für 80'000 Euro am Tag kann man von mir erwarten, dass ich mich voll reinhänge. Das wurde schweigend zur Kenntnis genommen. Also werde ich die Zahl beim nächsten Mal noch höher schrauben. Hauptsächlich habe ich das ja sowieso erzählt, um im Kollegenkreis Gegrummel auszulösen.

Erstellt: 03.05.2019, 21:03 Uhr

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