Staatsanwaltschaft klagt Jérôme Boateng an

Der Bayern-Profi muss sich des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung an seiner Ex-Freundin verantworten.

Jérôme Boateng vor dem Fussballspiel zwischen Bayern München und dem FSV Mainz in München. (31. August 2019) Foto: Andreas Gebert/Keystone

Jérôme Boateng vor dem Fussballspiel zwischen Bayern München und dem FSV Mainz in München. (31. August 2019) Foto: Andreas Gebert/Keystone

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Die Staatsanwaltschaft München I hat den Fussballspieler Jérôme Boateng vom FC Bayern München wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung an seiner ehemaligen Lebensgefährtin angeklagt. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft der «Süddeutschen Zeitung» und dem «WDR». Demnach ermittelt die Polizei zusätzlich noch in einem zweiten Fall mutmasslicher körperlicher Gewalt des früheren Nationalspielers gegen seine frühere Partnerin.

«Die Staatsanwaltschaft München I hat seit Herbst 2018 ein Verfahren gegen Jérôme Boateng wegen gefährlicher Körperverletzung geführt und nach umfangreichen Ermittlungen am 11. Februar 2019 Anklage zum Amtsgericht München erhoben», teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I auf Anfrage mit. «Überdies ermittelt die Polizei derzeit in einem weiteren Fall des Verdachtes der Körperverletzung zum Nachteil der gleichen Geschädigten.»

Die Anklage liegt seit Februar beim Amtsgericht München, wurde aber noch nicht zugelassen. Eine Sprecherin des Amtsgerichts München bestätigte auf Anfrage, dass sich der Fall derzeit im sogenannten «Zwischenverfahren» befinde. Der zuständige Richter habe weitere Ermittlungen angeordnet und noch nicht über eine Zulassung der Anklage entschieden. Offenbar gibt es in der Sache unterschiedliche Ansichten zwischen Gericht und Anklagebehörde. «Es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum das Gericht so lange mit einer Entscheidung über die Anklage wartet», hiess es bei der Staatsanwaltschaft.

Zehn Jahre lang ein Paar, zwei gemeinsame Kinder

Die Anwaltskanzlei, die Boateng vertritt, erklärte, es gehe um einen privaten Sachverhalt, der im Wesentlichen auf unbewiesenen Behauptungen Dritter beruhe. Die Medien sollten sich nicht zum Spielball privater Interessen machen lassen.

Boateng und seine einstige Lebensgefährtin waren zehn Jahre lang ein Paar und haben zwei gemeinsame Kinder.

Boateng spielt seit 2011 für den FC Bayern, 2013 gewann er mit dem Team die Champions League; er galt damals als einer der besten Innenverteidiger der Welt. Im Sommer 2014 wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft in Brasilien Weltmeister. In den folgenden Jahren wurde er einer der prominentesten Köpfe der Mannschaft, der Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers galt als ein gelungenes Beispiel für Integration. Höhepunkt war ein Besuch im Kanzleramt 2016, in jenem Jahr wurde Boateng zudem zu Deutschlands Fussballer des Jahres gewählt.

Bei seinem Verein wurde er jedoch vor allem von den Bossen immer kritischer gesehen. Präsident Uli Hoeness und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge warfen ihm einen unprofessionellen Lebenswandel vor, da er Brillenkollektionen entwarf, einem Lifestyle-Magazin seinen Namen gab, zu Fashion-Shows reiste oder im April, nach dem Spitzenspiel in der Liga gegen Dortmund, eine Party in einer Münchner Disco veranstaltete. Boateng selbst ist der Meinung, dass ihn diese Freizeitaktivitäten nicht von seiner Arbeit als Fussballprofi abhalten.

Ende Mai empfahl Hoeness Boateng einen Wechsel, da dieser wie ein «Fremdkörper» wirke. Der Abwehrspieler wollte den Verein ebenfalls unbedingt verlassen, bekam aber lange keine Angebote. Am Wochenende scheiterten dann Verhandlungen mit Juventus Turin. Boatengs Vertrag in München läuft noch bis Sommer 2021.

Erstellt: 03.09.2019, 16:22 Uhr

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