Stellen Sie sich vor … Federer

Der Cantautore Pippo Pollina und seine schöne Ballade an den Boxer Muhammad Ali.

«Zählt nicht auf mich, wenn es um Krieg geht. Ich bin schwarz und auf den Frieden stolz»: Pippo Pollinas Ballade auf Ali.

«Zählt nicht auf mich, wenn es um Krieg geht. Ich bin schwarz und auf den Frieden stolz»: Pippo Pollinas Ballade auf Ali. Bild: Privat/Getty Images

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Muhammad Ali in Wald im Zürcher Oberland. Es ist die Bleiche, eine ehemalige grosse Textilfabrik, aus der ein wunderbares urbanes Zentrum für Kunst, Kulinarik und Wellness geworden ist. In einem Hof steht eine Bühne, für 500 Leute sind Stühle aufgestellt, es ist ein lauer Sommerabend, die Leute trinken und ­schwatzen, sie warten, die Sonne verschwindet hinter dem Horizont. Auf der Bühne ­könnte auch geboxt werden, es bräuchte nur noch einen Ring und eine Glocke. Die Kirche wäre notfalls ganz in der Nähe.

Zwei Musiker kommen, Pippo Pollina, der Cantautore aus Palermo, der schon lange im Zürcher Seefeld lebt, und Linard Bardill, der rätoromanische Liedermacher und Schriftsteller, singen zusammen. Eines der ersten Lieder von Pollina heisst «A mani bassi», er erzählt, wie es entstanden ist. Er war auf dem Heimweg von einem Konzert, im Radio hörte er die Nachricht vom Tod von Muhammad Ali, der auch für Pollina mehr als nur ein Boxer war. Pollina fuhr an jenem Tag im Juni 2016 sofort nach Hause, setzte sich an seinen Schreibtisch und sein Klavier, und in kurzer Zeit war das Lied entstanden.

Bevor er singt, sagt Pollina zum Publikum in Wald: «Stellen Sie sich vor, Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo», dann macht er eine kurze Pause, er lächelte, «… oder Roger Federer würden solche politischen und gesellschaftskritischen Botschaften verbreiten. Undenkbar, es war eine andere Zeit», sagt er. Habe ich diese kleine Pause dazwischen wirklich gemacht?, fragt Pollina später, vielleicht sei dies unbewusst geschehen, auch er weiss, dass selbst harmlos kritische Worte über Federer schlecht ankommen könnten. Pollina sagt: «Unsere ganze Gesellschaft ist allgemein flach geworden, die Werte sind immer gebunden an die wirtschaftliche Situation, auch die meisten Musiker meiden es, sich zu klar zu positionieren.»

In seinem Lied gibt es die Zeile: «Zählt nicht auf mich, wenn es um Krieg geht. Ich bin schwarz und auf den Frieden stolz.» Es ist eine sehr schöne Ballade auf Ali, der nicht nur ein tänzelnder Boxer, ein Grossmaul und ein Poet, sondern auch ein Kriegsdienstverweigerer und Kämpfer für Menschenrechte war.

Die Messis, Ronaldos, Federers vermeiden solche Statements, aber am gleichen Tag, als Pollina in Wald sang, sagte die Amerikanerin Megan Rapinoe, die eben mit ihrem Team Fussball-Weltmeisterin geworden war, über Donald Trump: «Sie grenzen Menschen aus, die wie ich aussehen, Sie grenzen farbige Menschen aus.» ­Rapinoe ist lesbisch. Sie hat Ausgrenzung selbst erfahren.

Erstellt: 06.08.2019, 10:32 Uhr

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