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Stocker und die einstürzenden Basler Neubauten

Eigentlich war der FC Basel überzeugt davon, gestärkt ins neue Jahr zu gehen. Doch nach dem verlorenen Cup-Halbfinal muss der Serienmeister hoffen, dass der FC Zürich noch einmal den Steigbügelhalter gibt.

Hadert in Bern mit dem Schicksal des FC Basel: Rückkehrer Valentin Stocker (links hinten).
Hadert in Bern mit dem Schicksal des FC Basel: Rückkehrer Valentin Stocker (links hinten).

Vielleicht brauchten sie zwei oder drei Minuten. Aber spätestens dann hatten die Berner Zuschauer erkannt, dass er ja wieder da ist: Valentin Stocker, die ­Nemesis der Young Boys, der End­gegner, an dem YB bislang noch immer gescheitert ist, wenn es wirklich ums Ganze ging und Pokale verteilt wurden.

So konnte Stocker in dieser bitter­kalten Nacht wenigstens eine Erwartung erfüllen, die mit seiner Rückkehr zum FC Basel verknüpft wird: Er warf sich in den Gegner, er flog auch bei leichten Berührungen, er wand sich auf dem Kunstrasen und bettelte um Freistösse. Das heimische Publikum belohnte die Darbietung mit denselben leidenschaftlichen Beleidigungen, mit denen es ­Stocker schon vor seinem Ausflug in die Bundesliga bedacht hatte.

Doch etwas war anders als früher. Die Nerven der Fans mochte der 28-Jährige noch treffen. Aber er schaffte es nicht mehr, in den Kopf der Gegenspieler zu gelangen. «Wir wussten schon, dass Vali versuchen wird, ein wenig zu provozieren», sagte YB-Goalie Marco Wölfli nach dem 2:0-Sieg mit feinem Lächeln. Und so liess der überragende Kevin Mbabu den Basler Flügel ein ums andere Mal auflaufen. So lange, bis keine Pfiffe mehr zu hören waren, weil Stocker komplett abtauchte und danach zugeben musste: «So haben wir uns das nicht vorgestellt.»

Es herrscht grosse Ratlosigkeit

Stocker steht damit stellvertretend für die Probleme, die den FCB plagen. Eigentlich war er davon ausgegangen, mit den Transfers in der Winterpause Druck auf YB ausgeübt zu haben. Mit Stocker und Fabian Frei wurden zwei Ehemalige im besten Fussballeralter aus Deutschland nach Hause geholt. Trainer Raphael Wicky befand, seine Mannschaft sei nun besser als jene von 2017.

Jetzt herrscht bereits Ende Februar in Basel grosse Ratlosigkeit. Im Herbst war die Mannschaft noch durch die Gruppenphase der Champions League getanzt. Jetzt hat sie offenbar alles vergessen, was sie damals ausgemacht hat. Sie müssten «auf den letzten 40 Metern wieder präziser werden», sagte Wicky, bevor er die Heimreise antrat. Zur Einordnung: Der Kunstrasen in Bern ist 105 Meter lang. Die Basler Problemzone beginnt direkt hinter dem Anspielkreis.

Die erschreckendste Erkenntnis des Abends aus Basler Sicht musste sein, dass den Spielern in Sachen Einsatz kein Vorwurf zu machen war. Und doch, erkannte Wicky, hätten sie «vor dem ersten Gegentor praktisch keine einzige gefährliche Aktion kreiert». Verteidiger Michael Lang kam nach längerem Nachdenken auf «eine».

So faszinierend der Basler Einbruch auf den ersten Blick wirkt; unerklärlich ist er nicht. Der Club hat sich unter seiner neuen Führung im Sommer bewusst gegen eine sanfte Renovation entschieden. Stattdessen soll der FCB neu errichtet werden. Derzeit sieht es so aus, als ob der erste Neubau einstürzen könnte.

Die Wintertransfers haben dem Team vorerst die Balance genommen. Nach den Zuzügen von Frei und Samuele Campo schien der FCB fast zu viele Zentrumsspieler von Qualität zu besitzen. Jetzt sucht Wicky seit fünf Spielen in immer neuen Kombinationen die richtige Mischung. Und der erklärte Anführer Fabian Frei war zwei Spiele in Serie nur ­Ersatz. Auf dem Flügel macht Stocker derzeit nicht wett, was der FCB mit dem nach Wolfsburg gezogenen Renato Steffen an Speed verloren hat. Am schwersten aber wurde das Team durch den Abgang des Innenverteidigers Manuel Akanji nach Dortmund getroffen. Ganz abgesehen davon, dass Nachfolger Léo Lacroix viele Fehler begeht, fehlt dem FCB momentan ein Verteidiger, der das Spiel schnell auslösen kann. So wirkt der Spielaufbau im besten Fall behäbig. Häufig ist der Ball schon nach dem ersten Pass nach vorne verloren.

Die neue Club-Spitze hat häufiger darüber gesprochen, dass der FCB in der letzten Saison viele Spiele nicht überzeugend gewonnen, dass er Siege in den letzten Minuten hingewürgt habe. Jetzt geht dem Team exakt diese Qualität komplett ab. «Wir gewinnen keine schlechten Spiele. Für einen Sieg müssen wir derzeit einen guten Tag erwischen», stellte Lang fest. Und Stocker erklärte mit Blick auf das Meisterrennen: «YB kann sich eigentlich nur selber schlagen.»

Einen Strohhalm hat der FCB noch, an den er sich klammert. Die Tatsache, dass er sich im Sommer schon einmal aus einer Krise befreien konnte. Damals war es ein mühseliges 1:0 über den FC Zürich, das den Knoten platzen liess. Am Samstag trifft Basel auf – den FCZ.

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