Und hinter YB lauert das schwarze Loch

Die Young Boys sind der Lichtblick in der Super League und zum 13. Mal Schweizer Meister. Hinter ihnen kämpfen viele Clubs mit Problemen.

YB ist keine Geldvernichtungsmaschine mehr, sondern eine Geldvermehrungsmaschine: Captain Steve von Bergen stemmt im Stadion Letzigrund einen Meisterpokal aus Karton in die Höhe. (14. April 2019)

YB ist keine Geldvernichtungsmaschine mehr, sondern eine Geldvermehrungsmaschine: Captain Steve von Bergen stemmt im Stadion Letzigrund einen Meisterpokal aus Karton in die Höhe. (14. April 2019) Bild: Anthony Anex/Keystone

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Sie hatten einen neuen Trainer. Sie hatten eine neue Rolle. Sie hatten neue Belastungen. Andere wären vielleicht eingebrochen. Sie sind noch besser geworden.

Die Young Boys sind die Spassmacher des Schweizer Clubfussballs. Sportlich. Sie haben sich für die Champions League qualifiziert. Sie haben den FC Basel 7:1 weggefegt. Sie haben 25 von 29 Super-League-Partien gewonnen. Sie haben Spiele immer wieder auf dramatische Weise in den letzten Minuten zurechtgebogen. Dank Glück auch. Aber mit Qualität vor allem.

Die Young Boys bewegen sich in neuen Sphären. Auch wirtschaftlich. Sie haben aus einer Geldvernichtungs- eine Geldvermehrungsmaschine gemacht. Im jüngsten Geschäftsjahr machten sie 80 Millionen Franken Umsatz und mehr als 17 Millionen Gewinn. Sie sind jetzt mit über 25'000 im Schnitt auch bei den Zuschauern die nationale Nummer 1.

Die Young Boys stürmen am besten und verteidigen am stärksten. Sie haben sechs Spieler unter den zwanzig erfolgreichsten Goalgettern der Liga. Sie mischen Routiniers mit Jungen, Nationalspieler mit Aufsteigern. Sie sind der Konkurrenz so weit entrückt, dass sie nicht einmal mehr spielen müssen, um den Titel zu gewinnen. Es genügte dafür am Samstagabend der Basler Stolperer gegen GC.

Bis zur letzten Runde geht es für YB jetzt noch um Rekorde: Punkte, Vorsprung, Tore, Gegentore.

Die Young Boys sind wieder Schweizer Meister. Sieben Runden vor Schluss – früher hat das noch kein Team geschafft seit dem Start der Super League 2003. Die vorzeitige Entscheidung hinderte die YB-Fans gestern Sonntag aber nicht daran, den Letzigrund zu weiten Teilen einzunehmen. Farblich. Stimmlich. Pyrotechnisch. Es verging kaum ein Augenblick, in dem in der Kurve nicht Feuerwerke in die Luft flogen. Petarden rauchten. Fackeln brannten. Die Mannschaft krönte den sportlichen Teil mit dem 1:0 durch Jean-Pierre Nsame, obwohl einige Spieler in der Nacht auf Sonntag nicht wie vorgesehen um zwei Uhr morgens im Bett gewesen sein dürften.

60-mal in Folge haben die Berner jetzt in der Liga mindestens einen Treffer erzielt. Es geht für YB bis zur letzten Runde um Rekorde: die meisten Punkte, der grösste Vorsprung auf Rang 2, am meisten erzielte Tore, am wenigstens Gegentore in einer Saison. Das ist alles realistisch.

Nach Saisonschluss wartet die schwierigste Aufgabe, seit der Club 2018 erstmals nach 32 Jahren wieder Meister geworden ist. Er wird sich personell stark verändern. Im Winter ist bereits Sékou Sanogo gegangen. Nach dieser Saison tritt Captain Steve von Bergen zurück. Loris Benito wird ablösefrei wechseln. Kevin Mbabu und Djibril Sow zieht es ebenfalls ins Ausland, YB erwartet für die beiden total 20 Millionen Franken Ablöse.

Rollentausch bei den Clubs

Fünf gewichtige Abgänge in der Abwehr und im zentralen Mittelfeld. Mit Guillaume Hoarau (35) eine alternde Schlüsselfigur im Sturm. Und mit Gerardo Seoane ein Trainer, der nicht vorhat, seine Karriere nur in der Schweiz zu verbringen. Eine solche Ausgangslage kann für jeden Schweizer Club folgenschwer sein. Doch die Berner mit Sportchef Christoph Spycher sind so stabil, dass sie auch grössere Veränderungen ohne sportlichen Einbruch überstehen können. Bis vor kurzem hätte das in der Schweiz nur Basel geschafft. Damals, als das rot-blaue Führungsduo noch Bernhard Heusler und Georg Heitz hiess. Und nicht an Kosten- und Gewinnoptimierung dachte wie der neue Besitzer Bernhard Burgener.

Es ist, als ob YB und FCB innert zweier Jahre die Rollen getauscht hätten. Da der angehende Serienmeister aus Bern, der mit Fabian Lustenberger von Hertha Berlin schon einen bedeutenden Zuzug bekannt gegeben hat. Dort der krisenanfällige Herausforderer aus Basel. Und so, wie es früher nicht das Problem des FCB war, dass hinter ihm lange gar nichts folgte, ist es jetzt auch für YB so. Es gibt in der Liga noch den FC Thun, der die eigenen Ansprüche erfüllt, weil er trotz zuletzt acht Spielen ohne Sieg nichts mit dem Abstieg zu tun hat. Die übrige Konkurrenz wird eher vom schwarzen Loch angezogen.

Der FCB ist grau und langweilig geworden. Die Senioren von Dornach machen mehr Spass. 

Beim FC Sion geht es seit 20 Jahren unkontrollierbar auf- und abwärts. In Luzern ist die Euphorie nach dem Trainerwechsel schon wieder vorbei – zuletzt gab es unter Thomas Häberli noch zwei Punkte aus fünf Partien. St. Gallen hat keine Stabilität. Lugano ist Lugano. Und Xamax, seit der Winterpause viertstärkste Kraft des Landes, fällt mit dem absurden Entscheid aus dem Rahmen, Nothilfe-Trainer Stéphane Henchoz nicht über das Saisonende hinaus zu beschäftigen.

Am ärgsten allerdings sind die sportlichen Nöte in den Ballungszentren Basel und Zürich. Der FCB ist unspektakulär, grau und langweilig geworden, die Senioren des SC Dornach machen mit Alex Frei, Marco Streller, Matias Delgado und Beni Huggel mehr Lust auf Fussball. Und in Zürich spielen zwei Abstiegskandidaten. Für die Grasshoppers ist sogar ein positives Resultat in Basel negativ, weil Xamax gleichzeitig in Luzern gewinnt.

GC braucht mittlerweile ein kleines Wunder, um noch die Barrage zu erreichen. Und der FCZ hat jetzt noch fünf Punkte Reserve auf Xamax. Anfang Februar sind es zwölf gewesen. Während Bern jubelt, könnte das Fussballjahr für Zürich böse enden.

Erstellt: 14.04.2019, 23:21 Uhr

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