Talentfabrik Schweiz

Die hiesige Nachwuchsförderung gehört zu Europas Besten. Doch andere Länder holen auf und kopieren dabei gerne.

Ricardo Rodriguez ist einer von vielen Schweizer Fussballern, die im Ausland das Glück gefunden haben.

Ricardo Rodriguez ist einer von vielen Schweizer Fussballern, die im Ausland das Glück gefunden haben. Bild: Keystone

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Der Schweizer Fussballexport ist einzigartig. Kein anderes Land mit weniger als 10 Millionen Einwohnern hat mehr Spieler in die Top-5-Ligen gebracht (nämlich 48); ja die Schweiz lässt selbst Portugal (36) oder Holland zurück (38). Dies zeigt eine gemeinsame Studie des Internationalen Zentrums für Sportstudien (CIES) und der Swiss Football League.

Die CIES-Studie zeigt auch, dass die Zahl der Schweizer in den Top-5-Ligen seit 2009 sukzessive gestiegen ist. Ein kleiner Dämpfer dabei: Aktuell haben viele Schweizer eine Nebenrolle in ihren Vereinen, man denke an Fabian Schär (Hoffenheim), Valentin Stocker (Berlin), Haris Seferovic (Frankfurt) oder auch Edimilson Fernandes (West Ham).

Interessant ist auch der Zeitpunkt des Wechsels ins Ausland. Spieler aus Afrika verlassen ihre Heimat eher früh, Fussballer aus den grösseren Ligen eher spät. Die Schweiz liegt mit 21 Jahren unterhalb des globalen Durchschnitts von 21,8 Jahren.

«In der Schweiz wird gut gearbeitet», sagt Raffaele Poli, der Leiter des CIES und Erheber der Studie. Doch man dürfe sich nicht zurücklehnen. Die Konkurrenz aus dem Ausland hole auf und kopiere gern von den Besten. Zudem gebe es Baustellen. Poli stellt die Frage, weshalb es heute wenige kreative Spielertypen wie Shaqiri gebe. Der Verband hat hier bereits umgedacht: Wurde lange Zeit auf Taktik und Athletik fokussiert (Output: Viele gute Innenverteidiger und Zentrumsspieler), wird seit zwei Jahren wieder vermehrt auf Dribblings gesetzt.

Einen weiteren Verbesserungsansatz sieht Poli im Bereich des Relative-Age-Effects. Dieser besagt, dass es zwischen Spielern mit gleichen Jahrgängen, aber unterschiedlichen Geburtsmonaten (Beispiel: Januar und Dezember) grosse körperliche Unterschiede gibt. Auch hier hat der Verband Massnahmen eingeleitet. Physisch starke und deshalb unterforderte Nachwuchsfussballer dürfen ihre Altersgruppe überspringen.

YB steht für einmal vor Basel

Und einen Titel gewonnen haben auch – die Berner, man glaubt es kaum. Die Young Boys sind der beste Ausbildungsclub der Schweizer Super League, dies geht ebenfalls aus der CIES-Studie heraus. In der Super League spielen 22 bei YB ausgebildete Spieler (mindestens 3 Jahre im Alter von 15 bis 21 im aktuellen Club aktiv) – das ist nationaler Bestwert.

Wobei festgehalten werden muss: Wenn YB gegen Basel spielt, dann sind auf dem Platz meist nur drei Akteure aus dem eigenen Nachwuchs. Mvogo, Bertone sowie Wüthrich oder Aebischer.

Auch Basel ist in der Rangliste vorne vertreten. Doch weil es dem Club aktuell an talentierten Nachwuchsspielern fehlt und der Konkurrenzkampf wegen internationaler Wettbewerbe gross ist (der FCB hat 16 Nationalspieler im Kader), fungiert mit Taulant Xhaka nur ein Basler in der Mannschaft. Dafür verdienen 14 «Basler» in der restlichen Super League ihr Geld. Der Plan des Meisters leuchtet ein: Wer sich dort durchsetzt, wird gern zurückgeholt. Beispiele sind Yann Sommer, Fabian Frei oder Marco Streller. So werden schon mal Rückkaufoptionen in die Verträge geschrieben, auch, um die kleineren Vereine von den für sie horrenden Ausbildungsentschädigungen zu befreien – diese Entschädigungen können für 20-Jährige bis auf 300 000 Franken anwachsen.

International sticht Ajax Amsterdam als Ausbildungsverein schlechthin heraus. Der FC Basel ist die Nummer 52 - 25 ehemalige Basler spielen verteilt in Europas grössten 31 Ligen.

Allerdings hat der Anteil selbst ausgebildeter Spieler in der Schweiz abgenommen. Er betrug 2016 21,5 Prozent. Hauptgrund ist Vaduz. Die Liechtensteiner sind 2014 aufgestiegen und bilden kaum Junioren aus, die es in die 1. Mannschaft oder zu anderen Super-League-Clubs schaffen. Im internationalen Vergleich steht die Schweiz aber gut da: in England sind nur 10 Prozent selbst ausgebildet.

Der Ausländeranteil in den Schweizer Clubs beträgt durchschnittlich 40,5 Prozent, das ist im Vergleich zu den Top-5-Ligen eher wenig.

Und es existieren grosse Unterschiede, was den Anteil der ausländischen Spieler betrifft. So besteht zwei Drittel von Basels Kader aus Ausländern. In Thun hingegen hat nur knapp jeder zehnte Spieler einen ausländischen Pass.

Die Herkunftsanalyse der Super-League-Spieler fördert wiederum eine überraschende Erkenntnis. Am meisten in der Super League vertreten sind Fussballer aus Deutschland, deren acht. Gefolgt von den Italiener und Serben (je 7)

Die Studie ist unter folgendem Link abrufbar (hier klicken).

Erstellt: 29.03.2017, 12:13 Uhr

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