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Talentspäher dank Knorpelschaden

Abed Dakouri ist mit erst 24 Jahren Ausbildungschef von YF Juventus. Er wünscht sich mehr Stolz beim drittgrössten Zürcher Fussballclub – und ein Spielsystem wie Pep Guardiola.

Auf dem Rasen wie beim Bowling voll dabei: Abed Dakouri im Kreis seiner Spieler. Foto: Sabina Bobst
Auf dem Rasen wie beim Bowling voll dabei: Abed Dakouri im Kreis seiner Spieler. Foto: Sabina Bobst

Es ist erstaunlich, wie nahe Freud und Leid im Leben beieinanderliegen können. Und manchmal passiert es, dass aus einem vermeintlichen Unglück ein Segen wird. So im Fall von Abed ­Dakouri, dem Ausbildungschef von YF Juventus. Im August 2015 musste er aufhören, Fussball zu spielen. Als 22-Jähriger, mit vier Challenge-League-Spielen mit Winterthur in den Beinen und rund 100 1.-Liga-Partien mit Baden sowie den U-21-Teams von GC und Winterthur. Aber eben auch mit ­Meniskus- und Knorpelschäden und mit Arthrose im Knie. «Ich war komplett am Boden und brauchte erst einmal Abstand von allem», erzählt Dakouri, «ich hatte keine Ahnung, was ich mit meinem ­Leben anfangen sollte.»

Es dauerte ein paar Monate, ehe der schweizerisch-ivorische Doppelbürger sich wieder überwinden konnte, in die Nähe eines Fussballplatzes zu gehen. Auf dem Juchhof, wo sein Bruder Joel bei Kosova spielte, entdeckte er schnell eine neue Faszination für sich: den Trainerjob. «Als ich die Trainer gesehen habe, wie sie die Junioren korrigieren und motivieren, wusste ich sofort: Das will ich auch», sagt Dakouri. Über Junioren­obmann Luciano Venuto konnte er bald als Nachwuchstrainer einsteigen: «Ein Glücksfall!» Die vielen positiven Feedbacks von Kindern und ihren Eltern motivierten ihn umso mehr, und bereits nach dem ersten halben Jahr klopfte GC an die Tür. Dieses GC, bei dem Dakouri selber seine komplette Juniorenausbildung absolvierte. Dieses GC, von dem er sich noch heute als Fan bezeichnet. Klar, dass der ehemalige Offensivspieler ins Grübeln kam.

Die Sorgen eines 24-Jährigen

Doch YF Juventus wollte sein Trainer­talent nicht kampflos ziehen lassen und offerierte ihm die Stelle als Technischer Leiter im Nachwuchs. Er, der 24-Jährige, sollte verantwortlich für die Junioren­abteilung der Nummer drei der Stadt ­Zürich werden, eine Abteilung mit rund 380 Kindern. Auch wenn dies gemäss dem langjährigen YF-Präsidenten Piero Bauert zunächst unter Begleitung von ihm und Venuto geschieht, sagt Dakouri: «Da musste ich nicht lange über­legen.» Die anfänglichen Sorgen, von den ­gestandenen Herren im Verein nicht ernst genommen zu werden, verflogen schnell. «Ich schätze das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, sehr», so Dakouri. Und Bauert lobt das ausser­ordentliche Engagement des Senkrechtstarters: «Es braucht mehr solche junge Trainer, die Nachwuchsspieler gut ausbilden. Ich finde das sogar noch wichtiger, als Aktive zu trainieren.»

So wurde aus drei Trainings à 90 Minuten mit seinen D-Junioren eine rund 30-Stunden-Woche – zusätzlich zum 100-Prozent-Bürojob als Sachbearbeiter in einer Inkassofirma. Neben der Erstellung von Trainingsplänen, der Sichtung der eigenen Juniorenteams und der Abwicklung von Transfers bietet er neu auch Talent­trainings für ausgesuchte Spieler unterschiedlicher Altersgruppen an. Eine Innovation von ihm: «Das ist einer meiner Hauptziele in diesem Job: neue Ideen einbringen, dem Verein helfen, seine Nachwuchsförderung weiterzuentwickeln.» Alles der Idee untergeordnet, YF nach GC und FCZ wieder die erste Adresse im Zürcher Nachwuchsfussball werden zu lassen. «Knapp dahinter», präzisiert Dakouri, und ergänzt: «Die Kinder sollen wieder stolz sein, das YF-Logo auf der Brust tragen zu dürfen.» Seinen Beitrag leistet Dakouri auch, indem er mit den Jungfussballern Spiele im Stadion ­besucht, bowlen geht oder Videoanalysen der eigenen Partien durchführt.

Der Vertrag als Technischer Leiter wurde auf zwei Jahre befristet. Und dann? «Mein Ziel ist es, einmal vom Trainer­beruf leben zu können», sagt der Besitzer des C-Plus-Diploms. Zum Lernprozess ­gehört, dass er Spiele nicht mehr als ­gewöhnlicher Zuschauer betrachten kann: «Ich interessiere mich mehr für komplexe Spielzüge und die verschiedenen Taktiken als für spektakuläre Dribblings oder Traumtore.» Ganz nach seinem ­Vorbild Pep Guardiola will er eine Spielphilosophie finden, die er später einmal all seinen Mannschaften beibringen kann. Ein Projekt, das Bauert nicht ausschliesst – und doch fügt er an: «Er ist noch jung und muss natürlich noch einiges an Lebenserfahrung sammeln.»

Sollte es aus irgendwelchen Gründen nicht mit einem Trainerjob klappen, könnte sich Dakouri auch mit einer Karriere als Sportchef anfreunden. Denn was ihm das Leben bisher gezeigt hat: Wenn sich eine Tür schliesst, öffnet sich eine nächste.

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