Tinder im Fussball

Fussballer sind Lebensabschnittspartner. Auch da finden sich zwei manchmal zufällig. Und es gibt Missverständnisse.

Philippe Coutinho, der neu Star der Bayern.

Philippe Coutinho, der neu Star der Bayern. Bild: Philipp Guelland/Keystone

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Lutz Pfannenstiel erzählte diese Geschichte kürzlich in einem Interview. Pfannenstiel, heute 46, hat viele Geschichten aus seinem Leben, einige sind abenteuerlich. Heute ist er Sportvorstand bei Fortuna Düsseldorf in der Bundesliga, früher war er Fussball-Torhüter. Ein Globetrotter zwischen den Pfosten, in 19 Jahren bei 25 Clubs in 13 Ländern auf 6 Kontinenten. Einmal, in Singapur, sass er 101 Tage im Gefängnis, wegen angeblicher Spielmanipulation, er habe «auffallend gut gehalten», wurde ihm vor Gericht vorgeworfen.

Und eben diese Geschichte. Pfannenstiel war in Albanien, vorher spielte er in Neuseeland, nachher ging er nach Armenien. Der albanische Club KS Vllaznia Shkodra wollte den Vertrag mit ihm frühzeitig auflösen, er musste im Büro des Präsidenten erscheinen. Auf dem Tisch lag eine Pistole, Pfannenstiel erschrak zuerst, der Präsident blickte sehr grimmig, Pfannenstiel weigerte sich aber, und das imponierte dem Präsidenten, Pfannenstiels Vertrag lief weiter.

Trennungen im Fussball. Sie verlaufen nicht immer harmonisch, wie auch sonst im Leben. Fussballer sind mit wenigen Ausnahmen Lebensabschnittspartner, mit dem Unterschied, dass hier eine Laufzeit vertraglich festgelegt wird. Doch wie im Leben erlischt die Liebe trotzdem manchmal frühzeitig, aus verschiedenen Gründen. Und auch im Fussball finden sich zwei manchmal zufällig, wie jetzt in München: Die Bayern wollten Sané, der verletzte sich, jetzt haben sie Coutinho, der eigentlich nicht auf ihrer ersten Wunschliste stand. Und nun sind alle stolz und zeigen ihre neue Liebe, der Spieler und der Club liegen sich in den Armen, als hätte es für den Club immer nur diesen Spieler und für den Spieler immer nur diesen Club gegeben. In Barcelona, wo sie Coutinho vor 18 Monaten auch so empfangen haben und es die grosse Liebe war, sind sie froh, dass er weg ist.

Trennungen im Fussball gehen meistens von einer Seite aus. Schon bevor man sich zum ersten Mal trifft, glaubt man sich sehr gut zu kennen, das Tinder im Fussball sind die Datenbanken und Videos mit den Szenen im besten Licht, und doch stellt es sich oft und manchmal bald als Miss­verständnis heraus. Wie bei Coutinho in Barcelona. Wie bei einem anderen Brasilianer, Neymar, der bei seiner Ankunft in Paris sagte, die Stadt sei magisch und sein grösster Herzenswunsch. Jetzt will er nur schnell weg, möglichst zurück nach Barcelona.

Pistolen auf dem Tisch sind aber zum Glück bei frühzeitigen Trennungen selten ein Mittel.

Erstellt: 27.08.2019, 11:02 Uhr

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