Zum Hauptinhalt springen

Rassistische Beleidigung – jetzt spricht Merkel

Nach der rassistischen Bemerkung von AfD-Vize Gauland äusserten sich der betroffene Jérôme Boateng und Angela Merkel. Fans und Politiker solidarisierten sich mit ihm.

Habe mit den Journalisten «ein als vertraulich klassifiziertes Hintergrundgespräch» geführt: AfP-Vize Alexander Gauland. (Archivbild)
Habe mit den Journalisten «ein als vertraulich klassifiziertes Hintergrundgespräch» geführt: AfP-Vize Alexander Gauland. (Archivbild)
Philipp Guelland, AFP
Enttäuscht über die Äusserung des AfD-Politikers Alexander Gauland: Jérôme Boateng, hier beim Finalspiel an der WM in Brasilien. (13. Juli 2014)
Enttäuscht über die Äusserung des AfD-Politikers Alexander Gauland: Jérôme Boateng, hier beim Finalspiel an der WM in Brasilien. (13. Juli 2014)
Kamil Krzaczynski, Keystone
Auch der deutsche Vizekanzler und SPD-Politiker Sigmar Gabriel kritisierte Gaulands Äusserung: «Boateng ist kein ‹Fremder›, sondern Deutscher.» (9. Mai 2016)
Auch der deutsche Vizekanzler und SPD-Politiker Sigmar Gabriel kritisierte Gaulands Äusserung: «Boateng ist kein ‹Fremder›, sondern Deutscher.» (9. Mai 2016)
Markus Schreiber, Keystone
1 / 7

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Äusserung des AfD-Politikers Alexander Gauland im Zusammenhang mit Jérôme Boateng verurteilt. «Der Satz, der da gefallen ist, ist ein niederträchtiger und ein trauriger Satz», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert auf die Frage eines Journalisten, wie Merkel Gaulands Aussage bewerte.

Die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» (FAS) hatte den führenden AfD-Politiker mit den Worten zitiert, die Leute fänden den farbigen Innenverteidiger «als Fussballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.»

Mit Solidaritätsbekundungen haben Fans und Politiker auf die rassistische Beleidigung Gauland reagiert: «Jérôme, zieh bei uns ein.» Boateng zeigte sich enttäuscht: «Es ist ehrlich gesagt traurig, dass heutzutage noch so etwas gesagt wird», sagte er nach dem 1:3 im Testspiel gegen die Slowakei in Augsburg. Gauland relativierte am Abend sein erstes Dementi.

Nachdem sich erster Protest regte, erklärte Gauland, er habe in einem vertraulichen Hintergrundgespräch «die Einstellung mancher Menschen beschrieben, aber mich an keiner Stelle über Herrn Boateng geäussert». Der ARD-«Tagesschau»-Redaktion sagte er schliesslich: «Der Name Boateng mag gefallen sein, möglicherweise von den FAZ-Kollegen, ich kenne mich im Fussball überhaupt nicht aus.» Die FAS erklärte, ihre beiden am Gespräch beteiligten Redakteure hätten Gaulands Äusserungen aufgezeichnet.

Der gebürtige Berliner Boateng sagte nach dem Länderspiel im Fernsehen: «Ich bin froh, Deutscher zu sein, ich bin stolz, sonst wäre ich auch nicht hier in der Mannschaft. Ich glaube, ich bin gut integriert, und mehr muss ich dazu auch nicht sagen.»

Fans im Stadion hielten Plakate mit Solidaritätsadressen an den Verteidiger hoch, der Deutsche Fussballbund reagierte mit einem Video mit dem Slogan «Wir sind Vielfalt».

Auch im politischen Berlin schlugen die Wellen hoch. Viele Menschen hätten Angst, neben Neonazis und Rassisten zu leben, weil diese gefährlich seien und Flüchtlingsunterkünfte anzündeten, sagte die Linkspartei-Co-Vorsitzende Katja Kipping. «Boateng ist Deutscher. Die AfD ist deutschfeindlich», schrieb SPD-Chef Sigmar Gabriel auf Twitter.

AfD-Chefin Petry mühte sich um Schadensbegrenzung. Gauland könne sich «nicht erinnern», ob er die abwertende Äusserung getätigt habe, sagte sie der «Bild»-Zeitung vom Montag. Und fügte hinzu: «Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist.»

AFP/chi

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch