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Trommeln für Senegal

Ein Abend in Zürich mit Youssou N'Dour - und damals ein Abend in Japan mit El Hadji Diouf.

Der senegalesische Musiker und der Fussballer: Youssou N'Dour und El Hadji Djouf. (Bilder Reuters/Keystone)
Der senegalesische Musiker und der Fussballer: Youssou N'Dour und El Hadji Djouf. (Bilder Reuters/Keystone)

Er, ganz in Weiss gekleidet, langes Gewand, Hose, Schuhe, eine dunkle Brille, singt. Einer trommelt. Einer rappt. Eine singt auch. Gitarrenspiel. Der Saal tobt. Es ist eine tolle Stimmung, eine grosse Party.

Der Abend erinnert an einen Abend im Juni 2002 im japanischen Badeort Beppu. Sie trommelten auch, sie sangen und tanzten und feierten und lachten, es war schon weit nach Mitternacht. Einer, der nicht aufhören wollte mit Trommeln, hatte blond gefärbte Haare. Es war El Hadji Diouf, kein Musiker, ein Fussballer, ein brillanter Dribbler, verliebt in den Ball, er spielte für Lens, hatte aber bereits einen Vertrag mit Liverpool unterschrieben. Aber in diesem Moment war er nur eines: Stolz, stolz auf sein Land, Senegal. Er trommelte eine Stunde lang.

Halb Afrika schien in dieser Nacht ins Hotel der Mannschaft gekommen zu sein, ein riesiges Durcheinander und Wirrwarr, Bruno Metsu, der Franzose, der für die Spieler nicht nur Coach, sondern auch Kumpel und Bruder war, tanzte und strahlte und sah überhaupt nicht aus wie ein Trainer, mit seinen langen wehenden Haaren und wie stets im weissen T-Shirt und grauen Anzug. Frauen, Freundinnen, Kinder, Verwandte waren da, auch Voodoo-Priester, Magier oder Marabouts, grosse Gestalten in bunten Kleidern, die der Verband beschäftigte, um die Geister gut zu stimmen für die eigene Mannschaft oder die Beine des Gegners zu verhexen. Senegal schrieb an der WM 2002 Geschichte, es schlug im ersten Spiel Frankreich, den Titelverteidiger, später im Achtelfinal die Schweden, und erst gegen die Türkei endeten die Träume, abrupt mit einem Gegentor in der Verlängerung.

Ein Reporter aus Dakar hatte damals kurz vor dem Anpfiff in einer ruhigen Ecke des Stadions seinen Gebetsteppich hervorgenommen, gegen Mekka ausgerichtet, sich niedergekniet und lange seine Hände gefaltet, für seine Mannschaft. Er sei sehr traurig, sagte er nach dem Spiel, aber jetzt müsse er wenigstens nicht mehr überlegen, wie er die nächsten Tage verbringen könne, denn er habe kein Geld mehr, und die Redaktion habe ihm keines mehr schicken können.

. . . und er, ganz in Weiss, sang. Ein anderer trommelte. Einer rappte. Es war der Abend kürzlich im Saal des Kaufleuten in Zürich mit Youssou NDour, dem wohl grössten Popstar Afrikas, der sich auch sozial stark engagiert für sein Land Senegal. NDour spielte mit seiner Band Super Étoile de Dakar. Es war ein Abend der puren Lebensfreude, Afrika in Zürich. Wie damals Afrika in Japan.

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