Alkoholverbot und gelbe Karten für Russland und England

Nach den Krawallen in Marseille droht die Uefa Russland und England mit dem Ausschluss von der EM. Inzwischen hat die französische Regierung ein Alkoholverbot verhängt.

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Die schweren Ausschreitungen von Fans und Hooligans in Marseille haben ihre unmittelbaren Auswirkungen auf die betroffenen Verbände: England und Russland werden von der Uefa verwarnt. Im Extremfall droht beiden Teilnehmern der Ausschluss aus dem EM-Turnier in Frankreich.

Auch die französische Regierung hat reagiert: Sie verhängt rund um die EM-Stadien ein Alkoholverbot. Innenminister Bernard Cazeneuve teilte am Sonntag mit, er habe angeordnet, Massnahmen zu ergreifen, um an Spieltagen, den Tagen davor und bei Öffnung von Fanmeilen in den «sensiblen Bereichen» den Kauf, den Konsum und den Transport alkoholischer Getränke zu verhindern. «Die Vorfälle von Marseille von gestern Abend sind inakzeptabel», sagte Cazeneuve.

Ausländische Fans, deren Verhalten die öffentliche Ordnung gefährde, könnten ausgewiesen werden, erklärte der Minister weiter. Jedem einmal in Gewahrsam genommenen Fussballfan könne der Zutritt zu Stadien, Fanmeilen und bestimmten Stadtvierteln untersagt werden.

Der Appell an die Fans

Nach dem 1:1-Unentschieden zwischen England und Russland in Marseille lieferten sich die Anhänger beider Mannschaften grobe Auseinandersetzungen, die in einzelnen Fällen sogar zu schweren Verletzungen führten. Ein Engländer schwebt in Lebensgefahr.

Die Uefa reagierte darauf mit einer unmissverständlichen Erklärung. Unbesehen von möglichen Entscheiden der zuständigen Disziplinarkammern betreffend Vorfällen innerhalb der Stadien, werde die Uefa nicht zögern, gegen die Verbände Englands und Russland zusätzliche Sanktionen zu ergreifen. Dazu gehörten auch die Ausschlüsse einer oder beider Mannschaften aus der EM-Endrunde. Dies werde der Fall sein, wenn sich noch einmal solche Gewalttätigkeiten ereignen sollten.

Die Uefa fordert sowohl England als auch Russland auf, an ihre Fans zu appellieren. Diese sollten verantwortlich und respektvoll mit anderen Besuchern umgehen.

Vor allem russische Fans als Krawallmacher

Bereits zuvor hatte die Uefa angekündigt, dem russischen und dem englischen Verband könnten Disziplinarmassnahmen drohen. Russland musste dabei grössere Strafmassnahmen als England befürchten, weil russische Fans offenbar hauptsächlich für die Vorfälle im Stade Vélodrome in Marseille verantwortlich waren.

Zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen russischen und englischen Fans war es bereits an den beiden Vorabenden des Spiels und auch kurz vor Anpfiff vor dem Stadion gekommen. Entscheidend sind allerdings die Szenen, die sich nach dem Ende der Begegnung innerhalb der Arena abgespielt haben.

Englische Supporter haben sich gebessert

«Die Uefa kann Disziplinarmassnahmen nur für Vorfälle ergreifen, die im Stadionumkreis passiert sind», teilte der Verband mit. Zwischenfälle an anderen Orten werden in der Regel nicht bestraft. Nach dem 1:1-Unentschieden zwischen England und Russland waren russische Fans im Stadion auf Engländer losgegangen. Die England-Anhänger flohen in Panik von den Stadionrängen.

Die Ermittler der Uefa könnten das Verhalten russischer Anhänger bei der Fussball-Europameisterschaft vor vier Jahren in Polen und der Ukraine mit in ihre Überlegungen einbeziehen. Damals wurden eine Reihe von Strafmassnahmen gegen den russischen Fussballverband erhoben. Obwohl englische Fussball-Hooligans einen üblen Ruf haben, sind England-Supporter bei jüngsten EM-Turnieren eher seltener als gewalttätig aufgefallen.

Russland unter Uefa-Beobachtung

Russische Fans waren bereits bei der EM 2012 in Polen mehrfach negativ aufgefallen. Russlands Verband RFS rechnet mit Konsequenzen. «Wir werden von der Uefa bestraft werden, so verstehe ich es. Wir haben uns falsch benommen», betonte Russlands Sportminister Witali Mutko, der auch RFS-Präsident ist, in Moskau in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur R-Sport. Gleichzeitig kündigte er Untersuchungen der Vorfälle auch von russischer Seite an.

Russland stand bei der Begegnung am Samstag unter besonderer Beobachtung der Uefa: Es war das erste vom europäischen Verband organisierte Spiel, seit Bewährungssanktionen nach Vorfällen mit russischen Fans in Polen 2012 aufgehoben wurden. Damals hatten Russen während des 4:1-Auftaktsieges ihrer Mannschaft gegen Tschechien in Breslau Stadionsicherheitskräfte angegriffen. Eine Geldstrafe in Höhe von 37'500 Euro gab es für rassistische Rufe gegen den bei Werder Bremen unter Vertrag stehenden schwarzen Tschechen Theodor Gebre Selassie.

(foa/fal/sda/afp)

Erstellt: 12.06.2016, 19:34 Uhr

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