Unberechenbar und flexibel

Im Herbst spielte das Nationalteam phasenweise mit einer Dreierabwehr. Vladimir Petkovic will daraus keine fixe Idee ableiten.

Blick voraus auch im Regen: Vladimir Petkovic.

Blick voraus auch im Regen: Vladimir Petkovic. Bild: Melanie Duchene/Keystone

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Im Rückblick könnte man sagen: Vladimir Petkovic hat mehr als vier Jahre Verspätung auf seinen ursprünglichen Zeitplan. Als er im August 2014 sein Amt als Nationaltrainer antrat, sprach er oft von taktischer Flexibilität. Oder von Spielern, die mehrere Spielsysteme beherrschen sollten. Oder von der Möglichkeit einer Dreierabwehr. Oder von Stürmern ohne fixe Position.

Es war die Ankündigung einer taktischen Evolution im Schweizer Nationalteam. Nach der Ära Hitzfeld und dem Festhalten am 4-2-3-1 wähnte Petkovic die Schweiz bereit für den nächsten Schritt. Den Worten folgten vorerst keine Taten. Petkovic begann mit einem 4-3-3 und wechselte dann noch vor der EM 2016 zurück auf das 4-2-3-1.

Damit erreichte Petkovic mit seinem Team beachtliche Erfolge. Dank taktischer Disziplin und Systemtreue stand er an zwei grossen Turnieren in den Achtelfinals – genau wie Vorgänger Hitzfeld an der WM 2014. Bei den Resultaten machte die Schweiz unter dem Strich keinen Schritt vorwärts. Es fehlte das gewisse Etwas. Es fehlten im entscheidenden Moment Unberechenbarkeit und Flexibilität.

Zum ersten Mal gegen England

Das hat sich mittlerweile geändert. Im Herbst hat Petkovic im Testspiel in England erstmals eine Dreierabwehr nominiert. In den Spielen der Nations League in Belgien und in Island kam diese Formation im Verlaufe der 90 Minuten erneut zum Zug. Und beim 5:2-Heimsieg gegen die Belgier begann die Schweiz mit dem gewohnten 4-2-3-1 und führte die Wende mit einem variablen 3-5-2 herbei.

Die spektakulärste Darbietung der letzten Jahre zeigte die Schweiz also mit einer Dreierabwehr, einem Zweimannsturm und ohne klassische offensive Flügel. Doch ein Hinweis auf die Zukunft muss das nicht sein. «Die Dreierabwehr ist keine fixe Idee. Aber wenn ich spüre, dass sie das richtige Mittel ist, dann spielen wir so. Diese Flexibilität müssen wir pflegen», sagte Petkovic Anfang Woche.

Der Nationalcoach hat sein Team im Kollektiv nun dahin gebracht, wo er es schon immer haben wollte. Das hat auch viel mit der Vielfältigkeit der einzelnen Spielern zu tun. Neben der fixen Achse mit Torhüter Yann Sommer, den Innenverteidigern Manuel Akanji und Fabian Schär sowie Mittelfeldstratege Granit Xhaka hat Petkovic im aktuellen Kader Aussenverteidiger, die auch in einer Dreierabwehr spielen können (Rodriguez, Lang). Er hat Flügel, die auch in einem Fünfermittelfeld bestehen können (Zuber, Steffen). Er hat Stürmer, die ganz vorne oder zentral hängend oder auf der Seite spielen können (Mehmedi, Embolo).

Das «Chamäleon» aus Italien

Unberechenbarkeit und Flexibilität sind im Nationalteam schwieriger zu erarbeiten als im Klub. Nach bald fünf Jahren scheint es Petkovic geschafft zu haben. Und wer weiss, vielleicht nennt man ihn bald auch als Nationaltrainer das «Chamäleon». So lautete nämlich sein Übername in Italien. Weil er mit Lazio Rom in anderthalb Jahren nahezu zehn verschiedene Systeme hat spielen lassen. (sda)

Erstellt: 20.03.2019, 20:31 Uhr

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