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Und plötzlich ist Liechtenstein Favorit

Attraktive Gegner für die Schweiz: Heute um 12 Uhr wurde die Nations League ausgelost. Petkovic und Fussball-Zwerge freuen sich.

Die neue Nations League mit vier Stärkeklassen – die Schweiz ist in die Stärkeklasse A eingeteilt. (Grafik: Marina Bräm)
Die neue Nations League mit vier Stärkeklassen – die Schweiz ist in die Stärkeklasse A eingeteilt. (Grafik: Marina Bräm)

Die Führungsriegen von Borussia Dortmund und Bayern München waren zuletzt selten einer Meinung. Oft ging es dabei um Dortmunder Spieler, die das Interesse der Bayern erregten: «Es wäre schön, wenn Karl-Heinz Rummenigge einfach mal den Mund halten würde», sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc einst über Bayerns Vorstandsvorsitzenden, als dieser Marco Reus Avancen gemacht hatte.

Geht es um die Uefa Nations League, sind sich Zorc und Rummenigge allerdings für einmal einig: «Ich empfinde das als ein weiteres Drehen an der Schraube, bis zum Punkt, an dem es zu viel wird», sagte Zorc kürzlich. Rummenigge, Spitzname Killer-Kalle, wurde noch deutlicher: «Wenn es keine Nations League geben würde, dann würde sie wohl auch niemand vermissen.»

Etwas verschweigt Rummenigge

Sowieso gehe es bei dem neuen Wettbewerb «wie so oft ausschliesslich um Finanzen». Tatsächlich rechnet die Uefa in den nächsten vier Jahren mit Mehreinnahmen von 650 Millionen Euro. Doch dass ausgerechnet Rummenigge den Kommerz beklagt, birgt eine gewisse Ironie. Er selbst hat grossen Anteil daran, dass die von ihm vertretenen Grossclubs in der Champions League bedeutend mehr abkassieren. Und dass er jahrelang den früheren Uefa-Präsidenten Michel Platini unterstützt hat, den geistigen Vater des Wettbewerbs, verschwieg er ebenfalls geflissentlich.

Ernstzunehmender ist die Kritik der grossen Fussballnationen, die sich Sorgen machen, weil die Profis durch noch mehr Pflichtspiele weiter belastet werden. Der komplizierte Modus des Turniers, das heute (12 Uhr) in Lausanne ausgelost und künftig alle zwei Jahre ausgetragen wird, ist ein weiterer.

Petkovic mag die Idee

Klar ist: Das Schweizer Nationalteam tritt vorerst vermehrt gegen starke und attraktive Gegner an, deshalb ist Trainer Vladimir Petkovic dem Format durchaus wohlgesinnt. Ebenso klar ist, dass die ganz kleinen Fussballnationen, von Andorra bis Weissrussland, plötzlich von einer EM-Teilnahme träumen. Denn mindestens eine Equipe aus der Liga D wird an der Endrunde dabei sein.

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Liechtensteins Nationaltrainer Rene Pauritsch sagte kürzlich dem «Volksblatt»: «Unsere Chancen sind viel grösser als vorher.» Und er meinte weiter, in der Nations League müsse es das Ziel sein, dem Spiel den Stempel aufzudrücken. Liechtenstein in der Rolle des Favoriten? Die Nations League mit ihren komplexen Regeln macht es möglich.

Schweiz gegen Deutschland und Holland?

Alle 55 Uefa-Mitgliedsverbände wurden gemäss ihrem Koeffizienten in vier Ligen (A, B, C, D) aufgeteilt. Die Schweiz ist eine von zwölf Nationen in der Liga A, die wiederum in vier Gruppen mit je drei Mannschaften unterteilt ist. Das Team von Trainer Vladimir Petkovic befindet sich mit England, Frankreich und Italien in Topf 2, mögliche Gegner sind etwa Deutschland und Holland.

Gegen die beiden zugelosten Kontrahenten tritt die Schweiz je einmal daheim und auswärts an, die vier Gruppensieger der Liga A sind für die im Juni 2019 stattfindende Endrunde qualifiziert. Die Gruppensieger in den Ligen B, C und D steigen auf, die Tabellenletzten der Ligen A, B und C steigen ab.

So weit, so kompliziert.

Aufgrund der Spiele in der Nations League beginnt die Qualifikation für die EM 2020 erst im übernächsten März. In zehn Fünfer- und Sechsergruppen werden zwanzig Startplätze ausgespielt. Die je erst- und zweitplatzierten Teams sind für die EM-Teilnahme berechtigt.

Die vier toplatzierten Länder pro Nations-League-Liga, welche sich nicht regulär qualifizieren, ermitteln im März 2020 jeweils einen zusätzlichen EM-Teilnehmer. Hat sich der Gruppensieger über die EM-Qualifikation qualifiziert, rückt der jeweilige Gruppenzweite nach. Möglicherweise sogar der Dritte oder eine Nation aus einer tieferen Liga, falls etwa in Liga A bereits zu viele Equipen qualifiziert sind. Alles klar?

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