Vereinspräsident stürmt auf den Platz – bewaffnet

Ein Schiedsrichter wird mit Pistole bedroht, die Partie abgebrochen – und die Regierung reagiert: Griechenlands Fussball versinkt im Chaos.

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Das Chaos im griechischen Fussball erreicht neue Dimensionen. Es läuft die Nachspielzeit im Spitzenspiel zwischen dem zweitplatzierten PAOK Saloniki und dem Tabellenführer AEK Athen. Nach einem Eckball steigt PAOK-Verteidiger Fernando Varela hoch, köpfelt den Ball in Richtung Tor, drin. Das Heimteam jubelt, AEK hadert. Aber nur für Sekunden, denn Schiedsrichter Georgios Kominis signalisiert: kein Tor. PAOK-Spieler Mauricio griff aus Abseitsposition ein, auch wenn er den Ball nicht traf. Aus passivem Abseits wurde aktives. Und aus kollektivem Jubel im Toumba-Stadion von Thessaloniki anschliessend Frust – und blinde Wut.

Vereinsfunktionäre stürmen das Feld, angeführt von Besitzer und Vereinspräsident Ivan Savvidis. Captain Vierinha versucht noch zu beruhigen, bleibt aber chancenlos. Während es einem Funktionär gelingt, bis zum Schiedsrichter vorzudringen und ihm seinen Unmut mitzuteilen, schaffen es mehrere Staffmitglieder, Savvidis zurückzuhalten. Was die Szene noch absurder macht: Der schwerreiche Clubbesitzer trägt eine Waffe am Gürtel. Zwar bleibt sie dort, dennoch flüchtet das Schiedsrichtertrio wegen des Platzsturmes in die Kabine und unterbricht die Partie.

Video: Hier stürmt Savvidis das Feld

Medienberichten zufolge ändern die Unparteiischen über zwei Stunden nach Platzsturm ihre Meinung und entscheiden, den Treffer doch für gültig zu erklären. Offensichtlich unter Druck von Savvidis. Das teilt Kominis den beiden Captains in der Kabine mit. Athen weigert sich das zu akzeptieren und die restlichen Minuten nachzuspielen – das Spiel wird endgültig abgebrochen und nun am grünen Tisch entschieden werden. Trotz angeblicher Drohung von Savvidis gegenüber dem Schiedsrichter: «Das Spiel wird zu Ende gespielt, oder du bist erledigt.»

Vor Anpfiff führte AEK die Tabelle mit zwei Punkten Vorsprung an. Auch das ist höchst umstritten. Denn vor zwei Wochen musste die Partie zwischen PAOK und Olympiakos Piräus abgebrochen werden, weil Gästetrainer Oscar Garcia von einer Kassenrolle am Kopf getroffen wurde. Die Partie wurde 0:3-Forfait gewertet, Saloniki zusätzlich drei Punkte abgezogen, dazu zwei Geisterspiele und eine Busse von 30'000 Euro verhängt. Am Sonntag entschied der griechische Fussballverband aber, den Punkteabzug und das Zuschauerverbot wieder aufzuheben, was für viel Empörung sorgte.

Im Selbstzerstörungsmodus

Das letzte Wort in dieser Causa dürfte ebenso wenig gesprochen sein wie beim Skandal gegen AEK Athen. Dabei wäre PAOK in dieser Saison auf bestem Weg gewesen, erstmals seit 1985 den griechischen Meistertitel zu holen. Diese Hoffnung wird aber abseits des Platzes immer mehr zerstört.

Mittlerweile hat auch die Regierung reagiert: die Meisterschaft wird bis auf weiteres ausgesetzt. «Ohne eine von allen Seiten getroffene Vereinbarung wird es keinen Neustart geben», sagte der stellvertretende Sportminister Georgios Vassiliadis nach einem Treffen mit Ministerpräsident Alexis Tsipras am Montag.

Immerhin muss isch der Schweizerische Fussballverband keine Sorgen wegen der grassierenden Gewalt im griechischen Fussball machen, obwohl die Schweiz Ende März im Toumba-Stadion von Thessaloniki ein Testspiel gegen Griechenland bestreitet. Traditionell interessieren sich die PAOK-Ultras nicht für Heimmatches der Nationalmannschaft, weshalb diese friedlich verlaufen. (fas)

Erstellt: 12.03.2018, 11:18 Uhr

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