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Vom Kaufmann zum fleissigen Scorer

Schritt für Schritt hat sich Florian Niederlechner in die Bundesliga gearbeitet. Nun gehört er zu den Topscorern.

Carlo Emanuele Frezza
Er trifft zurzeit am Laufmeter: Florian Niederlechner.
Er trifft zurzeit am Laufmeter: Florian Niederlechner.
Uwe Anspach/DPA, Keystone
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Ganz Deutschland schwärmt derzeit von einem Namen: Erling Haaland. Mit seinem Dreierpack beeindruckte der Norweger in seinem Debütspiel für Borussia Dortmund die Masse. Doch bevor er zum Schaulaufen antrat, ragte in jenem Spiel ein Spieler des Gegners mit einem Doppelpack heraus – ein Spieler des FC Augsburg.

Dieser heisst Florian Niederlechner und macht schon eine ganze Weile auf sich aufmerksam. Mit zehn Toren und acht Torvorlagen gehört der 29-Jährige zu den besten Scorern der Bundesliga. Nur Timo Werner, Robert Lewandowski und Jadon Sancho haben noch besser performt. In punkto Scorerpunkte ist er mit Abstand die beste Neuverpflichtung eines deutschen Vereins des vergangenen Sommers.

Florian Niederlechners Statistik in der Saison 2019/20

Nicht nur in Deutschland, sondern auch im internationalen Vergleich ist der Wert der Augsburger Nummer 7 Spitze. In der Scorerliste der Top-Ligen Europas liegt der Stürmer auf Platz 16. Spieler wie Romelu Lukaku, Mohamed Salah oder Neymar lässt er hinter sich. Dies in seiner ersten Saison als Stammspieler bei einem Verein aus der höchsten Liga.

Untypischer Werdegang

Massgeblichen Anteil an Niederlechners Hoch hat der Schweizer Coach Martin Schmidt. Der Walliser lockte ihn mit Aussicht auf einen Stammplatz zu Augsburg. Der Verein in Bayern ist nach dem SC Freiburg und Mainz 05, wo auch Schmidt sein Trainer war, die dritte Station in der Bundesliga des Angreifers.

Doch bei beiden Clubs kam der gebürtige Oberbayer nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus. Im Breisgau spielte er in der Saison 2018/19 lediglich ein Spiel über 90 Minuten durch. Und das war nicht einmal in der Bundesliga, sondern mit der zweiten Mannschaft Freiburgs in der Regionalliga Südwest.

Niederlechner ist erst spät zum Bundesligaspieler gereift. Dies zeigt ein Blick auf seinen Werdegang, der für den heutigen Fussball eher untypisch ist. Er besuchte nie ein Nachwuchsleistungszentrum, bildete sich stattdessen zum Kaufmann aus.

Rückblickend meint er gegenüber der deutschen Zeitung «Merkur»: «Wenn ich in der B- und A-Jugend im Nachwuchsleistungszentrum gewesen wäre, wäre ich mit Sicherheit kein Bundesliga-Profi geworden. Gerade im Jahrgang 1990 hat es so viele talentierte Spieler gegeben, da wäre es in dem grossen Haifischbecken schwer gewesen und ich wäre irgendwann durch das Raster gefallen.»

Schritt für Schritt

So arbeitete sich Niederlechner Schritt für Schritt durch die deutschen Ligen ganz nach oben. Mit Anfang 20 spielte er noch im Amateurfussball beim FC Ismaning, in einer Gemeinde bei München. Dazu sagte er jüngst im Interview mit Amazon: «Vor zehn Jahren habe ich in der Bayernliga gespielt und nicht einmal gedacht, dass ich 3. Liga spielen könnte. Ich habe keine Sekunde daran gedacht, dass ich mal in der Bundesliga lande. Ich habe am Tag fünf Latte Macchiato getrunken, am Nachmittag gab es immer einen Döner oder eine Pizza. Und wenn am Donnerstag irgendwo eine gute Party war, bin ich da auch noch hingegangen», verriet er.

Niederlechners Traum von der dritten Liga wurde 2011 mit dem Wechsel zu Unterhaching Realität. Die Spielvereinigung kaufte ihn für 20’000 Euro. Mit 28 Scorerpunkten in 56 Spielen spielte sich der Angreifer in den Fokus von anderen Mannschaften.

Niederlechners Transferhistorie

Der 1. FC Heidenheim war es, der im Winter 2013 zugriff. In derselben Saison stieg der Club in die 2. Bundesliga auf. Und in dieser Liga machte der Stürmer erneut beste Werbung in eigener Sache. Fünfzehn Tore sowie zehn Torvorlagen in 33 Spielen waren seine Ausbeute in der zweithöchsten Liga Deutschlands. Die Reise durch die deutschen Ligen bis ins deutsche Oberhaus komplettierte er 2015 mit dem Transfer zu Mainz.

Traum von der Nationalmannschaft

Mit dem Erreichen der Bundesliga hat Niederlechner noch längst nicht ausgeträumt, wie der Oberbayer selber sagt: «Ein kleiner Traum war immer die Premier League.» Dadurch, dass der 29-Jährige im Sommer Vater eines Sohnes wurde, habe sich die Situation aber etwas verändert.

Einen Wechsel könne er sich aber schon noch vorstellen: Zu seinem Herzensclub, dem TSV 1860 München. «Egal ob 3. oder 2. Liga – den Löwen, wie in der Jugend, noch mal auf der Brust haben, das wäre schon cool.» Bis dahin möchte er aber noch so viele Tore wie nur möglich in der Bundesliga schiessen. Und vielleicht reicht es ja noch für einen anderen Traum: ein Aufgebot für die deutsche Nationalelf.

In der Gegenwart geht es für Niederlechner am Samstag nach Berlin, wo er mit Augsburg auf Aufsteiger Union trifft. Und da soll ihm nicht wie am letzten Spieltag wieder ein gegnerischer Spieler die Show stehlen.

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