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Warum der FCB in einer anderen Liga spielt

Nach einem schwachen Saisonstart scheint der FC Basel der nationalen Konkurrenz entrückt zu sein. Redaktion Tamedia nennt die wichtigsten Gründe.

Der Basler Jubel ist zur Gewohnheit geworden, bei den Spielern aber nicht zur Selbstverständlichkeit.
Der Basler Jubel ist zur Gewohnheit geworden, bei den Spielern aber nicht zur Selbstverständlichkeit.
Keystone

Es war ein Déjà-vu. Als Christian Gross am Samstagabend im Medien-Center des Basler St. Jakob-Parks die offensive Wirkungslosigkeit seines Teams feststellen musste, erinnerte er an sein letztes Spiel in diesem Stadion. Auch am 29. Mai 2009 lautete die Affiche FC Basel - Young Boys, nur war Gross damals noch Trainer des mit 0:3 unterlegenen FCB.

Inzwischen trägt Gross das gelbschwarze YB-Logo auf der Brust und ist zum Herausforderer seines ehemaligen Vereins geworden. Den Titel wollten die Young Boys angreifen, wurde vor der Saison proklamiert. Nach 16 Spielen sind die Berner aber bereits mit neun Punkten gegenüber den Baslern im Hintertreffen – trotz eines Fehlstarts des Meisters. Doch YB steht mit seinem Frust über die Souveränität des Meisters nicht allein da. Und ein Ende des FCB-Hochs ist nicht abzusehen. Dafür gibt es schlicht zu viele Argumente. Hier die wichtigsten drei:

1. Die individuelle Qualität

«Streller hält den Ball, Frei und Shaqiri gehen in die Tiefe. Das macht es uns Verteidigern unglaublich schwer.» Diese Aussage stammt von YB-Verteidiger Alain Nef, der am Samstag alle Hände voll zu tun hatte und beim einzigen Tor von Streller düpiert wurde. Die Basler Offensive ist schlicht zu gut, um in der Schweiz nicht erfolgreich zu sein. Während die nationale Konkurrenz von einzelnen Spielern abhängig ist, sind beim FCB gleich mehrer Akteure dafür gut, ein Spiel mit einer Einzelaktion zu entscheiden. Gegen YB war es Marco Streller, gegen Lausanne Alex Frei, gegen GC Xherdan Shaqiri und Frei, in Sion Jacques Zoua und gegen den FCZ wiederum Shaqiri. Und das sind nur die letzten fünf Spiele.

Dann ist sind da auch noch die Nationalspieler Granit Xhaka und Fabian Frei, die immer für eine gefährliche Aktion gut sind. Oder die Altmeister Benjamin Huggel und Scott Chipperfield, wie beim 1:1 in Lissabon. Und dabei fehlt noch Valentin Stocker. Bei dieser Fülle von Klassespielern findet sich immer einer, der auch in einem schwächeren Spiel den Unterschied machen kann.

2. Die richtige Einstellung

«Wir müssen die Konter besser spielen», sagt Marco Streller selbstkritisch. Nach einem Sieg gegen einen Titelkonkurrenten notabene. Man gibt sich beim FCB nie zufrieden. Stetig sucht man Punkte, die man noch besser machen könnte. Diesen Geist hat Thorsten Fink beim FCB etabliert, und sein Nachfolger Heiko Vogel scheint ihn noch konsequenter vorzuleben. So glänzt der FCB unter dem neuen Trainer etwas weniger mit Spektakelfussball, dafür mit einer unglaublichen Stabilität. Das Team ist geerdet und gewinnt lieber 1:0 als 4:3. Dass Basel die drei Partien gegen die Titelkonkurrenten Zürich, Sion und YB alle mit dem knappsten Ergebnis gewonnen hat, ist kein Zufall. Der FCB ist ganz einfach schwer zu knacken.

«Wir schauen mit Genuss auf die Tabelle, dürfen uns aber nicht darauf ausruhen», meinte Vogel nach dem Sieg gegen YB. Der FCB kann die Suche nach einem neuen Trainer getrost einstellen. Der richtige Mann für diese Mannschaft steht bereits an der Linie.

3. Die schwache Konkurrenz

Wer soll den FCB stoppen? Dies Frage hörte man am Samstag immer wieder im St.-Jakob-Park. Der FC Zürich, die Young Boys und der FC Sion waren vor der Saison als die stärksten Herausforderer des Meisters genannt worden. Vizemeister FCZ bringt bisher kein Bein vors andere und musste die Titelhoffnungen schon lange begraben. Die Zürcher müssen erst einmal schauen, dass sie die Abstiegszone verlassen können. YB fehlen die Tore. Die Berner vermissen seit dem Abgang von Seydou Doumbia einen Knipser. Mit Henri Bienvenu haben sie noch einen der zuverlässigsten Skorer verloren. Emmanuel Mayuka und Nassim Ben Khalifa sind zu wenig konstant in ihren Leistungen, um einen Meistersturm zu bilden.

Sion schliesslich hätte von der Qualität des Kaders her am ehesten das Potenzial, um dem FCB den Titel streitig zu machen. Doch der unsägliche Rechtsstreit von Christian Constantin scheint sich zum monumentalen Eigentor zu entwickeln. Werden den Wallisern tatsächlich all die Punkte abgezogen, die sie mit den nicht qualifizierten Spielern geholt haben, sieht es düster aus im Tourbillon. Nicht zu vergessen ist der FC Luzern, der sich hartnäckig auf dem zweiten Platz hält. Murat Yakins Arbeit in Ehren, aber die Qualität des Kaders dürfte den Innerschweizern höchstens einen Europacup-Platz einbringen – zumal sie ab Januar ohne Hakan Yakin auskommen müssen.

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